Beamtendeutsch für Ausländer

Eine Geschichte aus der Vorweihnachtszeit

„Beamtendeutsch für Ausländer“ oder „Ein minderscharfer Blick auf die Arbeit von uns bezahlter Institutionen“

Ich nehme an einem Gesundheits-Vorsorgeprogramm der Wiener Gebietskrankenkasse(WGKK) teil. Zu den Maßnahmen gehört eine dreiwöchige Kur, in der mir „die Wadln „viere g’richt‘ werden“*) sollen, auf dass ich die Schienbeine fürderhin hinten tragen könne. Für diese Tortur ist in Wien eine Einreichung notwendig.

Am 25. Oktober dieses Jahres begab ich mich zwecks Einreichung zur PVA (Pensionsversicherungsanstalt), die für solche Eingaben zuständig ist. Dort wurde mir – nach einer halben Stunde Wartezeit – beschieden, dass die Bearbeitung dauern könne und werde. „Wie lange denn?“ konnte mir die Mitarbeiteruin nicht sagen. „Na, so zirka?“ Auch nicht so zirka. Dass es sich bei der Bearbeitungszeit nicht um Tage oder Wochen, sondern um Monate handelte, ließ sie sich dann gerade noch herausreißen.

Nun gut, ich wartete. Nach einem Monat erhielt ich Post von der PVA. „Aha!“, dachte ich, „Manchmal geht es richtig schnell, schließlich ist erst der 28. November!“ Dann öffnete ich das Kuvert.

„Sehr geehrter Herr Weinzettl!

Der Antrag auf Medizinische Maßnahmen der Rehabilitation und Gesundheitsvorsorge vom 25. Oktober 2016 ist bei der Pensionsversicherungsanstalt eingelangt und der weiteren Erledigung zugeleitet worden.“

las ich da. „Weitere Erledigung“? bisher wurde doch noch gar nichts erledigt, oder ist ein monatelanger Erhalt einer Eingabe, die vor Ort persönlich abgegeben wurde, bereits (Schwer)Arbeit?

„Wir sind bemüht den Antrag so bald als möglich zu erledigen.“

Ich habe diesen Satz zitiert. Also mach mich bitte nicht für Beistrich- und Grammatikfehler haftbar.

„Sollen noch Erhebungen durchzuführen sein, ist mit einer gewissen Zeitspanne bis zur schriftlichen Entscheidung zu rechnen.“

Die „gewisse Zeitspanne“ dürfte deutlich über der des simplen Einlagens eines Antrags liegen, ist sie doch schließlich mit Arbeit verbunden. Sicherheitshalber endet der Brief daher mit der Aufforderung

„Wir ersuchen Sie daher von Urgenzen Abstand zu nehmen.

Hochachtungsvoll …“

Oh, jetzt weiß ich endlich, wie meine Sozialversicherungsbeiträge sinnvoll angelegt werden. Da hatten schließlich schon mal eine Menge PVA-Mitarbeiter ein Monat lang mit dem Einlangen des Antrags ihren Spaß.

*) Diese Redewendung kommt aus dem morbiden Wien: Der sogenannte „Wiener Schuh“ diente im Mittelalter der „Wahrheitsfindung“. Das Bein des Unglücklichen wurde in eine Eisenvorrichtung gesteckt, die sich zuziehen und drehen ließ und damit schwerste Verletzungen und Verdrehungen hervorrief.