Review: Capture One Pro 20 – Das Abenteuer geht weiter

Nachdem ich auf meinen Review zu Capture One Pro 11 mehrmals kontaktiert wurde, dachte ich, nun wäre es an der Zeit, ein paar Worte zur Version 20 zu schreiben. Es gibt doch kaum Berichte, die auch einen Blick hinter die Prospektwahrheit erlauben.
Capture One Pro 20

Die V12 hatte ich ausgelassen, weil ich so enttäuscht war, dass in der Windows-Version zwar einige Feature Requests umgesetzt wurden, aber auch gegenüber Phase One gut dokumentierte Fehler, die mich am meisten störten, nicht mal ansatzweise behoben wurden.

Vorausschickend: Diese Fehler sind bis heute erhalten geblieben, ich gehe später nochmals darauf ein.

Neue Features und erweiterte Einstellungen von Capture One 20

Capture One hat sich innerhalb der letzten Jahre grundsätzlich gut entwickelt. Der Output ist noch immer der beste am Markt, der Workflow ist mittlerweile auch schon recht geschliffen. Die Performance wurde innerhalb weniger Updates nun auch unter Windows 10 auf ein erträgliches Maß verbessert. Noch nicht optimal, aber auch Lightroom hat dazu Jahre gebraucht. Die Version 20 bringt eine weitere Performancesteigerung, aber auch neue Features.

Scrollen der Werkzeuge

Bis zur Version 12 war es so, dass beliebige Werkzeuge in der Seitenleiste untereinander aneinandergereiht werden konnten. Das geht auch in Capture One Pro 20. Aber früher war es so, dass Werkzeuge, die zu viel Platz eingenommen haben, zugeklappt werden mussten. Dann wurde eben das Werkzeug geöffnet, das aktuell gebraucht wurde, andere wurden (automatisch) zugeklappt. Kann nerven, muss aber nicht.

Seit Version 20 ist es so, dass es auch einen Scrollbalken auch für die Werkzeug-Seitenleiste gibt, in die Werkzeuge gelegt werden können. Im „scrollbaren Bereich“ können sie auch geöffnet verbleiben. Werkzeuge, die bei jeder Art von Bearbeitung verwendet werden – bei mir z.B. das Histogramm – können trotzdem fixiert werden, also im nicht scrollbaren Bereich ganz oben.

Scrollbarer Bereich in der Werkzeugleiste
Links oben der Bereich der fixierten Werkzeuge, darunter der scrollbare Bereich. Sind mehr Werkzeuge fixisrt, so reicht der entsprechende Bereich weiter nach unten. Der Raum darunter, in meiner Arbeitsfläche ziemlich groß, kann als scrollbarer Werkzeugbereiche genutzt werden.

Das ist eine wichtige Verbesserung für den Workflow, besonders bei kleineren Bildschirmen.

DNG

Eine meiner ersten Feature Requests an Phase One betraf die Behandlung von DNG Files. Damals erklärte man mir wortreich, dass von Adobe-Programmen erzeugte DNGs eben doch nicht so wirklich und immerhin die Metadaten, aber sonst eher wenig… blafasel. Mist, weil ich von einigen Bildern nur bearbeitete DNGs zur Verfügung hatte. „Einige Bilder“ bedeutet bei mir immer noch ein paar tausend. Gott sei Dank verschwinden Originale bei mir nicht, ich konnte die meisten also im Laufe der Zeit durch RAWs ersetzen, um sie mit Capture One adäquat bearbeiten zu können. Wochen gingen bei diesen Austauschaktionen drauf. Aber wie muss es wohl anderen Anwendern gehen, die den Versprechungen der Industrie getraut und die Originale nach Umwandlung ins DNG-Format entsorgt hatten?

Von diesen Enttäuschten dürfte es wohl mehr gegeben habe, als Phase One zunächst gedacht hatte. Jedenfalls ist das Problem mit Capture One Pro 20 Geschichte. DNGs können jetzt gleichwertig zu RAWs bearbeitet werden. Großer Sprung vorwärts auch für Fotografen mit brandneuen Kameras, deren RAWs noch in keinem RAW-Konverter erkannt werden können. Adobe DNG Converter, die Bilder können dann in Capture One weiterbearbeitet werden. Dasselbe gilt für beispielsweise in Lightroom erstellte „HDR-DNGs“.

Erweiterte HDR-Funktion

Au ja, darauf hatte ich schon lange gewartet. Endlich sind in diesem Werkzeug auch getrennte Regler für Weiß und Schwarz, nicht nur für Lichter und Tiefen vorhanden. Diese beiden Regler beeinflussen zwar nur den obersten und den untersten Bereich der Tonwerte, sind aber für spezielle Korrekturen unersetzlich. Und endlich reichen die Regler für alle vier Tonwertbereiche auch in den negativen Bereich; es ist also möglich, z.B. Tiefen nicht nur anzuheben, sondern auch zu senken. Für manche RAWs sehr wichtig.

Das erweiterte HDR-Werkzeug
Zusätzliche Regler für Weiß und Schwarz, erweiterter Regelbereich auch für Lichter und Tiefen. Die Nullstellung liegt jetzt mittig.

Ja, natürlich können erfahrene Fotografen und Grafiker diese Einstellungen auch in der Tonwertkurve vornehmen. Deutlich überschaubarer sind allerdings die Schieberegler im HDR-Werkzeug.

Verbesserte Rauschunterdrückung

Die Entrauschung hat eine komplette Überarbeitung erfahren und hat in Capture One Pro 20 gegenüber früheren Versionen an Effizienz enorm zugelegt. Siehst du nicht sofort an den Reglern, die Verbesserungen liegen tiefer, unter der Haube sozusagen.

Aber wenn jetzt (defaultmäßig) die Regler auf 50 stehen, so liefert das bereits einer deutlich bessere Basis-Entrauschung als noch bei V12. Die Regler lassen sich jetzt auch ernsthaft in einem deutlich größeren Bereich als bisher verschieben, ohne das Bild zu verschlimmbessern. Vielleicht nicht so wichtig für Fotografen, die nur mal schnell ein Event online stellen wollen, aber sehr hilfreich für größere und hochwertigere Ausgaben.

Neuer Farbeditor

Der Farbeditor wartet auch mit Erweiterungen auf. Auch wenn mich die nicht so beeindrucken, so helfen sie doch mit dem neuen Register „Basisdaten“ einerseits Einsteigern, andererseits aber auch Profis bei der schnellen Korrektur von kompletten Farbbereichen.

Farbeditor Basis
Die einfachste und schnellste Möglichkeit, Farbbereiche zu verändern. Hier im Bild habe ich zur Demonstration das Grün des Rasens Richtung Blau, den Himmel Richtung Violett umgefärbelt; wie das Bild zuvor ausgesehen hat, kannst du gleich unterhalb erkennen. Die Farbpipette erleichtert diese Arbeiten, wenn du bei einer Farbe, die du gewählt hast, nicht auf den ersten Blick erkennen kannst, welchem Spektrum sie zuzuordnen ist. Mit der Pipette wählen, Capture One zeigt danach sofort von sich aus den am besten passenden Farbbereich an.

Neues Crop-Werkzeug

Beim Werkzeug „Zuschneiden“ hat sich auch Einiges getan. Aber nicht alles funktioniert bei mir so wie es von Phase One kommuniziert wurde. Ich muss mal ausholen.

Als ich noch Lightroom verwendete, war ich gewohnt, Bilder in verschiedenen Seitenverhältnissen zu beschneiden. Bild- und motivabhängig. Oder beispielsweise auch abhängig vom Layout eine Buchs. Haben sich danach Änderungen im Ausschnitt des Bildes ergeben, habe ich den Ausschnitt mittels <SHIFT>-Taste und Mauszeiger geändert, wobei das seinerzeit gewählte Seitenverhältnis erhalten blieb.

Diese Möglichkeit hatte mir bei Capture One Pro bis zur Version 12 gefehlt. Ich musste zuvor feststellen, in welchem Seitenverhältnis das Bild beschnitten war und dieses Seitenverhältnis in den Optionen einstellen. Erst danach war es möglich, das Bild korrekt neu zu beschneiden.

In der Version 20 bietet Capture One nun ebenfalls die Möglichkeit, mittels Mauszeiger und gedrückter <SHIFT>-Taste das bereits gewählte Seitenverhältnis bei einer Ausschnittänderung zu erhalten. Halleluja! Ja, schon, aber.

Neue Crop Features
Schöne, neue Welt – aber!

Das funktioniert seit Capture One Pro 20 auch nur, wenn zuvor das Seitenverhältnis „Unbeschränkt“ eingestellt wird. Dann läuft das so wie kommuniziert. Sobald allerdings beispielsweise „Original“ eingestellt ist, wie das üblicherweise bei mir so ist, so wird gnadenlos und ausschließlich das aktuell eingestellte Seitenverhältnis verwendet, egal, wie das beim ersten Zuschnitt ausgesehen haben mag.

Neue Crop Features
Bei proportionalem Aufziehen von Sonderformaten nie vergessen, zuvor auf das Format “Unbeschränkt” umzuschalten. Danach geht alls ganz einfach mit gedrückter <SHIFT>-Taste.

Dass zum Beibehalten des einmal gewählten Seitenverhältnisses eine bestimmte Voreinstellung Voraussetzung ist, habe ich weder in Presseaussendungen noch in den diversen „Testberichten“ (sprich „umgeschriebenen Prospektansagen ohne tiefergehende Beschäftigung mit dem Produkt“) gefunden.

Erster Gedanke bei solchen Erkenntnissen: Ich bin zu blöd für die Software, um dessen Genialität zu erkennen. Also gegenprüfen. Ich habe ein paar Freunde, die ebenfalls Capture One Pro verwenden. Wenn die auch selten alle Funktionen, die ich verwende, einsetzen, so können sie doch recht einfach meine Vorgehensweisen nachstellen. Sowohl auf anderen Windows-Rechnern als auch auf MacOS dasselbe Bild: Nur mit Seitenverhältnis „Unbeschränkt“ lässt sich das Seitenverhältnis bei Ausschnittänderungen erhalten.

Die anderen Erweiterungen funktionieren klaglos und ohne Hürden wie erwartet: Mit der <ALT>-Taste und der Maus wird der Ausschnitt von der Mitte des Ausschnitts her auf- und zugezogen. Und auch die >CTRL>-Taste hat eine zusätzliche Funktion. Mit ihr ist es möglich, auch im Crop-Modus das Bild zu drehen. Also nicht nur wie bisher, wenn der Mauszeiger außerhalb des Ausschnitts stand.

Seit der Version 20 wird überdies der Ausschnitt besser sichtbar: Er zeigt nun die Ecken, also die Anfasser, deutlich markiert (siehe oben).

In Summe also sehr nützliche Verbesserungen, wiewohl ich mir nicht erklären kann, warum die <SHIFT>-Taste nicht bei allen Einstellungen funktionieren könnte.

Ebenen kopieren

Ebenen zu einem Bild konnten auch bisher auf andere Bilder übertragen werden. Alle auf einmal. In Capture One Pro 20 ist es auch möglich, diesen Kopiervorgang auf bestimmte Ebenen zu begrenzen. Es wird also beispielsweise möglich, Luminanzebenen oder Verläufe zu kopieren, aber die Retuschen von kleinen Bildfehlern auszunehmen.

Praktisch, das spart Zeit bei der Nacharbeit.

Deutlich weniger Ebenen für Reparatur und Stempel notwendig

Wenn wir schon bei den Ebenen sind: Ein neues Feature von V20, welches bei der ersten Release noch nicht vorhanden war, aber hinsichtlich der Arbeit an einem Bild einen deutlichen Sprung nach vorne bringt. Das letzte Update brachte Verbesserungen, die üblicherweise nur großen, teuren Updates vorbehalten sind. Diesmal profitieren aber alle bisherigen Capture One Pro 20-Nutzer kostenlos davon.

Bisher mussten für jeden Retusche-Vorgang („Reparatur“) eine eigene Ebene mit einem einheitlichen Bezugspunkt für alle Korrekturen dieser Ebene erstellt werden. Das war bei mehreren Staubflusen auf dem Objekt der Begierde oder bei Bildscans nervig und vor allem enorm zeitaufwändig. Solche Retuschen lassen sich jetzt auf einer Ebene bewerkstelligen, denn Reparaturebenen können auch mehrere verschiedene Bezugspunkte beinhalten.

Dazu kommt noch, dass es auch nicht mehr nötig ist, solche Ebenen vor der Retusche zu erstellen: Reparaturpinsel anklicken, auf eine zu korrigierende Stelle klicken, und Capture One erstellt die notwendige Ebene selbst.

Dasselbe gilt übrigens auch für die Klonfunktion (vulgo „Stempeln“). Auch hier ist es nun möglich, mehrere Stempelvorgänge mit verschiedenen Bezugspunkten auf einer Ebene unterzubringen. Auch die Verwendung des Stempels erzeugt automatisch die nötige Ebene.

Nicht nur, dass sich die Arbeit damit deutlich erleichtert, es stehen nun auch mehr Ebenen für andere Aufgaben zur Verfügung, denn die Anzahl der möglichen Ebenen pro Bild liegt weiterhin bei 16.

Mit all diesen gravierenden Verbesserungen hat sich aber auch eine Kleinigkeit durch die Hintertür eingeschlichen, die (mir) möglicherweise die Arbeit noch erschweren könnte. Bisher hat bei Reparaturen und Stempeln die Helligkeit nicht gestimmt. Mein Workaround bisher war, mittels einer Anpassungsebene die Helligkeit der Reparatur oder der gestempelten Fläche anzupassen. Dazu habe ich die Maske von der betroffenen Reparatur- oder Klonebene kopiert. Das geht nun nicht mehr: Masken können nur mehr von Anpassungsebenen kopiert werden, aber nicht mehr von Reparatur- bzw. Klonebenen.

Nun kann es sein, dass die Helligkeitsunterschiede in der überarbeiteten Version nicht mehr auftreten. Dann wäre das alles kein Problem. Aber so weit, das beurteilen zu können, bin ich nicht. Die Helligkeitsunterschiede sind auch bisher nicht so oft aufgetreten und waren immer nur in dem speziell bearbeiteten Bild reproduzierbar. Binnen eines Monats weiß ich dazu mehr.

Vorher/Nacher-Ansicht

Schon oft gesehen – in anderen Softwareprodukten, jetzt auch in Capture One Pro: Der Vergleich des Bildes in seinem Originalzustand und in der letzten Bearbeitung in Echtzeit. Zwei Modi stehen zur Verfügung: Du kannst jetzt per Mausklick von der Bearbeitung in die “Vorher”-, also die Original-Ansicht springen. Gut, das ging auch bisher, zwar entwas umständlicher, aber doch. Ich bevorzuge allerdings die zweite Methode:

Die Vorher/Nachher-Ansicht
Der zweite Modus der Vorher/Nachher-Ansicht, die mittels Slider per Maus bedient wird.

Geile Sache, einfach in der Anwendung, sehr hilfreich.

Alte Fehler

Wie schon weiter oben angesprochen, habe sich einige Fehler der Windows-Version leider bis heute erhalten. Ich schreibe „Windows-Version“, weil mir diese Fehler auf dem Mac nicht, unter Windows aber in jedem größeren Katalog, sogar in manchen Sessions unterkommen. Reproduzierbar, mehrfach ausführlich gegenüber dem Softwarehersteller dokumentiert. Nach vielen Wochen, nachdem in fernen Landen endlich einmal auch wirklich auf Windows-PCs und nicht auf Macs getestet wurde, konnte man diese Fehler sogar erkennen, aber deren Ursprung nicht lokalisieren. Sie sind bis heute nicht behoben.

Worum geht es? Es werden in Capture One Farbmarkierungen vergeben und im Filterwerkzeug angezeigt. Neben der jeweiligen Farbe steht die Anzahl der vorhandenen Bilder innerhalb des gewählten Bildbestandes. Und diese Zahlen sind falsch. Meist, fast möchte ich sagen in der Regel.

Capture One Filter-Fehlanzeige 001
Fasen wir zusammen: Wir sehen eine Benutzersammlung, die angeblich -5 (in Worten: minus fünf) Bilder enthält. Davon sind 44 Blau und 1 Rot markiert. Wer hat das ausgerechnet? In Wahrheit, siehe rechts, sind in dieser Benutzersammlung gar keine Bilder. Nicht eines. Nur der Vollständigkeit halber: Alle Filter sind ausgeschaltet.

Klar sollte sein: Bei der Betrachtung dieser Fehlanzeige müssen nicht nur andere lokale Filter, sondern auch die globalen Filter (zweiter Punkt im Menü “Anzeige”) ausgeschaltet sein, damit das Ergebnis nicht verfälscht wird.

Falsch angezeigt werden in manchen Fällen auch die Sterne-Bewertungen; dort fällt es mir nur nicht so deutlich auf. Ich markiere für bestimmte Projekte Bilder aber sehr wohl mit bestimmten Farben, nach diesen Farben muss ich diese Bilder dann auf Knopfdruck auf dem Bildschirm versammeln und für den jeweiligen Export vorbereiten. Und das passiert zumindest einmal die Woche.

Diese fehlerhaften Zählungen sind behebbar, aber nur mit Aufwand, den ich nicht wöchentlich treiben möchte:

  1. Einen neuen Katalog erstellen.
  2. Den alten Katalog nach Prüfung und allenfalls Reparatur in den neuen Katalog importieren.

Danach stimmen die Zahlen wieder. Bis zum nächsten Datenbank-Huster.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum das nicht jedem Anwender von Capture One ins Gesicht springt? Die Antwort ist einfach: Es sind für das Auftreten dieser Fehler einige Voraussetzungen erforderlich, wie sich im Laufe meiner Arbeit herauskristallisiert hat. Diese Fehler werden begünstigt durch:

  • Importe aus Lightroom-Katalogen
  • Datenbank-Labilitäten („Prüfung fehlgeschlagen“)
  • jedwede Programmabstürze oder -hänger

Bei mir läuft Capture One täglich stundenlang, es sind dabei fast immer mehrere Kataloge nebeneinander geöffnet. Es werden täglich zumindest mehrere hundert Bilder angefasst und zum Teil bearbeitet. Mehrmals täglich klaubt sich Capture One den Datenbestand neu zusammen und lässt mich mit der „Sanduhr“, der sich langsam schließenden Kreisfläche, wartend zurück.

Die eine "Sanduhr"
Au weia! Jetzt heißt es warten…

Das alles stresst die Datenbank, die Capture One zugrunde liegt, beträchtlich. Und verursacht Fehler, die auch bei einem Reparaturvorgang nach fehlgeschlagener Prüfung widerstehen können.

Manchmal passieren solche Fehlanzeigen auch bei individuell definierten Benutzersammlungen:

Capture One Filter-Fehlanzeige 001
Zahlenspiele für Volksschüler.

Wenn es passiert, ist das vor allem dann sichtbar, wenn Bilder in eine solche verschoben werden, die dort bereits vorhanden sind. Korrekt würde Capture One die bereits vorhandenen Bilder ignorieren. Wenn es aber blöd hergeht, zählt Capture One diese „Duplikate“ aber nochmals mit.

Ein weiteres Problem, das nicht vollständig verschwunden ist: Die Datenbank verwurstelt sich manchmal. Du wirst das nur ganz selten bemerken, denn Capture One Pro arbeitet in den allermeisten Fällen „ganz normal“ weiter. Deshalb prüfe ich (eigener Punkt im Dateimenü) die Sessions und Kataloge, mit denen ich arbeite, einmal pro Woche. Ist die Prüfung fehlgeschlagen, lasse ich aus der Prüfroutine heraus reparieren. Hat über die Jahre fast immer problemlos geklappt. Für den Notfall gilt: Backups macht Capture One aber sowieso regelmäßig, du musst nur auf den Knopf drücken.

Lauter Lästigkeiten, die bei einer Software mit dem Preis nicht passieren dürften.

Neue Fehler und Abstürze von Capture One Pro seit der Version 20

Capture One hat mit Capture One Pro 20 den bisher größten Abstand zu einer Vorgängerversion geschafft. Leider sind aber auch gänzlich neue Fehler aufgetaucht, mehr als bei einer neuen Version üblich. Ich spreche, wie bereits im gesamten Artikel, von der Windows-Version. Ich arbeite zu selten auf Macs, um mir dort ein abschließendes Urteil zu erlauben.

Es kommt nun manchmal und nicht einfach reproduzierbar vor, dass nach langer kontinuierlicher Arbeit das nächste gewählte Bild nicht mehr scharf angezeigt wird. Nein, es ist nicht offline, um die erste Idee gleich wieder auf die Ersatzbank zu schicken.

Ich weiß dann bereits, was gleich passieren wird: Ein Bild zurück, eines nach vor – keines dieser Bilder wird angezeigt, weder scharf noch unscharf. Kein Bearbeitungsschritt wird durchgeführt, obwohl die Mühle noch lange nicht steht. Diesen Zustand des Hängens zu beenden, ist nur mit dem Schließen von Capture One möglich. Der Schließknopf funktioniert ja noch.

Ebenfalls sind mir in Vorgängerversionen noch nie Backups, schon gar nicht mit dem Hinweis, es würde das Backup von einem Fehler verhindert, abgebrochen worden.

Capture One Backup Error
Hartnäckig: Capture One Backup Error. Wenn Capture One nicht will, dann will es nicht.

Passiert es, kannst du dann auch mehrmals hintereinander probieren – geht nicht. Witzigerweise funktioniert das Backup nach einem Restart desselben Katalogs dann wieder problemlos. Keine Änderung, nicht mal eine fehlgeschlagene Datenbankprüfung oder so.

Es wurden ein paar weitere ähnlich unangenehme Fälle von unerwartetem Fehlverhalten zwischenzeitlich bereits mit Updates beseitigt, die oben genannten sind aber in der derzeit aktuellen Version noch vorhanden.

Auch die Seltsamkeit, dass bei verschiedenen Operationen, z.B. dem Verschieben von Bildern in eine Benutzersammlung, in den Aktivitäten angezeigt wird, dass xxx Bilder aus dem Papierkorb wiederhergestellt werden, ist noch vorhanden. Zwar seit den letzten Updates nicht mehr so penetrant, aber immer noch störend. Vor allem, weil die Anzeige sich ab einem für mich nicht identifizierbaren Punkt stehenbleibt, Capture One aber weiterrödelt, als würde es noch immer wiederherstellen. Stundenlang, wenn es sein muss. Die Anzeige lässt sich mit Tricks zwar in den Hintergrund drängen, die Anzeige, dass Capture One noch daran arbeitet und die CPU-Last, bleiben aber.

Capture One Aktivitäten Übersicht 001 Bewegen Zwischen Sammlungen
Ich verschiebe ein Bild (rechts ganz unten) in eine Benutzersammlung. Das Spiel beginnt.
Capture One Aktivitäten Übersicht 002
Deutlich sichtbar: In diesem Katalog befinden sich überhaupt nur 70 Bilder, keines liegt im Papierkorb, aber 141 Bilder sollen aus dem Papierkorb wiederhergestellt werden?
Capture One Aktivitäten Übersicht 003
Im Extremfall artet das dann so aus.

Ein anderer Punkt, der aber wahrscheinlich die meisten Anwender nicht betreffen wird: Zunehmend viele importierte TIFFs, aber auch manche JPEGs lassen sich nach dem Import weder bewerten noch bearbeiten.

JPEG TIFF können nicht bearbeitet werden.
Eines der zunehmend vielen JPEGS, die nach Import nicht bearbeitet werden können. Das Gleiche passiert auch mit so manchen TIFFs.

Das Problem ist schon in früheren Versionen zutage getreten, aber äußerst selten. Seit V20 passiert das leider deutlich öfters. Ja, “Der böse Photoshop von Adobe hat da Mist gebaut.“ Habe ich schon öfters von Phase One gehört. Ich kann dieser Argumentation nur schwer folgen, vor allem, wenn ich mir meinen Workaround ansehe: Einfach diese nicht bearbeitbaren TIFFs aus Capture One heraus mit Photoshop „bearbeiten“ lassen und dort speichern. Passt schon, das alte TIFF löschen, dem neuen TIFF den alten Namen geben und fertig. Ab da geht alles, wie sonst auch. Lästig nur, weil es Zeit kostet, aber nicht wirklich ein Aufreger.

Ich vermute, auch aus anderen Gründen, dass Phase One bei der Programmentwicklung davon ausging, dass es sich bei TIFF und JPEG ausschließlich um „Fertigprodukte“ handle. Deshalb ist in diesen Formaten auch keine Objektivkorrektur, nicht mal manuell, verfügbar. Auch stehen alle Regler bei den Werkzeugen Schärfung“ und „Rauschreduzierung“ in der Nullstellung; die können aber wenigstens noch manuell bedient werden.

Nun, die Ansicht, TIFFs oder JPEGs seine ausschließlich Endprodukte, ist falsch. Gar nicht so wenige Kameras haben früher statt oder neben RAWs TIFFs geliefert; das hat sich erst vor etwa zehn, fünfzehn Jahren aufgehört. Selbst heute noch kommt aus der einen oder anderen Kamera nur komprimiertes JPEG. Aber mach das mal einem Entwickler klar, der fest zu seiner Philosophie stehen möchte.

Auch eine „lustige“ Verhaltensweise, die ich in einem Forum durchbesprochen habe:

So, jetzt spinnt sich Capture One Pro bei mir überhaupt aus: Wann immer ich in welchem Katalog, in welcher Sitzung auch immer, eine ****-Wertung für Bilder vergebe, wird die automatisch auf null Sterne gesetzt, sobald ich den Fokus auf ein anderes Bild oder überhaupt auf kein Bild setze. Nachvollziehbar, jederzeit wiederholbar.

Ja, schwer zu glauben. Ist aber trotzdem so. Ich habe C1 neu gestartet, den Rechner neu gestartet, das hat nichts verändert. Ich habe Bilder einzeln oder in Gruppen bewertet – macht keinen entscheidenden Unterschied.

Begonnen haben die Seltsamkeiten vor einigen Tagen, als ich feststellte, dass Bewertungen manchmal für mehr als das eine Bild, das ich bewertet habe, erfolgten. Am Anfang habe ich das auf meine Unzulänglichkeit geschoben und einzeln wieder korrigiert. Dann ist das öfters passiert, da tat ich mir schon schwerer, das auf meine Schusseligkeit zu schieben. Und jetzt das.

Okay, die Frage ist: Was nun tun. Capture One deinstallieren und neu aufsetzen? Wird das helfen? Welche Einstellungen würden dabei wieder in die neue Installation übernommen. Oder, anders: Welche fehlerhaften Einstellungen würden in die neue Installation mitgeschleppt? Welche für mich wichtigen Einstellungen, an die ich gar nicht mehr denke, müsste ich neu setzen? Welche andere Softwareprodukte (Programme, aber auch Treiber) könnten mein C1 beeinflussen (und warum)?

Windows neu aufsetzen wäre auch noch eine Möglichkeit, aber nur eine Option, wenn es anders nicht mehr ginge. Weil das dauert bei der umfangreichen Installation diverser Grafik- und DTP-Tools wirklich gut eine Woche, bis die Maschine wieder produktionstauglich wäre
.

Ich habe das Problem inzwischen gelöst:

Nach einer halben Stunde und verschiedenen Versuchen habe ich die Voreinstellungen bzw. die von Capture One dafür abgelegte Datei gelöscht. Eigentlich nur umbenannt und damit unbrauchbar gemacht. Capture One legt dann eine neue an.

Und, siehe da, die Bewertungen funktionieren wieder, wie sie sollen. Als hätte es nie ein Problem gegeben. Nächste fulminante Erkenntnis: Capture One hat alle meine individuellen Einstellungen auch in die neu erstellten Voreinstellungen-Datei eingetragen. Oh! Bei Gelegenheit werde ich die alte und die neue Datei vergleichen. Bin gespannt, was dabei auftaucht. Was ich aber nicht begreife: Wie kann das Vergeben von Bewertungen von den Voreinstellungen so negativ beeinflusst werden? Keine der Einstellungen betrifft auch nur im Entferntesten die Bewertungen.

Weder andere Programme noch Treiber haben das Problem ausgelöst. Einfach wieder (denn das war nicht der erste solche Fall) eine “Capture One Autoimmun-Erkrankung”. Wirklich das komplexeste Adventure aller Zeiten, dieses Capture One Pro.

Service und Support

Ein paar Worte über den Support für Capture One Pro müssen noch gesagt werden. Im Review über die Version 11 habe ich noch vom Support geschwärmt, wiewohl der nach ein paar Wochen am selben Problem auch mal Ermüdungserscheinungen zeigte. Da hat sich in den letzten Monaten viel getan, leider nicht zum Besseren. Der Support für dieses teure Produkt für Berufsfotografen ist derzeit unter aller Sau. Wartezeiten von zehn Tagen aufwärts sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. So lange kann ein Professional nicht warten. Das ist unwürdig, um nicht zu sagen, eine Frechheit. Noch dazu, wo mit der Version 20 ganz neue lästige Fehler aufgetaucht sind.

Was ist passiert? Nachrichten aus dem Supportforum bieten eine Erklärung an. Die Kunden wurden in zwei Gruppen geteilt:

  1. Fotografen, die Phase One Hardware (Kameras und Objektive) nutzen.
  2. Fotografen, die andere Kameras nutzen, aber keine Phase One Produkte.

Der ersten Gruppe genießen weiterhin das ihnen zustehende Service. Die zweite Gruppe wurde – sagen wir es, wie es ist – abgewertet. Sie sind schon insofern lästig geworden, als sie mittlerweile einen nicht unerheblichen Teil der Supportmannschaft gebunden haben. Das wiederum hat die Antwortzeiten auch für Phase One-Kunden verlängert. Der Phase One-Kunde soll aber weiterhin bestmöglich unterstützt werden, der Support nicht durch Hobbyfotografen blockiert werden. Und der Nikon-, Canon, Sony-, Fuji-, Sonstwas-Kunde? Der sollte einen eigenen Support bekommen. Nicht ganz so aufwändig. Deswegen wurde dieser Support in einen eigenen Bereich verschoben, alte Fälle im Phase One-Bereich wurden ohne Rückfrage geschlossen, neue köännen nur mehr in den für den Kunden zuständigen Bereich geöffnet werden.

Nur funktioniert der neue Bereich für “minderbemittelte” Capture One-Kunden nicht. Nicht bis heute. Eher bekommst du derzeit noch vernünftige Hilfestellungen über das Capture One-Forum. Schande! Denn auch der Kunde ohne Phase One-Kamera zahlt denselben hohen Preis für sein Produkt wie jeder andere auch. Ich hätte diesen Weg noch verstanden, wenn Phase One den Support für die sehr preisgünstigen, aber auch in ihrem Funktionsumfang reduzierten Sony-, Fuji- und in Kürze auch Nikon-Versionen reduziert hätte. Aber so? Ich hoffe inständig, dass sich diese Service-Situation zeitnahe wieder einspielt.

Fazit

Spätestens jetzt wird bei den meisten meiner Leser die Frage auftauchen, warum ich dann überhaupt noch mit Capture One arbeite, obwohl ich doch mit so vielen Fehlern konfrontiert bin. Warum hatte ich sogar das V20-Update vorbestellt?

  1. Abo-Modelle sind nicht mein Ding, vor allem wenn es ausschließliche Abo-Modelle sind, bei denen alle Arbeitsschritte verloren gehen, sobald das Abo beendet wird. Ja, ich könnte mir die Ergebnisse rechtzeitig als TIFFs rausspielen, aber auch so würde ich die Möglichkeiten der nicht-destruktiven Bearbeitung verlieren.
  2. Weil die Ergebnisse in achtzig Prozent der Fälle so deutlich besser sind als die aus z.B. Lightroom, dass ich auf diese Ausarbeitungsqualität nicht mehr verzichten möchte.
  3. Weil Capture One mir auch die Arbeit in CMYK-Farbräumen inkl. Proof anbietet.
  4. Und weil mir Capture One den Workflow aus einem anderen Grund massiv beschleunigt: Ich mache heute fast alle Retuschen direkt in Capture One. Muss der Himmel auf drei Bildern farblich und/oder die Helligkeit betreffend angepasst werden? Hängen Drähte vor dem Motiv? Müssen Gesichter verändert werden? Fast alles ohne Zusatzsoftware.

JPEGmini für den optimierten JPEG-Export habe ich als Plugin in Capture One eingebunden, Topaz-Software, wenn ich sie brauche, starte ich auch dort heraus. Schön wäre noch, könnte ich die zu verwendenden Programme, an die ich Bilder übergeben möchte, selbst festlegen. Darauf warten aber auch bereits tausende andere Capture One-Kunden seit Jahren.

Mein persönliches Resümee ist also durchaus positiv, wiewohl ich gerne auf den einen oder andere Stressauslöser verzichten würde. Soweit es die Möglichkeiten der Bearbeitung und die vor allem die Qualität des Outputs betrifft, bleibt Capture One auch für mich die klare Nummer Eins. Mit großem Vorsprung.

Der Support allerdings MUSS in Kürze wieder auf eine erträgliche Qualität geebracht werden.