Review: Uniqball – eine interessante Erfahrung

In den USA wurde mir, wie viele von Euch wissen, mein Stativ samt Kugelkopf und einigen anderen Kleinigkeiten gemopst. Ich musste mich daher nach neuen Ausrüstungsgegenständen umsehen.

Beim Stativ war’s klar: Da kam nur wieder dasselbe Modell, ein Feisol Tournament CT-3442 Rapid in Frage: Extrem leicht, verwindungssteif, vibrationsarm und kostengünstig.

Feisol Tournament CT-3442 Rapid
Feisol Tournament CT-3442 Rapid: extrem leicht, verwindungssteif, vibrationsarm und kostengünstig.

Beim Kugelkopf allerdings – ich hatte zuvor einen Markins Q3 Emille – musste ich ein wenig überlegen. Mir war bislang eine Nivelliereinrichtung abgegangen. Eine solche ist für saubere Panoramen recht sinnvoll, bringt aber zusätzliches Gewicht mit sich. Da traf mich die Nachricht, dass drei ungarische Naturfotografen – Csaba Karai, Balázs Kármán und László Novák – einen interessanten neuen Kugelkopf, der das Nivellierproblem lösen sollte, zur Serienreife gebracht hatten. Uniqball hieß er.

Mit der unteren Kugel wird nivelliert, Diese Kugel bzw. deren Fassung hat eine Wasserwaage. Die Kamera selbst bleibt auf der oberen Kugel auch beim Drehen und Neigen – bei zuvor exakt nivellierter äußerer Kugel – stets „in der horizontalen Ebene“. Schräge Horizonte und windschiefe Architekturaufnahmen werden damit nahezu ausgeschlossen. Das ist besonders, aber nicht nur bei Panoramen wichtig. Ein vorlauter Vorgriff: Dieser besondere Vorteil des Uniqball funktioniert auch in der Praxis exakt so, wie es das Design mit den beiden Kugeln verspricht.

Wer einen klassischen Kugelkopf aus Gründen wie immer benötigt, arbeitet eben mit beiden Kugeln. Dann ähnelt die Funktionsweise der eines „stinknormalen“ Kugelkopfes.

Mich persönlich interessierte vor allem der Uniqball UBH-35, dessen Gesamtgewicht von 500g nicht höher ist als die einer brauchbaren Nivelliereinrichtung alleine und dessen Tragkraft (Herstellerangabe 15kg) für mich ausreicht..

Theoretisch liefert Novoflex dieses Produkt seit einiger Zeit. Die österreichische Vertretung jedoch hatte den Uniqball noch nicht gesehen, geschweige denn auf Lager. Und etwas Neues mit einem Preis von mehreren hundert Euro kaufe ich nicht blind. Das muss ich schon vorher begrapschen.

Es war trotzdem recht einfach. Ein Freund, AvTvM im Warp2Search-Forum, schrieb an den Hersteller. Dieser erklärte sich bereit, einen Uniqball UBH-35, also das kleinere der beiden Modelle, nach Österreich zum Test zu liefern. Einfach, schnell, unkompliziert. Herzlichen Dank nochmals, lieber Csaba!

Auspacken, Angrapschen

Binnen weniger Tage war er in Wien, der Uniqball. Schlichter Karton, reichhaltiges Innenleben. Der erste Blick zeigt, dass auch Naturfotografen nicht immer der Versuchung widerstehen können. Schwarz mit roter unterer Kugel, ziemlich glänzend. Nun gut, wenn die Wildfotografen schon ganzkörperlich in Camouflage gehüllt sind, um gegen den Hintergrund nicht aufzufallen, kann so eine knallrote Kugel schon ´was.

Weil wir schon bei der „unteren Kugel“ sind, es gibt auch eine obere. Mit der unteren Kugel wird nivelliert, eine – für meine Begriffe ein wenig kleine – Libelle hilft, die Basis für die obere Kugel in die Waage zu bringen:

Uniqball Libelle
Uniqball: Eine kleine Libelle hilft, die Basis für die obere Kugel in die Waage zu bringen:
  • Dabei ist allerdings sehr vorsichtig umzugehen, denn
    Die Libelle ist klein, sehr klein – habe ich das schon erwähnt?
  • Beim Fixieren neigt die untere Kugel bei den ersten fünf Versuchen leider zur Bewegung, d.h. dass sich die Nivellierung wieder ein ganz klein bisschen verstellt. Das habe ich nicht so gerne, ist schließlich kein Kugelkopf um € 99. Dieses Verhalten ließ sich bei späteren Versuchen aber nicht mehr feststellen.
  • Man kann diesem Problem – wenn es denn existiert – ausweichen, indem man die Fixierung vor dem Nivellieren vorspannt. Gerade so, dass sich die untere Kugel noch bewegen lässt.

Okay, dann hätten wir mal alles in der Waagerechten.

Ab ins Gemüse

Jetzt versuche ich mal, den Uniqball einer geordneten Verwendung zuzuführen. Dabei bemerke ich:

  • Der Kopf sitzt gut auf dem Stativ (Feisol CT-3442 Tournament, zwecks Stabilität ohne Mittelsäule).
  • Die obere Kugel funktioniert ähnlich einem Zwei-Wege-Neiger.Es gibt weder oben noch unten eine Friktionseinstellung. Stört allerdings kaum, weil der Uniqball auch so gut bedienbar ist.
  • Die untere Kugel wird mittels Knebelschraube (Hebelstellung verstellbar) angezogen, die obere mittels roten, stark geriffeltem Drehrad.
  • Die Schnellwechselaufnahme – Arca Swiss-kompatibel – wird mit einem weiteren Drehrad, welches wiederum längsseits gerippt ist, geschlossen.
  • Die Schnellwechselaufnahme hat einen Pfeil, neben dem „Lens“ steht, graviert. Der Pfeil zeigt in die Richtung, in der sich die Feststellschraube für die obere Kugel befindet.
Pfeil mit Beschriftung "Lens"
Uniqball: Ein Pfeil, neben dem „Lens“ steht.
  • Er ist aber (logischerweise) nicht mehr sichtbar, sobald die zweite Schnellwechselaufnahme zur Kamerabefestigung (siehe unten) aufgesetzt ist.
Mit Schnellwechselplatte kein Pfeil mehr
Uniqball: Mit Schnellwechselplatte ist der Pfeil nicht mehr zu sehen.
  • Neben der unteren Nivellierkugel hat auch jede Schnellwechselaufnahme eine eigene Wasserwaage mit Libelle.
  • Alle Schnellwechselaufnahmen sind mit Feststellrad ausgestattet, aber offensichtlich nicht mit Schnellspannhebel lieferbar. Das betrifft sowohl den Hersteller als auch die über Novoflex vertriebene Variante.

Nicht zu jedem Detail fällt mir, wie ich zugeben muss, ein plausibles Argument ein.

Die Praxis

Die Schnellwechselaufnahme ist leider so gestaltet, dass die Kamera oder das Objektiv mit Schnellwechselplatte eingeschoben werden muss. Ein Aussetzen und Einkippen, wie ich das bislang gewohnt war, ist beim Original aus Ungarn mangels entsprechend großer Öffnung nicht möglich. Nun, da draußen im freien Feld möchte ich nicht beginnen, ein Teil ins andere einzufädeln. Das ist aber noch nicht alles, was mich beim realen Gebrauch stört.

Die Aufnahme ist primär für längere Teleobjektive – für Naturfotografen eben – gedacht. Eine Kamera dort aufzusetzen wäre nur mit einen „Cross-Aufnahme“, wie sie Novoflex theoretisch im Programm hätte (Q=Mount X bzw. Q=Mount XD), möglich. „Theoretisch“ deshalb, weil Novoflex den Uniqball zwar mit eigener Aufnahme und entsprechend teurer (€ 399) als Uniqball selbst (€ 335) ausliefert. Aber – fix no amoi! – nicht mit dem Q=Mount X.

Uniqball Ungarn löst das Problem mit einer Beilage einer zweiten Schnellwechselaufnahme, die auf der auf dem Uniqball fix montierten aufsetzt. Immerhin. Die zweite Schnellaufnahme muss allerdings eingeschoben werden, weil sie – siehe oben – nicht aufsetz- und einkippbar ist. Jetzt kommt der Clou: Die Kamera (beim Test verwende ich meine Nikon D800 mit L-Winkel) kann in die zusätzliche Aufnahme problemlos eingekippt werden. Ich bin beeindruckt. Wer hat da von wem nicht richtig abgeschrieben? Der Entwickler der unteren Schnellaufnahme von dem oberen oder umgekehrt? Schilda, dein Platz ist überall.

Ja, und dass ich es nicht vergesse: Die obere Schnellspannvorrichtung sollte richtig eingeschoben werden, sie ist nicht verdrehsicher. Das fällt ziemlich schnell auf, weil sich in der falschen Richtung die Feststellräder von Kugelkopf und obere Schnellwechselaufnahme in die Quere kommen.

Sitzt die Kamera in der richtig eingeschobenen Schnellaufnahme, so gibt es wenig zu klagen. Die Kugeln laufen geschmeidig und ohne zu kratzen. Gut, der Uniqball ist schließlich kein Billigprodukt. Leider ist keine dieser Libellen mit aufgesetzter Kamera mehr sichtbar. Irgendwie „für die Würscht“ sozusagen. Hingegen hätten Libellen in den Seiten (z.B. wo auf einem Bild die Beschriftung „UXA“ zu lesen ist) wirklich geholfen.

Mit kurzen Objektiven mittleren Gewichts steht der Kugelkopf ohne Probleme, aber wie sieht es bei schwerem Equipment mit ungünstiger Lastverteilung aus? Das prüfe ich – mit meinen bescheidenen Mitteln– überprüft, indem ich (siehe Bild) die D800 samt Nikkor 1:2,8/80-200mm nicht an einer Stativschelle am Objektiv, sondern direkt am L-Winkel an der Kamera mit der Schnellwechselaufnahme befestige.

Auch mt schwereer Belastung okay
Nikon D800 mit uraltem, aber schweren, 1:2,8/80-200mm Telezoom.

Hält bombensicher, verstellt sich auch bei längerem Gebrauch nicht. Ich hätte keinerlei Bedenken, dem Uniqball auch 8-12kg schwere Kamera-Tele-Kombinationen anzuvertrauen, solange die Einheit halbwegs austariert auf einer Stativschelle sitzt.

Bei all den Arbeiten stelle ich aber nun doch wieder eine Eigenheit des Uniqballs fest: Während die Bewegungen der unteren Kugel beim Feststellen nun nicht oder kaum mehr feststellbar sind, das Nivellieren also problemlos klappt, ist das bei der oberen Kugel nicht so. Beim Festziehen über das vorne, unter dem Objektiv befindliche Drehrad wandert das „Zielkreuz“ deutlich nach oben. Das bedeutet, dass der Fotograf den Verzug bei der Einstellung berücksichtigen muss. Das geht ganz gut, ich liebe Workarounds – siehe oben – allerdings nicht. In der Preisklasse können das andere Köpfe deutlich besser.

Wie ich einigen Erfahrungsberichten aus dem Internet entnehme, ist das kein neues Problem und wurde auch schon von Uniqball bemerkt und angegangen. Zufriedenstellend ist das Ergebnis aber noch nicht.

Wie sieht es mit der Dämpfung aus? Ich verwende dafür wieder die balancemäßig „ungünstigste“ Kombination aus D800 und 1:2,8/80-200mm bei 200mm, Blende :7,1, um Objektivschwächen (kaum vorhanden) auszugleichen und 5m Aufnahmedistanz. Zweimal mit einer Belichtungszeit von 1/3 Sekunden (ISO 100), zweimal mit 1/50 Sekunden bei ISO 1600. Ein Vergleich der beiden besseren Bilder (wobei die beiden mit der kürzeren Verschlusszeit identisch waren) ist auf dem unteren Screenshot zu sehen:

Uniqball Dämpfungstest
Uniqball: Ein Dämpfungstest zeigt die Schwächen.

Das untere Bild ist – erraten – die Aufnahme mit der kürzeren Verschlusszeit, gut zu erkennen am Innenrand der Rosette..

Die Dämpfung ist mit meinen Methoden nur näherungsweise feststellbar. Von den Ergebnissen her, die ich auf dem gleichen Stativmodell (jeweils ohne Mittelsäule) auf gleiche Weise mit anderen eher höherpreisigen Kugelköpfen bereits früher erfahren habe, ist die Dämpfung eher durchschnittlich. Mein Markins Q3 und der Arca Monoball P0 waren besser, der Novoflex Magicball liegt im Ergebnis hinter dem Uniqball wie auch der Kirk BH3. Also: unbedingt Spiegel vorauslösen!

Fazit

dreieinhalb Sterne von fünf möglichen

Es war eine kurze Zeitspanne, die mir für ein Kennenlernen mit den Uniqball gegönnt war. Die Begegnung war interessant, das neue Konzept, eine Nivellierung mittels zweiter Kugel in einen einzigen Kugelkopf zu integrieren, halte ich für wirklich gelungen. Das Gesamtgewicht von 500g ist deutlich geringer als das Gewicht einer Kombination von ähnlich tragefähigem Kugelkopf und einer passenden Nivellierbasis.

Der Preis von EUR 335 für den Uniqball UBH-35 ist für die gebotenen Möglichkeiten eher günstig, sogar den Preis, den Novoflex (mit einer Novoflex-Schnellwechselaufnahme) halte ich für noch argumentierbar.

Über ein paar Kleinigkeiten wie die Feststellung der oberen Kugel sollten sich die Erfinder noch den Kopf zerbrechen. Die Bedienmängel (zu geringer Öffnungswinkel der unteren Schnellwechselaufnahme, die einander ein wenig behindernden Feststellschrauben) sind ebenso behebbar. Dann würde auch ich zuschlagen.

P.S. nur für Verwender von Feisol Tournamet-Stativen: Beim CT-3442 Lassen sich die Stativbeine zwecks kleinerem Packmaß um 180° über den Kopf drehen. Das hilft enorm bei Trgaen, aber nur dort, wo ein kleiner Stativkopf eingesetzt wird, ein großer wäre im Weg. Der “kleine” Uniqball ist gerade noch passend für eine solche Vorgehensweise; der größere nicht mehr.

Uniqball eingeklappt
Der kleine Uniqbaal passt auch noch eingeklappt ins Feisol.