Santa Cruz
Von Monterey kommend rollen wir weiter nach Santa Cruz, auch „Surf City USA“ genannt. Wir hatten für die Strecke etwa eine bis eineinhalb Stunden eingeplant, aber 41 km vor unserem Ziel, kurz vor dem Elkhorn Yacht Club, beginnt der Stau.
Wenn Amerikaner stauen, dann aber richtig! Satte zehn Kilometer schaffen wir in einer Stunde. Wir sind nahezu begeistert und fangen an zu rechnen: Werden wir heute überhaupt noch in Santa Cruz einchecken können? Irritierend für uns ist vor allem, dass kein Grund für einen Stau ersichtlich ist. Zwischendurch geht es mit fast 30 km/h nahezu rasant dahin, ansonsten im Schritttempo.
Zehn Kilometer später wissen wir den Grund für die Verkehrsbehinderung: Rechterhand am Straßenrand steht ein Kreuz an der Straße, um das herum ungemein viele Heiligenfiguren platziert sind. Hispanisch aussehende Menschen machen dem oder den Toten ihre Aufwartung. Der Unterschied zu einem Kirtag ist minimal.
Die Autofahrer schauen wie auf unseren Autobahnen auch, wenn ein Unfall passiert, so langsam und ergriffen zu, dass tatsächlich ein Monsterstau entsteht. Nachdem wir die Stelle passierten, kurz vor Watsonville, ist die Straße frei. Wir rollen mit 105 km/h bis Santa Cruz. Dafür ist nun die Kolonne auf der Gegenfahrbahn endlos lange. Wie sollte es auch anders sein.
Bei Santa Cruz beginnt die urbane Bebauung Kaliforniens wieder dichter zu werden. Nördlich liegt San Jose, gerade mal eine halbe Stunde Fahrt entfernt. Palo Alto und San Mateo schließen sich entlang der dicht umbauten Bucht von San Francisco an. Wir wollen allerdings direkt an der Westküste bleiben.
Vier Sehenswürdigkeiten locken den gemeinen Touristen üblicherweise nach Santa Cruz:
Mission Santa Cruz
Sie wurde am 28. August 1791 durch Padre Fermín Lasué gegründet und war die zwölfte von insgesamt 21 Missionen in Alta California. Sie ist schon lange verfallen, heute steht dort in der Nähe eine Replica in halber Größe.
Santa Cruz Beach Boardwalk
Der älteste Vergnügungspark Kaliforniens.
Der Santa Cruz Wharf
Ebenfalls ein gut besuchter Ort des Vergnügens.
Die Natural Bridges State Beach
Deren Hauptattraktion ist ein Felsen, aus dem der Ozean eine natürliche Brücke herausgewaschen hat.
Der Boardwalk liegt in der Gunst des Publikums weit voran. Wir aber haben derzeit andere Sorgen.
Hotel & Fresstempel
Das Best Western Plus All Suites Inn an der Adresse 500 Ocean Street ist unser Tagesziel.


Wir können diese angenehme Unterkunft bei unserem Eintreffen gar nicht richtig würdigen, unsere Mägen revoltieren bereits. Nach dem Einchecken begeben wir uns daher sofort auf die Suche nach Essbarem.
Das „Hindquarter“ in der Soquel Avenue böte sich an, meinen Einheimische. Fünf lange Minuten zu Fuß, aber das Ergebnis ist jeden einzelnen Schritt wert. Nicht nur sehr gutes Essen, auch ausgesprochen gemütliche Atmosphäre und freundliche Bedienung.


Meine Liebste isst „Our Famous Hickory Smoked Chicago Baby Back Ribs“, gespült wird mit „Santa Cruz Ale“, einem spritzigen und fruchtigen Bier aus Weizenhefe mit ein bisserl weniger Schaum als bei uns üblich. Mir kommt eine „Skirt Steak Pasta“ – „Rare, wenn ich bitten darf!“ – gerade recht, die ich mit einem dunkleren, vollmundigen Bier befeuchte. Beide Speisen sind von erlesener Qualität, allerfeinstem Geschmack und lassen auch von der Menge schlimmstenfalls ein Ächzen zu. So haben wir schon lange nicht mehr getafelt, jetzt wird ein paar Tage lang gefastet werden müssen.
Weil immer wieder von reichlichem Essen die Rede war: Ich muss zu unserer Ehrenrettung jetzt einmal anmerken, dass ich trotz des reichlichen Essens innerhalb der fünf Wochen hier nicht ein einziges Kilo zugenommen habe. Anders ausgedrückt: Ich bin nicht so dick wie ich aussehe.
Gegen alle guten Vorsätze genießen wir auch unser Frühstück in dem ausgesprochen netten, modern und doch gemütlich eingerichteten Hotel, das uns eine Empfehlung wert scheint.

Boardwalk Bowling
Heute also Santa Cruz Boardwalk, der Nebel scheint uns treu zu bleiben. Boardwalken ist bei so einem Wetter nicht gar so lustig. Du wirst deshalb vor allem mit Bildern von 2010 beglückt. Damals war das Wetter prächtig, der Himmel strahlte mit den vielen Besuchern um die Wette.

Gleich neben dem Boardwalk eine Bowlingbahn. „One Time Bowling in the USA!“ Diesen Wahlspruch hatte meine Liebste vor unserer dritten Amerikareise ausgegeben. Jetzt komme ich nicht mehr aus.


Wir folgen also den lockenden Sprüchen und betreten die Bahn. Endlich mal Öl auf der Lane, das kennen wir von Wien so gut wie gar nicht. Eigene Bälle mit individueller Bohrung haben wir logischerweise nicht mit, Hausbälle gibt es aber reichlich. Allerdings, wie auf fast allen Bahnen dieser Welt, nur mit standardisierten Bohrungen: M, L, das war’s auch schon.
Die Daumenlöcher sind zu klein – sowohl bei mir als auch bei meiner Liebsten -, dafür sind die Fingerlöcher fast doppelt so groß wie erwünscht. „Klassische“ Konventionalbohrung, keine Fingertip-Bohrung, die bei Sportbowlern üblich ist. Eh klar, was haben wir anderes erwartet?
Nun, der Anlauf ist so, wie wir es auch in Wien „gerne“ haben: ein wenig verölt, vorne klebrig. Nach zwei, drei mehr oder weniger eleganten Sprungkombinationen entscheide ich mich, lieber stehen zu bleiben anstatt, wie üblich, auszugleiten. Puh! Das haben ich und meine Knie gar nicht so gerne.


Während ich mich abmühe, spielt meine Liebste ein Strike nach dem anderen. Für mich gilt „100 Punkte auf allen Bahnen dieser Welt!“ Immerhin: Wir haben in Amerika gebowlt. Nicht nur wir lachen über unser Spiel, auch der Himmel: Sonne, urplötzlich.

Also doch noch ein paar Fotos von jetzt eben…
Santa Cruz Beach Boardwalk
Der Boardwalk schläft, nur wenige Touristen irren umher, um ihre Fotos bzw. Selfies zu machen. Hier liegt eine ausfahrbare Stange mit Handy voll im Trend.
Das war 2010 noch anders. Erstens waren Selfie-Sticks noch nicht das große Thema, zweitens ging es am Boardwalk rund: Achterbahn vom Feinsten, die Menge kreischte. Das große Karussell schleuderte seine Gäste wie ein Laundromat. Oh, und ein Autodrom!




Nicht zu vergessen: „Schön ist so ein Ringelspiel! Das ist a Hetz und kost‘ net viel.“ hat schon Hermann Leopoldi gesungen.

Nun, Vergnügen mag in Österreich billig sein, in den USA gilt der zweite Satz des Refrains sicher nicht. Vergnügen wird immer zelebriert – und das kostet Geld, ziemlich viel Geld. Auch heute ist Freitag wie damals im Mai (2010). Und es ist kurzzeitig auch sonnig. Das bunte Treiben fehlt uns aber.



Wir besuchen auch noch eine Halle am Rande des Boardwalks, in der die Zeiten der Piraten und der Eroberung des Kontinents dargestellt werden. Irgendwie weckt das bei uns Erinnerungen an die selige Grottenbahn, wiewohl wir hier nicht durch die verschiedenen Szenen des Gesamtkunstwerks gefahren werden. Fußarbeit ist angesagt, dafür aber fallen auch keine Kosten an.
Santa Cruz Wharf
Ein Besuch der Santa Cruz Wharf kostet für uns USD 43. Nicht Eintritt, sondern Parkstrafe. Wir hatten die Parkzeit um exakt 5 Minuten überschritten. Hier fahren die Parksheriffs mit Gefährten, die Golfwagerln stark ähneln. Zu zahlen ist dann in der Downtown. Dort nehmen vier Beamte, hinter Schaltern aus acht Zentimeter dickem Panzerglas verschanzt, Geld entgegen. Gefährliches Pflaster offensichtlich. Oder soll das Panzerglas vor rabiaten Verkehrsteilnehmern schützen?

Der heutige Santa Cruz Wharf wurde im Jahr 1914 gebaut, die Eröffnung fand am 5. Dezember 1914 statt. Wir kommen also zur 100 Jahresfeier gerade zurecht. Zuvor gab es bereits fünf andere Landestege, die entweder zerstört oder abgerissen wurden. Die ersten Piers waren vor allem für die Kartoffelimporte in der Zeit des Goldrauschs gedacht gewesen. Mit dem Auftauchen motorisierter Boote wechselte die Kundschaft schnell zu industriellen Fischfängern.


Als das Sardinengeschäft vorbei war, wurde der Wharf hauptsächlich zu einem begehrten Ziel für Erholungsuchende.




Heute findet der Tourist auf dem Pier Restaurants, Souvenir Shops, eine Weinstube, Zuckerlgeschäfte und die Möglichkeit zu fischen. Auch ist es nett, auf dem Pier zu den Seelöwen zu spazieren, die sich unterhalb des Steges niedergelassen haben.

Das mit dem Spazierengehen auf einem Landesteg mag jetzt für dich ein wenig albern klingen, aber was ich noch nicht erwähnt habe: Der Santa Cruz Wharf ist mit fast 840 m Länge der längste Pier an der gesamten Westküste der USA. Jährlich besuchen etwas 1,5 Mio. Touristen den Wharf.

Santa Cruz Mission
Die 1791 gegründete Santa Cruz Mission sei noch erwähnt, aber sie steht schon lange nicht mehr. Es gibt eine Replica in halber Originalgröße, deren Kirche heute als Kapelle der Holy Cross Church genutzt wird. Die Holy Cross Church wiederum wurde 1889 an der Stelle errichtet, an der die erste Missionskirche gestanden hatte.
Eine einsame Mauer eines der ursprünglich 32 Gebäude der Mission mit einem daneben liegenden Friedhof steht heute noch aufrecht hinter der Kapelle der Holy Cross Church. Ein Schlafsaal für eingeborene Messdiener hat zur Gänze überlebt. Er wurde originalgetreu restauriert und dient heute als Museum des Santa Cruz Mission History Parks.
Natural Bridges State Beach
Viel kann ich dir darüber nicht erzählen, wir haben sie nicht selbst besucht. Den einen ausgespülten Felsen, der als natürliche Brücke bezeichnet wird, haben wir im Internet, nicht aber in natura gesehen. Wären wir im Winter dort gewesen, so hätte sich der Besuch gelohnt. In der Zeit von November bis Jänner ist der Himmel voller Schmetterlinge. Der wunderschöne Monarchfalter mit gelb-orangen Flügeln mit schwarzen Rändern ist ein echter Langstreckenflieger, er legt während eines Jahres Strecken von bis zu 3.600 km zurück. Und in Santa Cruz ist sein Winterquartier.
Año Nuevo State Park
Auf dem Weg nach Half Moon Bay stoppen wir trotz Zeitnot bei einem düsteren, aber sehr einladenden alten Schuppen mit lokal angebauten echten Früchten und frischem Gemüse. Ja, so müssen Erdbeeren schmecken! Und erst die Cherry-Tomaten! Äpfel, sozusagen „frisch vom Fass“!
Wir überqueren die Grenze zum San Mateo County und fahren an der Año Nuevo State Preserve vorbei nach Half Moon Bay. Auf dem Pacific Coast Highway zwischen Los Angeles und San Francisco sieht man viele State Parks und andere landschaftliche Schönheiten. Der Año Nuevo State Park gehört dazu. Solltest du zwischen Dezember und März unterwegs sein und diesen Park an deiner Route finden, so lohnt sich ein Abstecher unbedingt. Aber „Ufpasse!“: Die Hinweisschilder sind überraschend unauffällig und nur zu finden, wenn man danach sucht.
Der Año Nuevo State Park beherbergt eine der größten See-Elefanten-Kolonien auf dem Festland. Im Winter, zwischen Dezember und März, ist dort, etwa 80 km südlich von San Francisco, die Hochsaison der Riesen; da steigt die Geburtenrate. Danach, bis etwa Ende August, ist die Zeit des Fell- und teilweisen Hautwechsels. Eine lange und schmerzhafte Prozedur für die Tiere, weil Vögel oftmals deren Wehrlosigkeit nutzen, um in den dabei entstehenden Hautrissen nach Nahrung zu stochern. Und so beweglich, alle wunden Körperstellen abdecken zu können, sind diese großen Tiere nicht.
Es ist nicht einfach, die Kolonie der „Sea Elephants“ auch tatsächlich aus der Nähe zu sehen. Der Zugang zu den Sammelplätzen der Tiere ist strengstens limitiert, um die Aufzucht der Jungen möglichst wenig zu stören. Es empfiehlt sich, die Zutrittskarte im Internet zu bestellen. Du musst dann aber Tag und Uhrzeit exakt angeben und darfst dich nicht verspäten. Alternativ gibt es meist auch Restkarten vor Ort. Warten ist dann aber Pflicht.
Hast du ein „Visum“ ergattert, so wirst du von einem Ranger in die Nähe der Tiere geführt. Je nach Ranger etwas näher oder auch nicht. Je nach Ranger mit gut verständlichen, interessanten Erklärungen versehen oder auch nicht. Ein Glücksspiel, wie mir ehemalige Besucher versicherten.
Nur in der Zeit von April bis August ist es möglich, ohne Führer zu den Tieren zu wandern. Da ist es auch leichter, die Zutrittsberechtigungen direkt bei der Kolonie zu erwerben. In jedem Fall aber ist für einen Besuch bei den See-Elefanten viel Kondition vonnöten: Die Wanderung zu den Tieren geht über viereinhalb bis sechs Kilometer in tiefem Sand. Rechne jedenfalls mit zweieinhalb bis drei Stunden für einen Rundgang.
Schaffst du es nicht, eine Zutrittsberechtigung zu bekommen, gäbe es noch eine Alternative, See-Elefanten aus der Nähe zu sehen: An der Küstenstraße nahe Hearst Castle, etwa 290 km und 3,5 Fahrtstunden weiter südlich, befindet sich die Piedras Blancas Elephant Seal Rookery. Dort lebt ebenfalls eine beträchtliche Population, die kostenlos zu beobachten ist. Gleich in der Nähe ist ein großer Parkplatz. Aber auch hier ist die interessanteste Zeit der Winter.
Pomponio State Beach
Kurz vor Half Moon Bay befindet sich noch die Pomponio State Beach, ein sanft abfallender, einige Kilometer langer Sandstrand am Rand von sehenswerten Sandsteinklippen. Wenn du Zeit hast, dann kannst du dort auf einem langen Spaziergang entlang des Strandes deine Seele baumeln lassen. Sehr schön auch die kleine Lagune.
Leider reicht unsere Zeit nicht für eindrucksvolle Bilder. Wir sind auch zu sehr auf Half Moon Bay fixiert, wo wir „unseren“ Südtiroler besuchen wollen.
Half Moon Bay
Dort, in Half Moon Bay, hatten wir 2010 ein sehr nettes Zusammentreffen mit einem Südtiroler, welcher sein Glück in einer „Spanish Bar“ zu finden versuchte. Gefunden hatte er es letztlich nicht, wie mir der neue Besitzer heute versichert. Der gebürtige Südtiroler hatte zur Zeit unseres Besuchs wenig Gäste und sprach mit uns über Weine, von denen ich bis heute nichts verstehe, und ein wenig von seiner schönen Heimat, was ich schon eher nachvollziehen konnte.


Die Bar, sie befindet sich Ecke Main mit der Mill Street, ist heute bereits am frühen Nachmittag brechend voll. Jeder Hocker ist besetzt, es wird ausgeschenkt, was die Zapfhähne hergeben. Und der Barmann gibt Gas, seine Gäste müssen sich die Zeit auf den Hockern hart erarbeiten. Wildschweine, Steinböcke und Hirsche hängen noch immer an den Wänden, wirken heute aber deplatziert.

Der neue Besitzer, deutlich jünger als der Südtiroler, hat einen „g’sunden Schmäh“, besonders wenn es um Touristen geht, von denen er mit seinem angeschlossenen Hotel lebt. „Oh, jetzt muss ich doch glatt den Tisch aufwischen (auf dem die letzten Gäste vor uns ein Viertel ihres Essens verteilt hatten). Welch ungemein wichtige Aufgabe!“
Wir bekommen zwei unterschiedliche, aber gleichermaßen köstliche Burger. Mein Mausi mit Ananassaft, ich mit einem Coor’s Light. Die Bar hat, muss ich aber anmerken, durchaus Charme. Wäre ich ein Einheimischer, wären der Barmann und ich wahrscheinlich binnen kurzer Zeit gute Freunde.
Die Geschichte von Half Moon Bay
Half Moon Bay heißt erst seit 1874 Half Moon Bay. Die Geschichte der Stadt begann so: Tiburcio Vásquez erhielt die Rancho Corral de Tierra Mexican, auf der zuvor noch das Vieh der Mission San Francisco de Asis geweidet hatte, 1839 zugewiesen. Und Candelario Miramontes wurde im Jahr 1841 die Rancho Miramontes, später bekannt als „Rancho San Benito“, überantwortet.
Aus diesen beiden Ranches entwickelte sich die erste Stadt im San Mateo County, die zunächst unter dem Namen „San Benito“, nach der einen der beiden Ranches, bekannt war. Sie wurde bald in „Spanishtown“ umbenannt und ein Anziehungspunkt für gewerbliche Fischer. Die Landwirtschaft in Küstennähe blieb aber trotzdem neben der Fischerei als wirtschaftlich wichtiger Erwerbszweig erhalten.
Spanishtown wurde schnell zu einem Schmelztiegel der Nationen: Kanadier, Chinesen, Engländer, Deutsche, Iren, Mexikaner, Italiener, Schotten, Portugiesen und pazifische Inselbewohner lebten hier ohne gröbere Konflikte miteinander, was damals nicht so üblich war. Regelmäßig verkehrende Kutschen verbanden Spanishtown mit San Mateo. Als die Levi Brothers eine Filiale in der Downtown eröffneten, war die Sache schon fast gelaufen.
1874 wurde Spanishtown offiziell auf „Half Moon Bay“ umbenannt. Heute leben etwas weniger als 11.500 Menschen direkt in der Stadt. Unmittelbar nördlich an Half Moon Bay schließen der Pillar Point Harbor und Princeton-by-the-Sea an; dort leben weitere etwa neuntausend im mit Half Moon Bay unmittelbar verbundenen städtischen Gebiet.

Einige interessante Lokalitäten in Half Moon Bay will ich dir noch vorstellen, bevor wir weiterziehen.
Die drei Friedhöfe
in denen du die Geschichte der ersten Siedler spüren kannst. Zunächst einmal den Pilarcitos Catholic Cemetery – im Navi eher unter „Skylawn Funeral Home & Memorial Park“ zu finden. Ihn erreichst du über den US-Highway 92 (Mateo Road) und dann die Lifemark Road. Dieser Friedhof existiert seit 1820 und wurde in den 1920er Jahren durch den Friedhof bei der Kirche „Our Lady of the Pillar“ abgelöst, der an der Adresse 926 Miramontes Street zu finden ist. Beide sind sehenswert.
Der Independent Order of Odd Fellows Cemetery liegt stadtnäher direkt am Highway 92. Auf diesem Totenacker des Independent Order of Odd Fellows, eines international tätigen, humanitären und philanthropischen, weltlichen Ordens ohne politische oder religiöse Bindung, werden Tote jeder bzw. ohne Religion bestattet.
Wenn dir hingegen nach Gespenstern zumute ist, solltest du noch einen vierten Friedhof besuchen: Etwa 6 km südlich von Half Moon Bays Zentrum, gleich bei der Geisterstadt Purissima, im Wald zwischen Verde Road und dem US-Highway 1 versteckt, existiert noch ein weiterer, recht obskurer Friedhof.
Zurück zu den Lebenden:
Das Half Moon Bay Jail
Das 1911 erbaute Gefängnis in der Downtown, 505 Johnston Street, ist für mich äußerst bemerkenswert: Das gemauerte Gebäude, das mir ausgesprochen gut gefällt, war viele Jahre tatsächlich das offizielle Stadtgefängnis. Es ist aber so klein, dass ich mich ernsthaft frage, ob damals in Half Moon Bay so gar keine Bösewichte wohnten, die eingesperrt werden mussten.

Zwei Zellen im hinteren Teil des Gefängnisses sind originalgetreu, sogar mit Stahlstäben vor den Fenstern, heute noch erhalten. Das Gefängnis dient heute dem Spanishtown Historical Society Museum und dem Mary Vallejo History Center als Heimstatt.
Das James Johnston House
in 110 Higgins Canyon Road wurde 1855 von einem reichen, ortsansässigen Pioneer gleichen Namens erbaut, nach dem auch eine Straße hier benannt ist.
Dieses Gebäude aus den Anfängen der Stadt, bekannt auch als „The White House of Half Moon Bay“, ist heute im National Register of Historical Places aufgeführt.
Das Estanislao Zaballa House
ebenfalls 1855 erbaut, liegt in 326 Main Street. Heute ist dort die Downtown von Half Moon Bay, zur Bauzeit lag das Haus noch ziemlich abseits der bewohnten Gegend von Spanishtown. Das Haus wurde von Spaniard Estanislao Zaballa errichtet, der nach Kalifornien kam und in die Familie einheiratete, deren unter mexikanischer Herrschaft zugewiesenes Land später die Basis für die Stadt Half Moon Bay bildete.
Zaballa eröffnete seinerzeit auch den San Benito General Merchandise Store & Saloon, der heute noch existiert und damit das älteste Ladengeschäft der Stadt ist.

Die Half Moon Bay Bakery
Diese italienische Bäckerei in der Downtown, 514 Main Street, gibt es schon seit 1929.
Sie ist weit über die Stadtgrenzen von Half Moon Bay hinaus berühmt für ihr köstliches italienisches Brot, das heute noch, wie in den letzten 90 Jahren, in originalen, mittlerweile schon fast hundert Jahre alten, gemauerten Öfen gebacken wird.
Keine Lokalität, aber doch auch erwähnenswert, ist das


Kürbisfest („Pumpkin Festival“)
in Half Moon Bay. Es lockt jedes Jahr viele Besucher aus dem Umland und auch ausländische Touristen an. Aber das Fest findet eben nicht heute statt. Daher verlassen wir jetzt die kleine Stadt, wie sehr sie uns auch ans Herz gewachsen ist.
Aus Half Moon Bay hinaus geleitet uns eine endlose, meist stehende, Schlange an Autos. Sehr freundlich, dass uns wieder mal alle begleiten wollen. Wir suchen uns aber auch immer die Stoßzeiten aus! Der Stau schiebt uns durch Half Moon Bay hindurch. Gleich hinter den Stadtgrenzen ist der Albtraum vorbei. Es geht wieder locker dahin. San Francisco, wir kommen!
San Francisco

Die California State Route 1, die beliebte Küstenstraße, die auch – je nach Streckenabschnitt – Beinamen wie Pacific Coast Highway, Cabrillo Highway oder Shoreline Highway trägt, führt uns direkt durch Pacifica – auch „P-Town“ genannt. Diese Kleinstadt mit etwas mehr als 40.000 Einwohnern ist heute überwiegend von Pendlern bewohnt, die in der San Francisco Bay Area arbeiten. Wer dort nicht gerade in der Arbeit ist, surft mit den Wellen vor der Küste um die Wette.
Daly City ist die letzte Stadt vor dem Endpunkt unserer Reise und grenzt nördlich unmittelbar an San Francisco. Sie ist von der Einwohnerzahl her auch die größte Stadt im San Mateo County. Daly City nimmt mit etwa 16 km² flächenmäßig zwar nur die Hälfte von Pacifica ein, beherbergt aber über 100.000 Einwohner.
Auf den letzten 15 km vor unserem Ziel holt uns auch der Stau wieder ein: San Francisco staut in alle Richtungen, wir verlieren aber nur zwanzig Minuten. Dann ist das Oasis, ein eher preisgünstiges Hotel, in der Franklin, Ecke Eddy, erreicht.
Den Blick von der anderen Seite der Golden Gate Bridge lassen wir uns nicht entgehen.
Wie wir San Francisco erleb(t)en, kannst du am Beginn dieser Serie nachlesen (noch nicht fertig). Dort führen wir dich durch San Francisco.