Usertreffen des NF Clubs in Augsburg

Augsburg ist eine Reise wert

Ein üblicher Urlaub war in diesem Jahr nicht mehr drin. Aber ein Usertreffen mit mir bislang noch nicht persönlich bekannten Forums-Fotografen aus dem NF Club (vormals Nikon Club), einem meinerseits gerne genutzen Forum, reizte mich schon beträchtlich. Immerhin hatte man das Treffen nach Augsburg verlegt, um auch mir und meiner Liebsten die lange Anfahrt zu verkürzen. Der User Pattebaer hatte organisiert und eine nette Runde an Fotograf(inn)en hatte sich angesagt. Da konnten wir nicht zurückstehen.

Ja, die Anfahrt war ein wenig mühsam. Mir war am Tag vor unserer Abfahrt ein minimaler Druckverlust im linken Vorderreifen aufgefallen. Eine Prüfung Freitag abends zeigte: Ich hatte recht, 0,2 bar weniger als rechts. Nun, wenn ich schon dabei bin… Öha! Im linken Hinterreifen lag der gemessene Druck bei 1,4 bar, normalerweise waren da 2,6 drin. Eh klar, Freitag Abend. Abfahrt für Samstag sechs Uhr morgens. Unwahrscheinlich, dass da ein Reifenhändler für uns offen halten würde.

Am Samstag um 6 Uhr geht es trotzdem los. Ich prüfe nochmals den Druck an einer Tankstelle in der Hadikgasse, direkt an der Westausfahrt von Wien. 2,2 bar. Ahem. Noch ein bisserl nachpumpen. Next Stop Wels, da würden wir notfalls einen Reifenspezialisten finden können. Der Druck ist auch in Wels noch annehmbar, also weiter nach Augsburg. Dort würde uns etwas einfallen müssen…

Wen treffen wir in Augsburg? Roland (Pattebaer) lebt vor Ort, Michael (Beuteltier) ebenfalls, Peter (Thevenin) wohnt überhaupt nur 150m von unserem Hotel entfernt. Das Dorint, unsere Wohnadresse für die nächsten Tage, wird übrigens auch „Maiskolben“ genannt. Warum wohl?

Hotel Dorint Augsburg

Der erste Ortsfremde, der in unserem Hotel eintrifft, ist allerdings Schweizer – Peter (Healy), Samstag mittags erreichen dann Christa (meine Liebste) und ich die kleine Runde. Mit Schraube im Reifenprofil, aber dazu später. Hans (HaHa) ist der nächste, gleich darauf Michael. Volker (gottwavo) und Edith (seine Frau) wollten um 14 Uhr zu uns stoßen. Wollten, aber der Autogott will nicht -, Megastau auf der Autobahn. Um 15 Uhr sind wir endlich vollzählig. Erstes Beschnuppern und los. Ich kann euch nur sagen: Die, die es nicht nach Augsburg geschafft haben, dürfen sich ein Scherzerl vom Allerwertesten abbeißen.

Ist schon mal Klasse, einen ortskundigen Führer zu haben. Noch besser, wenn der nicht nur die Geschichte der Stadt kennt, sondern sie auch interessant vermitteln kann. Aber was wären all die Erzählungen ohne Fotos?

Den ersten Nachmittag verbringen wir in der Innenstadt, im Bereich zwischen Anna- und Maximilianstraße. Zunächst bringt uns die Straßenbahnlinie 1 ins Zentrum. Da springt sofort das mächtige Weberhaus ins Auge, das Zunfthaus der einstmals bestimmenden Zünfte Augsburgs.

Das Weberhaus, das Zunfthaus der Weber, die einst die Stadt prägten

Und ja, wie du auf dem Bild gut erkennen kannst: Hochspannungsleitungen gibt es in Augsburg reichlich. Ich fühle mich schon fast wie in San Francisco.

Kurz ein bisserl Background: Die Fugger waren im sechzehnten Jhdt. das wirtschaftlich bestimmende Geschlecht Europas. Sie lebten seit der Einwanderung Hans Fuggers 1367 in Augsburg. Nach Hans Fugger spaltete sich die Familie in zwei Linien: Andreas Fugger (1394/95–1457/58), der Stammvater der „Fugger vom Reh“, sowie Jakob Fugger der Ältere (nach 1398–1469), der Stammvater der „Fugger von der Lilie“ waren beide Söhne des Hans Fugger. Heute ist fast immer nur der Zweig von der „Lilie“ gemeint, wenn von den Fuggern gesprochen wird. Diese Familienlinie war in der ersten Hälfte des 16. Jhdts. außerordentlich erfolgreich und mächtig. Die Fugger überzogen Europa mit einem dichten Netz an Handelshäusern, der Name Fugger wurde europaweit zu einem Synonym für Reichtum.

Die Fuggerhäuser (nicht zu verwechseln mit der Fuggerei) an der Maximilianstraße ließen Jakob Fugger, „der Reiche“ und nachkommende Fugger ab 1512 errichten. Bis 1515 entstand der im Stil der italienischen Renaissance gestaltete Damenhof, der schönste der vier Innenhöfe. Die Badstuben, zwei Sammlungskabinette im Trakt am Zeugplatz, sind einzigartige Denkmäler damaliger Baukunst.

Das Tor zum Damenhof

Fremdenführerin in der Bauzeit in entprechender Kleidung.

Führung im Renaissance-Kostüm

Die Fürst Fugger Privatbank zeigte und zeigt noch heute schon nach außen den Reichtum der Fugger.

Fürst Fugger Privatbank

In einem der Höfe gibt es bei unserem Besuch Renaissance-Musik.

Renaissance-Musik im Innenhof

Die Zuhörer sind sichtlich ergriffen.

Aufmerksame Zuhörer

Nachher geht es ins Schaezlerpalais, wo wir den Garten bewundern. Wir kaufen Karten für die Ausstellung. Wir betreten das Stiegenhaus, fotografieren. Wir erreichen das obere Stockwerk mit der Ausstellung. Eine ziemlich große Dame mit deutlichem Akzent meint:

Keine Fotos veröffentlichen! Internet – nein, Drucken – nein. Fotografieren ja, aber nur auf dem eigenen Rechner ansehen.

Ich bin begeistert. Wozu habe ich eine Eintrittskarte gekauft? Wir alle hatten unübersehbare Kameras in Händen. Eine größere Dichte an Nikon D800 hat Augsburg noch nie gesehen, da bin ich sicher.

Kurze Diskussion in der Gruppe, verschiedene Meinungen von „Wurscht, interessiert mich nicht.“ bis „Nun ja, das ist aber schade, aber Kunstwerke können schon mal dem Vervielfältigungsverbot unterliegen.“ Okay, das verstehe ich. Ich mache kehrt und frage nochmal konkret nach. „Keine Bilder, keine Skulpturen. Aber Türschnalle, Türrahmen?“. Antwort ist klar und nicht zu missverstehen:

Keine Türschnalle, keine Schraube. Kein Internet! Ist das klar?

Ja, blöde bin ich noch nicht.

Ich mache kehrt, um mich beim Kartenverkauf schlau zu machen.

Natürlich dürfen Sie fotografieren. Aber nur ohne Blitz.

Blitz brauche ich nicht, kein Problem. Aber wer sagt das dem Zerberus einen Stock höher? „Ich kann das nicht, aber unser Portier ist heute hier Chef, fragen Sie den.“ Nun, schließlich habe ich bezahlt und sowieso nichts zu tun. Die Antwort besteht in einem Zettel mit einem Namen und einer Telefonnummer. Dort werden Sie geholfen – sozusagen.

Ich greife zum Telefon. „Nein, heute nicht. Morgen auch nicht, da ist Feiertag, aber wahrscheinlich ab Mittwoch.“ Das hilft mir weiter. Also deshalb keine Bilder von mir aus den Ausstellungsräumen.

Es wird Donnerstag, wir sind bereits wieder in Wien. Ich greife zum Telefon. Herr Dr. Grabach ist mehr oder weniger Herr über Augsburgs Kunstschätze. Es hebt niemand ab. Nun gut, als gelernter Österreicher ist man gewohnt, bei Behörden selten jemanden zu erreichen. Ich versuche es freitags nochmals. Keiner hebt ab.

Fünf Minuten später DIE Überraschung schlechthin: Herr Dr. Grabach ruft mich zurück. Für unsereinen ist das wie Ostern, Weihnachten und Geburtstag an einem Tag. Unfassbar. Da könnte sich unsere Beamten ein paar Scheiben gleichzeitig abschneiden. Werden sie aber nicht, soweit kenne ich unsere Pappenheimer.

Das Gespräch ist ausnehmend nett und freundlich. Herr Dr. Grabach entschuldigt sich gleich mehrfach und fragt, wie er denn nun den Schaden ausgleichen könne. Im Schaezerpalais dürfe man fotografieren, aber nur ohne Blitz und ohne Stativ. Für private Zwecke ohne weitere Erlaubnis. Auch veröffentlichen dürfe man. Für kommerzielle Zwecke wäre eine spezielle Bewilligung nötig, die aber in der Regel auch, meist sogar kostenlos, erteilt würde. Man wüsste dann eben gerne, wer fotografiere und wo die Bilder erscheinen sollten.

Nach dem Austausch weiterer Freundlich- und nicht zu sagen „Herzlichkeiten“ verabschieden wir uns voneinander. Ich denke, ich werde Herrn Dr. Grabach mal aufsuchen, sollte ich wieder nach Augsburg kommen. Die Stadt ist einen weiteren Besuch jederzeit wert.

Schaezlerpalais ist also für mich an diesem Tag gegessen, wiewohl wir erst abends in der  „Kälberhalle“ so richtig abgefüttert wurden. Zuvor hatten wir noch Hans („Alles unter 200m ist für mich ein Weitwinkel.“) beim Hotel vergessen. Echt, trotz Durchzählens. Schande über uns! Ein Bier machte es wieder gut.

Wenden wir uns dem interessanten Programm des nächsten Tages zu. Zuvor aber noch ein paar Bilder von diesem interessanten Vormittag:

  • Zu den Badstuben
    20170930 1530 EW23375 00
  • Führung im Renaissance-Kostüm
    20170930 1531 EW23378 00
  • Im Damenhof
    20170930 1532 EW23379 00
  • Das Tor zum Damenhof
    20170930 1534 EW23383 00
  • Aufmerksame Zuhörer
    20170930 1534 EW23384 00
  • Renaissance-Musik im Innenhof
    20170930 1535 EW23388 00
  • 20170930 1536 EW23391 00
  • Fürst Fugger Privatbank
    20170930 1544 EW23402 00
  • Arkaden im Schaezlerpalais
    20170930 1550 EW23413 00
  • Im Garten des Schaezlerpalais
    20170930 1555 EW23421 00
  • Im Garten des Schaezlerpalais
    20170930 1557 EW23424 00
  • 20170930 1600 EW23431 00
  • Stiegenhaus des Schaezlerpalais
    20170930 1607 EW23433 00
  • Augsburg hat jetzt auch Pasta
    20170930 1643 EW23440 00
  • Einer der vielen Höfe in der Maximilianstraße
    20170930 1647 EW23444 00
  • Das Weberhaus, das Zunfthaus der Weber, die einst die Stadt prägten
    20170930 1654 EW23452 00
  • Eingezwängt
    20170930 1702 EW23459 00
  • Der Goldene Saal des Rathauses
    20170930 1713 EW23463 00
  • Der Goldene Saal des Rathauses
    20170930 1714 EW23466 00
  • 20170930 1718 EW23473 00
  • Der Goldene Saal des Rathauses
    20170930 1719 EW23477 00
  • 20170930 1720 EW23482 00
  • Der Goldene Saal des Rathauses
    20170930 1727 EW23486 00
  • in der Chinaausstellung des Rathauses
    20170930 1729 EW23489 00
  • Die Arbeitsstube der Bürgermeister
    20170930 1732 EW23493 00
  • Der "Marmorboden" ist aus bemaltem Holz
    20170930 1733 EW23496 00