Yosemite National Park

Chinese Camp

Go East! Die Pioniere zogen westwärts, wir fahren in die umgekehrte Richtung. Über die Oakland Bay Bridge, welche die Bucht von San Francisco überspannt und Oakland mit San Francisco verbindet, verlassen wir die Stadt Richtung Osten. Wir wollen über Chinese Camp und Groveland das knapp vor dem Yosemite National Park liegende Mariposa erreichen.

Flirrende Hitze in Chinese Camp
Schweißtropfen verdunsten außerhalb unseres Mietwagens schon beim Entstehen.

Go East! Die Pioniere zogen westwärts, wir fahren in die umgekehrte Richtung. Über die Bay Bridge, welche die Bucht von San Francisco überspannt und Oakland mit San Francisco verbindet, verlassen wir die Stadt Richtung Osten. Wir wollen über Chinese Camp und Groveland das knapp vor dem Yosemite National Park liegende Mariposa erreichen.

Chinese Camp Detail
A Real Lost Place

Die derzeitige Schule in Chinese Camp ist unverwechselbar. Sie wurde von Dolores Nicolini im Stil einer chinesischen Pagode errichtet und ist seit 1970 in Betrieb. Zuvor war die Schule in einem Gebäude nahe der Kirche untergebracht, welches aber im Jahr 2006 abbrannte.

Chinese Camp Elementary School
Die Architektur der Chinese Camp Elementary School in Kalifornien erinnert an die Zeit des Goldrauschs, als die Gegend hauptsächlich von eingewanderten Bergleuten aus China bevölkert war.
Bild https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chinese_Camp_Elementary_School.jpg von Keith Riggs veröffentlicht unter GNU Free Documentation License (https://en.wikipedia.org/wiki/GNU_Free_Documentation_License)

Die Geschichte von Chinese Camp

Chinese Camp ist das Überbleibsel einer einst respektablen Stadt, die während des kalifornischen Goldrauschs entstand. Heute nur mehr von wenigen Menschen bewohnt, war Chinese Camp um das Jahr 1860 die Metropole des Bergwerkbezirks. Chinese Camp wurde bei der Gründung „Camp Washington“ oder „Washingtonville“ genannt, und heute noch heißt eine der wenigen verbliebenen Straßen „Washington Street“. Als einige der ersten chinesischen Minenarbeiter vom benachbarten Camp Salvado hierher umgesiedelt wurden und daraufhin immer mehr Chinesen freiwillig nachzogen, wurde die kleine Stadt „Chinee“, „Chinese Camp“ oder „Chinese Diggings“ („Chinesische Grabungsstätten“) genannt.

Chinesen leben und lebten auch damals gerne innerhalb von Familien, die durchaus nicht verwandtschaftlich verstanden sein müssen. In Chinese Camp waren es einige Tongs (Gangs mit mafiaähnlichen Strukturen), die das Geschehen bestimmten. Diese Tongs führten zeitweilig auch Kriege gegeneinander. Einer davon, 1856 zwischen dem Sam Yap Tong und dem Yan Woo Tong mit mehr als 2.000 Mann, ist gut dokumentiert.

Groveland

Die kleine Stadt mit etwas weniger als 3.500 Ein­wohnern war immer ein beliebter Rastplatz am Highway zum Yosemite National Park. Groveland liegt eingebettet im Grünen und ist so nett und sauber herausgeputzt, als erwarte sie unseren Besuch.

Groveland Lodging
Hier kannst du deine Urlaubswohnung beziehen.
Yosemite Bank in Groveland
Wie aus einem Film
More Items In Here
Egal was, drinnen gibt es mehr davon.

Als wir dann wirklich ankommen, ist es, wie schon in Chinese Camp, brütend heiß. Nicht auszuhalten! Uns spritzt der Schweiß förmlich aus den Poren. Meine Liebste entschließt sich daher, ein besonders leichtes Kleidchen zu erwerben, um nicht den Hitzetod zu sterben.

Freundliches Groveland
Geschäfte mal anders, im Gartenlook
Ein luftiges Kleidchen
Endlich ein luftiges Kleidchen!

San Luis Reservoir

Jetzt wären wir bald in Mariposa. Aber - eh kloar - so einfach machen wir uns den Weg nicht. Wir biegen daher nach Südosten ab. Wir wollen unbedingt noch das San Luis Reservoir beim Pacheco Pass sehen. Den Umweg werden wir abends noch büßen! Aber der Blick auf den Stausee entschädigt für jedwede Mühe.

San Luis Reservoir
Das riesige San Luis Reservoir

Das San Luis Reservoir ist ein sehr großer Stausee im Merced County. Er ist mit etwa 2,25 km³ das größte Speicherbecken der USA und Teil des Gianelli-Pumpspeicherkraftwerks. Dieses Wasserkraftwerk erzeugt mit acht Francis-Turbinen 424 Megawatt Strom.

Das Speicherbecken ist von einem wunderschönen Erholungsgebiet umgeben und lädt uns zu ausgedehnten Wanderungen ein. Aber leider, wir müssen heute noch nach Mariposa. Das Hotel ist schon fix gebucht.

Erholungsgebiet beim San Luis Reservoir
Ein wunderschönes Erholungsgebiet umgibt den Stausee.
Bäume beim San Luis Reservoir
„In der Asche meiner Träume brennt no imma a Glut.“

Mariposa

Wir erreichen Mariposa, eine kleine Stadt knapp westlich des Yosemite National Parks, nach einer Schnupperrunde im Park erst sehr spät abends. Ein heißer und anstrengender Tag liegt hinter uns.

Mariposa Lodge
Die Mariposa Lodge war unser Zuhause für eine Nacht.

Die Stadt erscheint uns wie einem Western entsprungen. Nur ein wenig Pflege könnte sie vertragen. Aber der Sheriff könnte jeden Augenblick um die nächste Häuserecke biegen. Wir sind total ent­kräftet, wollen nur mehr ein Zimmer und brauchbares Essen.

Mariposa
Old Western Style mit Flohmarkt. Und gleich kommt Lee van Cleef um die Ecke.
Mariposa Hauptstraße
Das Erscheinungsbild Mariposas ist … ziemlich uneinheitlich.
Acu das ist Mariposa.
Der Verfall greift nicht nur nach Altbestand.
Mariposa Hotel Inn
Das Mariposa Hotel Inn ist eine der gepflegtesten Adressen in Mariposa.

Warum wir Mariposa nicht vergessen werden? Kleinstädte gibt es doch genug im Südwesten. Nun, mit Mariposa verbinden wir zwei bemerkenswerte Erlebnisse.

Nachdem wir unser Auto bei der Mariposa Lodge geparkt haben, machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Während wir Angebot und Preise sichten, fällt uns auf, dass kurz nach unserem Motel alle Gebäude mit Lichtergirlanden geschmückt sind. Du magst uns jetzt alte, romantische Deppen nennen, aber du hast nur mit „alt“ recht, von Girlanden erleuchtet sieht Mariposa einfach hinreißend aus. Wie einer Halluzination entsprungen.

Mariposa County Arts Council
Mit Weihnachtsschmuck sieht diese Galerie noch viel mehr nach Halluzination aus.

Wie sagte ich zuvor? „Das werden wir abends noch büßen!” Ja, den Umweg über das San Luis Reservoir büßen wir, speziell ich. Ich bin nämlich sooo kaputt! Ich kann mich nicht mal dazu aufraffen, Stativ und Kamera aus dem Auto zu holen. Am nächsten Tag ist es zu hell für diese Aufnahme, aber wir müssen weiter. Wir wissen, wir würden wiederkommen müssen. Wir ahnen, dass es dann keine Lichtergirlanden mehr geben würde. Ich büße also heute noch.

Der zweite Grund für unsere Erinnerung an Mariposa ist ein Restaurant, das uns sofort Sitzplätze und Essen bietet, das „Charles Street Dinner House“. Bei anderen Lokalen wurden wir an das Ende der Warteschlage verwiesen oder auf „in zwei Stunden vielleicht“ vertröstet. Erklär‘ mal einem Verhungernden oder Verdurstenden, der sich mit letzter Kraft bis zu deiner Schwelle schleppt, er möge es in zwei Stunden wieder versuchen. Unbelievable!

Mariposa Charles Sreet Dinner House
Das „Charles Sreet Dinner House“ hat sich als eines der besten Adressen für exzellente Küche in den USA entpuppt.

Die Chefin selbst, eine resolute, aber freundliche Dame, quetscht uns zwischen Bank und Tisch und bringt persönlich „New York Steak with hand-cut onion rings“ – rare, versteht sich – sowie „Broiled Chicken Breast with Teriyaki Glaze“.

Wir werden uns an beides noch viele Jahre erinnern. Und es wird uns dabei jedes Mal das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Die Entwicklung des Schmetterlings

Mariposa wurde ursprünglich, wie so viele andere Ansiedlungen im Westen auch, als Minencamp gegründet. Den Namen, der im Spanischen für „Schmetterling“ steht, bekam das Camp nach dem in der Gegend früher häufig ­überwinternden „Amerikanischen Monarch“.

Amerikanischer Monarch
Amerikanischer Monarch, aufgenommen im Botanischen Garten Brooklyn (Bild von Richiebits, public domain, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:BBGMonarchButterflyWings.jpg#file)

Die europäischen Einwanderer, welche diese Gegend entdeckten, konnten zu ihrer Zeit diese Schmetterlingsart noch in wolkenartigen Schwärmen bewundern.

Das Camp lag direkt an der „California Mother Lode“, einer etwa eineinhalb bis sechs Kilometer breiten und etwa 190  km langen Goldader, die sich von Georgetown im El Dorado County im Norden bis zur Mormon Bar im Süden des Mariposa Countys erstreckt. Diese Goldader wurde in den frühen 50er Jahren des 19. Jahrhunderts, während des kalifornischen Goldrauschs, entdeckt.

Mariposa lag damals tiefer als heute, und wurde im Winter 1849/50 vom Hochwasser völlig zerstört. Die Minenarbeiter verlegten den Lageplatz danach etwas höher, nach Logtown, dorthin, wo die Stadt Mariposa heute steht. „Logtown“ wurde mit der Zeit durch den Namen der alten Siedlung, „Mariposa“, ersetzt und blieb so bis heute erhalten.

Eine Poststelle wurde 1851 eröffnet. Nachdem Mariposa auch Sitz der Verwaltung des gleichnamigen County ist, wurde 1884 das Mariposa County Courthouse errichtet, das noch heute in Betrieb ist und somit als ältestes bis heute betriebenes Gerichtsgebäude westlich der Rocky Mountains gilt.

Yosemite National Park

Valley View Yosemite
Valley View Yosemite (Bild von Miro Nokolic)

Die Geschichte

Der Yosemite National Park wurde zunächst auf der Grundlage des kalifornischen Rechts geschaffen. Das Gesetz zur Errichtung eines Parks in diesem Gebiet wurde von Abraham Lincoln am 30.  Juni 1864 unterzeichnet. Dadurch entstand der „Yosemite Grant“. Das Yosemite Valley und der Mariposa Grove wurden an Kalifornien in Form eines staatlichen Parks abgetreten. Der Yosemite Grant wurde allerdings erst 1890 von der Bundesregierung als National Park übernommen, als „offizielles“ Gründungsdatum gilt somit der 1. Oktober 1890. Der Yosemite Grant gilt trotzdem als Meilenstein in der Geschichte der amerikanischen Nationalparks, da er der Gründung des offiziell ersten Nationalparks, des Yellowstone National Park (1872), vorausgeht.

Merced River
Merced River an einem ruhigen Spätnachmittag (Bild von Miro Nikolic)

Seit dem Jahr 1984 ist der Yosemite National Park auch UNESCO Weltnaturerbe – vorwiegend wegen seiner beeindruckenden Granitformationen, seiner Wasserfälle, seiner klaren Flüsse und Bäche, seiner lichten Wälder aus Mammutbäumen und seiner Artenvielfalt, sowohl Flora als auch Fauna betreffend.

In den 1850er Jahren drängten im Zuge des kalifornischen Goldrauschs die ersten Weißen ins Tal. Innerhalb weniger Monate waren es über 40.000. Ihre Rücksichtslosigkeit führte zu Konflikten mit den dort lebenden Indianern. Bereits 1850 kam es zu einem regelrechten Krieg der US Army gegen die Indianer in diesem Gebiet. Mitte März 1851 zog ein ganzes Bataillon gegen 200 Ahwahnechee unter Chief Tenaya und gegen wenige Chowchillas. Der sogenannte „Mariposa Krieg“ (Dez.  1850 bis Juni   1851) öffnete den Weißen die Tore zum Tal. Tenaya und der Rest der Ahwahnechee wurden schlussendlich gefangen genommen und mit den über­lebenden Chowchillas in ein Indianerreservat nahe Fresno verfrachtet, die Dörfer wurden niedergebrannt.

Der Unternehmer James Mason Hutchings sowie der Künstler Thomas Ayres und zwei weitere Personen wagten sich kurz darauf, 1855, in die Gegend. Sie wurden die ersten Touristen des Yosemite Valley. Hutchings veröffentlichte Essays und Bücher über seine Exkursionen. Die von Ayres angefertigten Zeichnungen waren die ersten naturgetreuen Skizzen aus dieser Gegend. Charles Leander Weed fotografierte 1859 erstmals die Sehenswürdigkeiten des Tales. Später kam auch der berühmte amerikanische Fotograf Ansel Adams.

Wawona (im Südwesten des heutigen Nationalparks) war damals noch ein Indianerlager. Dort entdeckte Galen Clark, ein Siedler, 1857 den Mariposa Grove, voll mit Mammutbäumen. Wegen des großen Interesses wurde der Zugang für Besucher ausgebaut, komfortablere Unterkünfte wurden errichtet. Als 1869 die ersten Eisenbahnlinien fertiggestellt wurden, ging es mit dem Tourismus noch steiler bergauf. Allerdings schreckte die Beschwerlichkeit des langen Rittes, den Reisende von den Bahnstationen ins Valley zurücklegen mussten, noch immer viele ab. Daher wurden in den Folgejahren drei Straßen für regelmäßigen Postkutschen-Verkehr gebaut.

Der in Schottland geborene Universalgelehrte John Muir war einer der frühen Touristen des Yosemite Parks und der erste, der die Gegend durch Schriften bekannt und für die Masse der Bevölkerung interessant machte. Seine Briefe, seine Essays und Bücher wurden von vielen Millionen Menschen gelesen. In diesen berichtete er von seinen Erlebnissen und Entdeckungen sowie ganz speziell von den kalifornischen Sierra Nevada Mountains, die große Teile des Yosemite National Park bilden. Die Sierra Nevada Mountains waren seine ganz große Liebe.

John Muir erweckte auch wissen­schaft­liches Interesse, spätestens als er herausfand, dass das Yosemite Valley durch alpine Gletscher und deren Erosion entstanden war. Später, 1892, gründete John Muir mit anderen den „Sierra Club“, dessen Präsident er wurde. Der Sierra Club war damals einer der ersten großen Naturschutzvereine, heute ist er eine der größten und einflussreichsten Umweltorganisationen Nordamerikas.

John Muir hat sich nicht nur um den Yosemite National Park und um den Sequoia National Park verdient gemacht. Er hat die Natur, besonders den Bereich der kalifornischen Sierra Nevada, geschützt, wo er konnte. Nur beim Hetch Hetchy Valley erlitt er eine herbe Niederlage: Das Hetch Hetchy Valley im Yosemite-Nationalpark, dessen Schönheit sogar die des Yosemite Valley übertraf, wurde 1913 gegen seinen Widerstand von Woodrow Wilson, dem 28. Präsident der Vereinigten Staaten, zum Bau des 100 m hohen O‘Shaugh­nessy Staudamms und damit zur Flutung freigegeben. Der Dammbau sollte die Wasserversorgung San Franciscos sichern, hieß es von Seiten der Befürworter. Der hohe Wasserverbrauch der Stadt mache das Projekt unumgänglich.

Die Niederlage um Hetch Hetchy Valley hat John Muir nie verwunden. Im Dezember 1913 besiegelte die endgültige Entscheidung zu Gunsten des Dammbaus das Schicksal des Tales. Im Dezember 1914 starb John Muir, gezeichnet von seinem letzten Gefecht um die Natur. Der O‘Shaugnessy Staudamm ist bis heute, mehr als 100 Jahre nach der Eröffnung, Gegenstand kontroverser Diskussionen.

Über El Portal fahren wir den Highway 140 ins Yosemite Valley. Der Merced River ist unser Begleiter. Der Fluss ist im Yosemite-Nationalpark als National Wild and Scenic River, also als besonders schöne Strecke, ausgewiesen und sorgt in diesem Abschnitt seit Jahren für Streitigkeiten und Gerichtsverfahren zwischen Naturschützern und Park Management. Streit­frage: „Wie viel Rücksichtnahme soll auf den Tourismus genommen werden?“

Merced River bei El Portal
Merced River bei El Portal
Merced River bei Foresta
Selten und nur an wenigen Stellen liegt der Merced River ruhig und spiegelglatt vor uns; meist strömt er lebhaft und ungebändigt – und ist dabei immer ein Blickfang.

Solltest du unsere Route, nicht nur die im Yosemite National Park, selbst befahren wollen, leiste dir den „National Parks Pass“. Die Jahreskarte rentiert sich meist schon nach wenigen Besuchen. Allerdings wird seit 2026 für Auslandstouristen eine Zusatzzahlung von USD 100 kassiert, also bei Bedarf doch mit den aktuellen Tarifen nachrechnen. Generell vom National Park Pass ausgenommen sind Attraktionen wie die Reservate der Navajos, deren Sehenswürdigkeiten (z.B. Monument Valley sowie die Antelope Slot Canyons) unter Selbstverwaltung stehen und nur gegen Bares betreten werden dürfen.

Generell vom National Park Pass ausgenommen sind allerdings Attraktionen wie die Reservate der Navajos, deren Sehenswürdigkeiten (z.B. Monument Valley sowie Upper und Lower Antelope Slot Canyons) unter Selbstverwaltung stehen und nur gegen Bares betreten werden dürfen.

„Yosemite“ wird „Jo-sém-i-ti“ mit Betonung auf der zweiten Silbe gesprochen. Der Name stammt von Miwok-Indianern, welche den im Yosemite Valley lebenden Stamm als „Yoh­he‘meti“ (in Southern Miwok, in Central Miwok auch „Yos.s.e‘meti“), also als „die, die töten“, be­zeichneten.

Die so benannten, im Tal lebenden, Indianer stammen im Wesentlichen von den Paiute Indianern der Sierra Nevada ab. Sie nannten sich selber Ahwahnechee, also „Bewohner des Dorfes Ahwahnee“, einer im Yosemite War (siehe separaten Info-Kasten) niedergemachten indianischen Siedlung in der Nähe des heutigen Yosemite Village. Jetzt weißt du bereits mehr als die meisten Touristen jemals erfahren. Du weißt überraschenderweise jetzt auch mehr als viele Anrainer dieses Nationalparks – und das ist leider kein Witz.

Der Yosemite National Park kann auf nur drei bzw. vier Straßen be- bzw. durchfahren werden: 

  • Der Highway 120 („Tioga Pass Road“) führt von Westen über den Tioga Pass durch den Nationalpark nach Osten, Richtung Mammoth Lakes und dann weiter nach Las Vegas. Das ist letztendlich unsere Route aus dem Park. Diese Straße ist im Winter gesperrt. Und der Winter kann dort sehr lange dauern!
  • Der Highway 140 führt nur wenig südlicher, bei El Portal, ins Tal bis Yosemite Village und zu den etwas weiter östlich liegenden Campingplätzen am Southside Drive entlang, dreht dann zurück nach Westen und verlässt den Park über den Northside Drive wieder an der gleichen Stelle, an der wir in den Park hineingefahren sind. Touristen werden auf diesem Weg über Süd- und Nordschleife an vielen interessanten Punkten des Parks vorbeigeführt.
  • Die Wawona Road (41) durchquert den Park in einer ganz anderen Richtung. Sie führt im Osten des Parks vom Highway  40 südlich, über Wawona, bis sie kurz vor Fish Camp den Park Richtung Fresno verlässt. 
  • Die vierte dieser Straßen ist die Glacier Road, die von der Wawona Road aus zum Glacier Point führt. Doch dazu noch später.

Wir wählen beim ersten Besuch den Highway 140, der im Park als Einbahn eine beschauliche Rundfahrt erzwingt. Es gibt im Park viele Wasserfälle, an einigen führt diese Rundfahrt vorbei: Bridalveil Fall, Vernal Falls, Yosemite Falls. Andere musst du dir zu Fuß erarbeiten.

Holzhütten in wilder Natur
In unmittelbarer Nähe von Yosemite Village: Holzhütten in wilder Natur.

Kurz vor der „Ostschleife“, also dort, wo der Southside Drive in den Northside Drive übergeht, steht Yosemite Village, teilweise recht naturbelassen, mit dem Besucher­zentrum. Auch die Nachbildung einer Siedlung der Ahwahnechee, der ursprünglich dort ansässigen Indianer, ist zu sehen.

Eine Warnung: Nahezu gemeingefährlich gut sind die getrockneten Mangos, die dort und nur in der Yosemite Lodge angeboten werden. Meine Liebste ist Spezialistin in Sachen Mango, aber selbst ich kann mich davon kaum losreißen. Nicht hart, nicht zu süß, nicht zu Tode kandiert – einfach köstlich.

Vom Besucherzentrum und dessen Parkplätzen aus geht es in mehr oder weniger langen Wanderungen zu den vielen Wasserfällen des Parks. Die berühmtesten sind wohl die Yosemite Falls, die du im nächsten Kapitel bewundern kannst. Mit insgesamt 740 m Höhendifferenz sind sie die höchsten Fälle Nordamerikas.

Um die Fälle in voller Pracht genießen zu können, ist allerdings – welch Überraschung – Wasser nötig. Wasser wiederum ist im Herbst bereits Mangelware im Yosemite National Park. Im Frühjahr, nach der Schneeschmelze, sieht es damit deutlich besser aus. Wir kommen wieder, im Frühjahr oder allerspätestens im Juni ist die beste Zeit dafür. Wir lernen, solange wir leben.

Das Bild im Mai und im Juni ist ein ganz anderes, eine wahre Freude! Wasserspiele, wohin das Auge reicht. Blaugrüne Waldböden mit einem Hauch Türkis, sehr speziell. Und dann auch das angenehmere Klima, noch nicht ganz so heiß wie im September, gerade richtig.

In the Woods Near Yosemite Village
Südwestlich von Yosemite Village beginnt der Farbenzauber
In the Woods Near Yosemite Village
Der Merced River kommt an dieser Stelle dem Northside Drive sehr nahe.
In the Woods Near Yosemite Village
In der unmittelbaren Nähe von Yosemite Village ist der Waldboden im Frühsommer mit blaugrünen und rötlichen Farbflecken übersät. Über das Blaugrün legt sich an manchen Stellen ein zartes Türkis. Ich konnte mich kaum satt sehen.

Ein Highlight auf der Wawona Road, südlich des Northside Drives solltest du auch den Wawona Tunnel View, einen prächtigen Aussichtspunkt, ansteuern. Der Ausblick ist überwältigend!

Wawona Tunnel View
Wawona Tunnel View: Späte Stunde, toller Blick; rechts wieder mal ein Wasserfall.

Das Wetter kann dort recht schnell umschlagen. Das obige Bild und das darunter entstanden von selben Standpunkt aus im Abstand von nur drei Minuten!

Gewitterwolken beim Wawona Tunnel View
Gewitterwolken beim Wawona Tunnel View

Wir haben dort neben der prächtigen Blicke in eine scheinbar unberührte Natur auch ein Kuriosum entdeckt, ein Kreuzfahrtschiff auf Rädern sozusagen:

Kreuzfahrtbus
Kreuzfahrtbus

Die Wasserfälle

Upper Yosemite Fall
Dieses Bild zeigt nur den Upper Fall, also der oberste der drei Yosemite Falls, der immerhin auch bereits 435 m hoch ist.

Wo immer du hinschaust: Im Yosemite National Park ist der nächste Wasserfall nicht weit. Die größten und bekanntesten sind die Yosemite Falls, drei Wasser­fälle, in denen das Wasser insgesamt 740  nach unten fällt. Was du auf dem oberen Bild siehst, ist nur der Upper Fall, also der oberste der drei Fälle, der immerhin für sich allein betrachtet auch bereits 435 m hoch ist. Die Yosemite Falls gehören zu den höchsten Wasserfällen der Welt.

Ebenfalls sehr bekannt sind der Bridalveil Fall und die Vernal Falls.

Bridalveil Fall
Der Bridalveil Fall, einer der bekanntesten Wasserfälle im Yosemite National Park.
Bridalveil Fall Vista Point
Der Bridalveil Fall liegt nahe des Southside Drives. Gut ausgebaute „Vista Points“ geben an allen wichtigen Stellen des Parks guten Blick auf die Attraktionen.
Vernal Falls
Die Vernal Falls bei herbstlichem Niedrigwasser (Bild von Werner Hörhann)

Glacier Point

Wenn du dir die Karte des Yosemite National Parks zur Hand nimmst und nach dem Glacier Point suchst, wirst du staunen: Yosemite Village, mitten im Park, liegt nur etwa eineinhalb Kilometer vom Glacier Point entfernt. Die Fahrtstrecke zwischen beiden Punkten beträgt trotzdem 50 km und dauert zumindest eineinviertel Stunden.

Die Zufahrt erfolgt von der Wawona Road aus über die Glacier Point Road bis zum Glacier Point. Das sind nur 25 km, die aber haben es in sich. Die Fahrt dauert etwa eine dreiviertel Stunde. Liegenzubleiben ist fatal: Es ist da oben auch im Sommer recht frisch. Stark befahren ist die Glacier Road auch nicht gerade. Du kannst also mit einiger Zeit in der Kälte rechnen, bis Hilfe kommt.

Der äußerste Punkt des Glacier Point besteht aus massivem Gestein, aber an den Hängen darunter und in der Mulde westlich, wie auch dem bewaldeten Hang darüber sind Sedimente in großen Mengen sichtbar, welche von den zurückweichenden Gletschern abgelagert wurden. Dass diese Ablagerungen tatsächlich von Gletschern hierher verbracht wurden, ist durch die dort liegenden Gesteinsarten aus dem Little Yosemite Valley und der High Sierra belegt.

Glacier Point, Blick nach Ostsüdost.
Glacier Point, Blick nach Ostsüdost (Bild von Werner Hörhann)

Der Glacier Point ist ein Aussichtspunkt über dem Yosemite Valley auf 2.200 m Seehöhe, fast 1.000 m oberhalb von Curry Village, einem kleinen Ort mit einfachen Unterkünften für hartgesottene Touristen. Vom Glacier Point hast du einen fantastischen Überblick über weite Teile des Yosemite National Parks und das Yosemite Valley, Yosemite Falls, Half Dome, Vernal Fall, Nevada Fall und Clouds Rest inbegriffen. Viel schöner geht es kaum. Einzige Voraussetzung: dass du überhaupt bis ganz hinauf kommst.

Das wiederum ist sehr vom Wetter abhängig. Die Straße wird bei Schneelage gesperrt, oft genug auch im Hochsommer. Und das ist auch gut so. Als wir Ende Juni 2010 zweimal versuchen, den Glacier Point zu erreichen, scheitern wir einmal an einer Sperre wegen Bauarbeiten, ein andermal an der aktuellen Schneelage.

Gut und ausgesprochen wichtig sind die rigorosen Sperren allerdings für Touristen, die sonst mit ihren für die Wetterlage und die schlechte Schotterstraße meist ungeeigneten Autos schnell mal liegenbleiben würden. Und das wäre, siehe oben, mehr als unangenehm.

Im Sommer ist der Glacier Point von Touristen völlig überlaufen. Wer nicht mit dem Auto kommt, wird per Bus heran gekarrt. Nur ganz Hartnäckige wandern den „Four Mile Trail“, der etwa 1.000 Höhenmeter überwindet und etwa 7 km misst, hinauf. Das geht auch, wenn die Straße gesperrt ist. Nichts für Sandalen, jedoch nur „moderat strapaziös“. Gut zu Fuß musst du dafür allemal sein.

Der Half Dome mit seiner nach Westen gerichteten Steilwand.
Der Half Dome im Abendlicht, mit seiner nach Westen gerichteten Steilwand. (Bild von Werner Hörhann)

Problematisch kann es werden, wenn Schnee und Eis auf dem Weg liegen. Dann sollten wirklich nur erfahrene Bergsteiger den Four Mile Trail nehmen. Bei Eis und Schnee kann der Weg nämlich ausgesprochen gefährlich sein. Er wird deshalb auch durch die Parkverwaltung meist zwischen Dezember und Mai geschlossen.

Genug der Worte. Erfreue dich an den herrlichen Ausblicken! Werner, unsere Gämse, macht sie möglich. Er schafft die Fahrt bis zum Glacier Point sogar im September. Na ja, Gämse eben.

Glacier Point, an einem anderen Tag in der Abenddämmerung, Blick nach Ostsüdost. Links schön zu sehen: der Half Dome.
Glacier Point, an einem anderen Tag in der Abenddämmerung, Blick ebenfalls nach Ostsüdost. Links schön zu sehen: der Half Dome. (Bild von Werner Hörhann)

Tioga Pass Road

Die Tioga Pass Road, über die der High­way 120 verläuft, teilt den Yosemite National Park in der West-Ost-Richtung. Die Straße ist einspurig, aber gut ausgebaut. Sie ist die kürzeste Verbindung zwischen beispielsweise Fresno, Merced und Stockton auf der westlichen Seite des Parks sowie Bishop und Mammoth Lakes auf der östlichen Seite. 

Die Tioga Pass Road führt - wie der Name schon sagt - über den Tioga Pass und ist damit eine der beiden südlichsten Überquerungsrouten über die Sierra Nevada. Nördlich davon gibt es noch weitere vier Übergänge, südlich nur mehr einen, den Sherman Pass (etwa 300 m südlich des Tioga Passes).

1882-83 wurde die Passstraße von der Great Consolidated Silver Company über den Tioga Pass gebaut. Sie sollte als Zubringer zu einem Bergwerk dienen. Erst fast achtzig Jahre später, im Jahr 1961, wurde sie so, wie wir sie heute kennen, ausgebaut und für den öffentlichen Verkehr freigegeben.

Tioga Pass Road mit Blick auf den Mono Lake
Das östliche Ende der Tioga Pass Road mit Blick auf den Mono Lake

Die Tioga Pass Road steigt von Westen aus sanft an, um nach dem Pass zum Mono Lake hin ziemlich steil abzufallen. Der Höhen­unterschied zum Highway 395, der von Norden kommend vom Mono Lake nach Mammoth Lakes und Bishop führt, beträgt mehr als 900 m. Nachdem in den höheren Regionen im Winter meist recht viel Schnee liegt – bis zu 14 m, wie ich in den Aufzeichnungen entnehmen konnte – ist die Passstraße meist von Mitte Oktober bis Ende Mai gesperrt. Die Sperre kann aber, je nach Wetter- und Schneelage, auch länger dauern.

Tuolumne Grove

Wir starten unsere Fahrt, von Mariposa kommend, an der Westseite des Parks. Bald kommen wir zum Tuolumne Grove mit seinen riesigen Mammutbäumen.

Giant Sequoias at Tuolumne Grove
Alte und sehr hohe Riesenmammutbäume im Tuolumne Grove
Giant Sequoias at Tuolumne Grove
Als Mensch zwischen bis zu 95m hohen Riesenmammutbäumen bist du nur ein Zwerg.
Giant Sequoias werden sehr alt.
Der Baum, von dem diese Baumscheibe links stammt, wuchs schon zu Cäsars Zeiten auf dieser Erde. Er wurde etwa 2.500 Jahre alt.

Giant Sequoia (Mammutbaum)

Der Riesen-Mammutbaum gedeiht in dieser Gegend besonders gut, wird bis zu 80 m hoch und kann einen Durchmesser von 11 m erreichen. Große Bestände finden sich innerhalb des Yosemite National Parks in der Mariposa Grove (etwa 200 Bäume), eine der ersten Touristen-Attraktionen des Yosemite, im Merced Grove (20 Mammutbäume) und eben im Tuolumne Grove mit 25 Sequoias. Südöstlich des Yosemite Nationalparks, im Sequoia und im Kings Canyon National Park, sind noch bedeutende Vorkommen erhalten, die aber für Miet­wagen-Touristen nur sehr schwer zugänglich sind.

Trotz aller äußeren Einflüsse haben diese Baumriesen ihren Platz auch nach der Entdeckung Amerikas durch die Europäer behauptet. Als ältester noch lebender Baum galt lange Zeit der etwa 2.700 Jahre alte „Grizzly Giant“ im Mariposa Grove, der seinen Spitznamen „Wawona Tunnel“ der Tatsache verdankte, dass durch dessen Wurzeln ganze Autos fahren konnten, bevor er 1960 zusammenbrach.

Sequoias sind nicht nur hervorragend an die immer wieder natürlich auftretenden Waldbrände angepasst, sondern für ihre Fortpflanzung auf Feuer sogar angewiesen. Die winzigen Samen der Sequoia brauchen nämlich zur Keimung entblößten, mineralienhaltigen Boden und die Sprösslinge Sonnenlicht. Früher legten häufige, natürliche Waldbrände das geeignete Samenbeet frei. Sie drängten konkurrierende Arten zurück und hinterließen eine mineralienreiche Erde. Holz und Rinde dieser Mammutbäume sind überraschender­weise feuerbeständig, um die Voraussetzungen für diese Art der Vermehrung zu schaffen. Brandspuren an den Stämmen großer, gesunder Bäume zeigen deutlich, dass sie bereits viele Brände überlebt haben. 

Doch als Weiße in die Gegend kamen, wurde Feuer in Ermangelung dieses Wissens gewohnheitsmäßig so schnell wie möglich gelöscht. So sammelte sich Altholz auf dem Waldboden und die wenigen Samen, die überhaupt den Boden erreichen konnten, wurden von der Sonne nicht beschienen und verrotteten daher. 

Auf diese Weise konnten Bäume, die auch im Schatten gedeihen, in den Lebensraum der Sequoias vordringen. Heute werden daher nach ausgeklügelten Plänen vom National Park Service künstliche Brände angelegt, die natürliche Waldbrände simulieren und die Wachstumsbedingungen des Waldes verbessern sollen.

Der Mensch ist doch ein sehr seltsames Wesen.

Mirror Lake

Der Mirror Lake liegt als nächste landschaftliche Attraktion auf unserem Weg. Leider ist der nur im Frühjahr wasserführende See im September aus­getrocknet. Schaut trotzdem eindrucksvoll aus.

Mirror Lake
Ein traumhafter Sonnenuntergang am Mirror Lake. Der nur saisonal wasserführende See ist im September augetrocknet, die sonnenüberflutete Bergspitze gehört dem Half Dome. (Bild von Werner Hörhann)

Olmsted Point

Weiter nach Osten kommen wir zum Olmsted Point, einem prächtigen und wichtigen Aussichtspunkt der Tioga Pass Road. Das müssen wir aus der Nähe sehen, wir steigen aus.

Olmsted Point im Yosemite National Park
Diese karge Landschaft in ihrer Einzigartigkeit formt eindrucksvolle Bilder in unseren Köpfen.

Die glatte Steinlandschaft hier wurde einst von Gletschern geformt. Hier und da haben die Gletscher beim Schmelzen einen Felsbrocken „vergessen“ und einfach auf den ansonst glatt geschliffenen Felsen liegen­ gelassen.

Olmsted Point im Yosemite National Park
Vergessene Gesteinsbrocken zieren die von Gletschern geschliffenen Felsplatten.

Der letzte große Gletscher bedeckte vor etwa 20.000 Jahren weite Teile des Yosemite Valley und schliff mit seinem Eis im Laufe der Jahrtausende den Granit unter sich glatt. Der Granit ist allerdings von einigen Bruchstellen unterbrochen. In diesen Felsritzen wachsen heute Nadelbäume. Die Landschaft wirkt surreal und wie aus einem Science-Fiction-Film. Eindrucksvoll!

Olmsted Point im Yosemite National Park
Aus den Bruchstellen zwischen den Granitblöcken wachsen heute Nadelbäume.

Tuolumne Meadows

Auf dem weiteren Weg nach Osten erreichen wir die Tuolumne Meadows. Ausgedehnte Wiesen, die allerdings jetzt, im späten September, ziemlich ausgedörrt einen recht armseligen Anblick bieten. Wir ersparen dir den Anblick und empfehlen dir, diese Landschaft möglichst kurz nach Aufhebung der Wintersperre in natura selbst anzusehen. Die blühenden Wiesen sind ungemein beeindruckend und eine der schönsten Landschaften des Yosemite National Parks.

Die Seen­landschaft

Im östlichen Teil des Parks, in dem wir leider wenig Zeit verbringen können, liegt eine weitläufige Seenlandschaft, die etwa beim Tenaya Lake, an dem die Straße nördlich vorbeiführt, beginnt. Abgesehen vom Tenaya Lake wirst du allerdings vom Mietwagen aus zunächst von den meisten Seen wenig erblicken, da die Straße in zu großem Abstand zu den kleineren Gewässern verläuft. 

Kurz vor dem Tioga Pass, der sich in 3031 m Höhe befindet, werden wieder einige der kleineren Seen östlich des Weges sichtbar. Nach Überwindung des Passes, bereits außerhalb des Yosemite National Parks, folgen noch der Tioga Lake, einige kleinere Lacken und der Ellery Lake.

Tioga Lake
Der Tioga Lake, unglaublich blau.

Der Tioga Lake, ein relativ kleiner See, bietet versteckt, aber trotzdem nahe dem Wasser, einen recht umfang­reichen und gepflegten Campingplatz für Touristen, die dem Massentourismus im Yosemite National Park ausweichen wollen. 

Im See schwimmen Forellen, im Umfeld des Sees leben viele Tiere, die meist mutig genug sind, sich den Menschen zu nähern. Vor allem Vögel zählen dazu. Trotzdem Achtung: Es gibt hier eine breite Palette an Raubvögeln, also ein wenig aufpassen! Aber auch sonst dem Menschen gegenüber eher zurückhaltende Murmeltiere fühlen sich häufig unter den neugierigen Besuchern wohl. Zeitweilig lassen sich hier auch Füchse und Dickhornschafe blicken, obwohl letztere als besonders scheu gelten.

Der Tioga Lake ist eher schwer zugänglich. Deshalb hat sich in seinem Umfeld auch eine besonders vielfältige Tierwelt erhalten können.

Auf den nächsten Kilometern geht es steil bergab, bis wir den Mono Lake erreichen. Der liegt bereits außerhalb des Yosemite National Parks und vor uns wie ein Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit. Ist er auch.

Nachdem unsere nächste Etappe erst im Death Valley beginnt, verlängern wir dieses Kapitel bis dorthin, auch wenn der Yosemite National Park bereits hinter uns liegt. Die Zwischenetappe wäre zu kurz für einen eigenen Bericht.

Mono Lake

Jetzt liegt der Mono Lake vor und unter uns.

Mono Lake
Wie auf dem Präsentierteller liegt der Mono Lake vor uns.

Kurz bevor wir den See erreichen bzw. an ihm vorbeifahren können, befindet sich einer der vielen Aussichtspunkte in dieser Gegend. „Billige“ Touristenfotos müssen sein:

Christa am Mono Lake
Christa am Mono Lake
Ernst am Mono Lake
Ernst am Mono Lake

Wir haben uns etwas zu lange am Olmsted Point und am Tioga Pass aufgehalten und müssen unserem Zeitplan Tribut zollen. So haben wir leider keine Zeit, die Kalksäulen-Landschaft am Ufer des Sees näher zu erkunden, was wirklich sehr schade ist.  

Geologische und ökologische Hintergründe

Das Becken des Sees entstand durch eine „Krustendehnung“ vor etwa drei Millionen Jahren. Der See selbst gehört mit einem Alter von zumindest 760.000 Jahren zu den ältesten Seen Nordamerikas.

Das Mono-Becken füllte sich am Ende der letzten Eiszeit durch Gletscherschmelze vollständig mit Wasser. Der Mono Lake hat keinen Abfluss, sodass das Wasser nach Osten in die benachbarten Becken überfloss. Der dadurch entstandene See („Lake Russell“, schon lange ausgetrocknet) bedeckte vor etwa 12.500 Jahren eine Fläche von knapp 900  m² und war rund 100 m tief. Die seinerzeitige Uferlinie kannst du heute noch an der Terrassen­struktur der Hänge im Westen erkennen. 

Nach dem Ende der Eiszeit schmolzen die den Mono Lake speisenden Gletscher ab, auch die Niederschläge ließen stark nach. Vor rund 9.000 Jahren schließlich hatte der See etwa die heutige Größe.

Mono Lake

Wegen des fehlenden Abflusses kann das Wasser auch nicht ausgetauscht werden. Das hat aber zur Folge, dass der Salzgehalt durch Verdunstung sehr hoch geworden ist. Zudem ist der See sehr kalkhaltig und alkalisch, was sich in einem pH-Wert von knapp 10 deutlich zeigt.

Unter solchen Bedingungen mussten sich Tier- und Pflanzenwelt sehr schnell anpassen. Auf diese Weise hat sich im und um den See ein Ökosystem aus sehr wenigen zu so schneller Anpassung fähiger Arten bei gleichzeitig sehr hoher Individuenzahl entwickelt, was wiederum für einige Vogelarten von besonderer Bedeutung ist. Fische können im See nicht überleben, aber z.B. Salzkrebse, die sich speziell von angepassten Algenarten (Phytoplankton) ernähren. Im Uferbereich hingegen quälen Salz­fliegen die Besucher.

Das Gebiet um den Mono Lake ist heute Lebensraum für viele Vogelarten und eines der produktivsten Ökosysteme der USA. Und das, obwohl der See durch die Wasserlieferung nach Los Angeles seit 1940 bereits großen Schaden erlitten hat. Heute ist er als Naturschutzgebiet („Mono Lake Tufa State Reserve“) deklariert, die Wasserableitung wurde stark reduziert, sodass der Wasserspiegel im Mono Lake wieder steigt. Trotzdem wird der Mono Lake auch mit der letztlich projektierten Wasser­höhe noch immer einen mehr als doppelt so hohen Salzgehalt wie die Ozeane aufweisen.

Unsere Empfehlung: Veranschlage zumindest drei bis vier Stunden für einen Besuch der Uferlandschaft, damit du einige Eindrücke dieser bizarren Kalktuff-Formationen mit nach Hause nehmen kannst.

Mammoth Lakes

Mammoth Lakes ist einer der beliebtesten Wintersportorte der USA. Das Mammoth Mountain-Skigebiet liegt innerhalb des Stadtgebiets, das Skigebiet am June Lake und weitere kleinere Gebiete befinden sich in unmittelbarer Umgebung.

Mammoth Lakes liegt wunderbar inmitten von Bergen. Aber der Tourismus ist nicht auf den Winter beschränkt. In unmittelbarer Nähe gibt es zahlreiche Gebirgsseen, sodass auch im Sommer viele Touristen zu Besuch kommen. Im näheren Umkreis findest du auch jede Menge an interessanten Sehenswürdigkeiten.

Rodeway Inn abends
Das Rodeway Inn heißt heute nach einigen Wechseln „Ventura Grand Inn“. Es liegt in der 3626 Main Street von Mammoth Lakes und wurde seit 2009 mehrmals umgebaut.

Die charakteristische A-Frame-Silhouette mit den dunklen Dachbalken und die vertikale Gliederung sind heute noch vorhanden, aber Fassade, Farbgebung und die Chevron-Holzverkleidung wurden seit damals offenbar erneuert.

Wir residieren im Rodeway Inn, einem recht angenehmen Motel, im Inneren „gekleidet“ ganz nach ländlicher Sitte.

Rodeway Inn innen
2009 war das Rodeway Inn noch in Stil eines alten Landhauses eingerichtet und für Touristen reichlich mit Artefakten aufgetakelt. Trotzdem recht gemütlich.

Orts-Entwicklung

Mammoth Lakes entstand aus der kleinen Bergbausiedlung Old Mammoth. Die plangetreue Entwicklung des Ortes verlief parallel zu der des Skigebietes (ab 1953). Der erste Skilift wurde im Jahr 1955 eröffnet, seither ist das Skigebiet der Mammoth Mountains kontinuierlich gewachsen. Erst 1984 wurde Mammoth Lakes politisch selbständig und ist damit eine der jüngsten Gemeinden Kaliforniens.

Ende September 2008 wurde in den Bergen oberhalb der Stadt der Leichnam des Abenteurers Steve Fossett gefunden, der dort im September 2007 beim Absturz seines Flugzeugs tödlich verunglückt war.

Mammoth Lakes mit heute etwa 5.500 Einwohnern lebt fast ausschließlich vom Tourismus, die Gemeindeverwaltung finanziert sich vorwiegend durch eine Steuer auf Tourismusbetriebe bzw. deren Einnahmen.

Die Seen

So wie im Yosemite National Park gibt es auch rund um Mammoth Lakes reichlich Seen. Gleich außerhalb der Stadt führt der Lake Mary Road Scenic Drive über eine Strecke von etwa 10 km an mehreren Gebirgs­seen entlang. Die Lake Mary Road beginnt bereits im Stadtgebiet als Fortsetzung der Main Street ab der Minaret Road.

Twin Lakes

Das sind die ersten beiden Seen, die wir auf dieser Strecke erreichen. Sie sind, wie die gesamte Gegend, deutlich in Richtung Freizeitangebot getrimmt. Lauschige Waldwege, ruhige Gewässer, Boote, Fischer.

Twin Lakes
Bootfahren, Fischen, Wandern. Hier macht das Freude.
Twin Lakes

Bei den Twin Lakes zweigt die Twin Lakes Road ab, die dich zum „Tamarack Lodge and Resort“ führt. Wenn die Jahreszeit passt, kannst du dich vom 100  hohen Wasserfall, der in den Upper Twin Lake stürzt, beeindrucken lassen. Jetzt, im Spätherbst fehlt das dazu nötige Wasser. 

Weiter südlich führt die Twin Lakes Road in einer Schleife zur Lake Mary Road zurück, die dich dann bis zu Lake Mary, Lake Mamie und weiter zum 

Horseshoe Lake

bringt.

Horseshoe Lake
Der einzige See der Gegend, in dem gebadet werden darf.

Die Landschaft dort vermittelt eine irreale, fantastische Atmosphäre und wäre die ideale Kulisse für einen Science-Fiction-Film. Der Horseshoe Lake ist übrigens der einzige der dort verstreuten Seen, in dem Baden erlaubt ist. Aus allen anderen Seen hier wird Trinkwasser gewonnen.

Tote Bäume am Horseshoe Lake
Direkt am Horseshoe Lake hauptsächlich abgebrannte Bäume, deren fahle Stämme anklagend in den Himmel ragen.
Horseshoe Lake
Horseshoe Lake
Horseshoe Lake
Die bizarre und unwirkliche Landschaft am Horseshoe Lake. Der Eindruck, mich in einem Endzeit-Szenario zu befinden, hat bei mir bis heute angehalten.
Horseshoe Lake
Tote Wurzelreste neben Bäumen, die überlebt haben.

Auf dem Rückweg gilt es noch, in die „Around Lake Mary Road“ abzubiegen, um über eine eng gewundene Straße Lake George zu erreichen. Von dort gehen Wanderpfade zum Crystal Lake und zum Mammoth Crest ab.

Diese Wege sind vor allem im Frühsommer besonders schön, weil zu dieser Zeit entlang der Bäche und auf den Waldwiesen unzählige Wildblumen blühen. Wie schon erwähnt, sind wir im September in Mammoth Lakes und Umgebung unterwegs, als das Gras am Wasser gerade noch grün, die Zeit der Blumen aber bereits vorbei war.

Nach unseren Ausflügen geht es, der Around Lake Mary Road folgend, noch einmal rund um den Lake Mary selbst, der mit etwa 1,6 m Länge der größte See am Scenic Drive ist. Bei der Hinfahrt haben wir nur wenig von ihm gesehen, jetzt haben wir mehr Zeit für ihn.

Westlich und südöstlich des Lake Mary gibt es noch viele, sehr schön gelegene Gewässer. Die meisten davon sind aber nur mit Wanderschuhen erreichbar. 

Wenn du die vorher beschriebenen Seen besuchen willst, rechne mit zumindest einem halben Tag für die Fahrten. Den Rest des Tages könntest du für die detaillierte Erkundung der Seen und für Wanderungen einplanen. Es lohnt sich!

Nur der Vollständigkeit halber, denn unsereiner hat solches Gelände ohnehin „vor der Haustür“: Die Abzweigung ins Skigebiet liegt vom Beginn des Scenic Drives nur ein paar Kilometer weiter westlich. Dort finden sich die Red Meadows, der Joaquin River Canyon und Devil‘s Postpile. Du musst allerdings im Sommer (von Mitte Juni bis Anfang September) das Auto bereits dort parken, ein Shuttle­bus (in Jahr 2009 um 7 USD) bringt dich dann zu den Sehenswürdigkeiten.

Devil‘s Postpile National Monument

22 m westlich von Mammoth Lakes liegt eine beeindruckende Laune der Natur: Devil‘s Postpile. Erreichbar ist sie über den Highway 203, im Sommer allerdings nur per Shuttlebus. 

Die fast perfekt geometrisch geformten Basaltsäulen entstanden vor etwa 100.000 Jahren, als geschmolzene Lava aus einem nahegelegenen Vulkan­schlot ausgestoßen wurde. Bei der Abkühlung entstanden Spannungsrisse an der Oberfläche, die immer tiefer wurden und die im Querschnitt meist fünf- oder sechseckige Säulen bildeten. Erst vor etwa 10.000 Jahren legte ein durchlaufender Gletscher die Säulenwand frei. Seither brechen von den Säulen auch immer wieder Teilstücke ab, die sich in einer unübersehbaren Geröllhalde sammeln.

Devils Postpile National Monument
Im Kern des Devils Postpile National Monument befindet sich eine etwa 20m hohe Klippe aus regelmäßigen Basalt-Säulen, dar.
Die Säulen haben ihren Ursprung in einem Vulkanausbruch vor etwa 100.000 Jahren, nachdem die Lava in einer Senke relativ ungestört zu Basaltsäulen erkalten konnte. Die letzten Eiszeit mit ihren Gletschern schliff das ehemalige Becken aus und hinterließ die harten Säulen. Die laufend stattfindende Erosion ließ bis heute noch etwa 20m hohe Säulen übrig, viel Abraum ist am Fuß der Klippe zu finden.

Die Entfernung vom Parkplatz bzw. von der Shuttlebus-Haltestelle zu des Teufels Säulenpfählen ist etwa 650 m lang, der Weg verläuft über eine flache Treppe.

Treppe zu Devil's Postpile
Die flache Treppe ist etwa 650m lang.

Ein zweiter Pfad verläuft von dort hinauf zur teilweise wie gekachelt aussehenden Oberseite der Säulen – dort, wo auf dem Bild die Bäume zu sehen sind. Der Pfad führt noch etwa 2,5 m südlich bis zu den Rainbow Falls, wo sich der Middle Fork des Joaquin River mehr als 30 m in die Tiefe stürzt.

Und weiter geht‘s ins Death Valley

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