San Francisco

Das Kapitel San Francisco ist lang, sehr lang. Wir empfehlen daher, das Inhaltsverzeichnis aufzuklappen, um leichter zu den Teilen des Berichts zu gelangen, die dich besonders interessieren.

Ankunft

San Francisco
Ein Blick auf San Francisco von der Kreuzung mit der Jones Street den Broadway entlang Richtung Westen.

Eine Methode, dem Jetlag zu entgehen: nach Ankunft sofort mindestens 30 Minuten in frischer Luft marschieren. Da trifft es sich gut, dass in San Francisco ein paar Häuserblocks von unserem Hotel entfernt, ein großes Fotogeschäft meiner harrt, um mir ein halbwegs leichtes Stativ in die Hände zu drücken. „Ein paar Blocks weiter“, das wissen wir noch nicht, bedeutet in amerikanischen Städten eine dreiviertel Stunde strammen Fußmarsches. Egal, wie harmlos der Weg auf dem Stadtplan aussehen mag. 

Als wir mit bereits tiefhängender Zunge ankommen, wird eben der Lieferanteneingang geschlossen, wir haben noch fünf Minuten bis Geschäftsschluss. Das hatte ich nicht bedacht. Mist. Zurück zum Hotel. Calumet musste noch einen Tag warten. Meiner Liebsten qualmen die Socken, sie straft mich mit vernichtenden Blicken.

Die Koffer (hier zur Vorgeschichte) kommen nicht am selben Tag und auch nicht am nächsten. „Unser“ KLM-Mitarbeiter ist unauffindbar. Den ganzen Tag über. Die Rezeptionistin unseres Hotels bietet ihre Hilfe an, erreicht aber auch nichts. Geil! KLM rückt, unter dem Druck unserer Rezeptionistin zusammenbrechend, Telefonnummer und Webadresse eines Unternehmens heraus, das sich um alle verlustig gegangenen Gepäckstücke der Air France-Gruppe, also auch um die der KLM, kümmern sollte. 

Auf der Website steht neben unseren Gepäckstücken noch immer „delivery date n/a“. Das machte Mut, vor allem, da auch in dieser Firma kein Mensch das Telefon abhebt. Christa beginnt bereits, Koffer in und vor den Auslagen der Geschäfte mit begehrlichen Blicken zu messen. „Wow! Schau dir diese riesigen Schrankkoffer an!“ 

Einen Tag später, um etwa 9 pm, werden die Gepäckstücke nachgeliefert, eine der Doppelrollen fehlt allerdings an einem der Koffer. Die Website zeigt zu diesem Zeitpunkt – erraten  „delivery date n/a“.

Zur Orientierung

Map of San Francisco
Eine Karten­über­sicht mit San Francisco inklusive des Flughafens Millbrae (SFO) am unteren Kartenende.
© OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA
Open Street Maps findest du im Web unter www.osm.org und www.creativecommons.org
Map of San Francisco
Ein Ausschnitt des städte­bau­lich und touristisch inter­essan­ten Bereichs von San Francisco.
© OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA
Open Street Maps findest du im Web unter www.osm.org und www.creativecommons.org

Auf beiden Karten kannst du die Golden Gate Bridge gut erkennen, die von San Francisco nach Norden zur Golden Gate Recreation Area führt. Sie bringt dich auch nach Sausalito. Im Osten liegt die Bay Bridge, die Oakland, Ber­ke­ley und Richmond an San Francisco anbindet. Die „University of California“ in Berkeley mit über 30.000Studenten ist neben dem „California State University“-System der zweite Verbund bundesstaatlicher Universitäten Kalifor­niens mit insgesamt über 192.000 Studenten. Der dritte nennt sich „Community Colleges California“.

Zwischen den beiden Brücken, nördlich von San Francisco, ist die Gefängnisinsel Alcatraz zu sehen. Mitten in der Bay Bridge liegt - mit Yerba Buena Island verbunden - Treasure Island.

Alle in diesem Bericht besprochenen Sehens­würdig­­keiten von San Francisco findest du auf einer dieser Karten.

Die Stadt San Francisco

San Francisco vereint heute viele Einwohner mit Vorfahren aus allen Weltgegenden. Dieses Völker- und Kulturgemisch schafft in der Stadt ein weltoffenes, sehr sympathisch-lebenswertes Klima, welches im engstirnigeren Österreich - bei viel weniger „Zugereisten“ - niemals entstehen könnte. Kein Mensch in San Francisco regt sich über den Akzent eines anderen Stadtbewohners auf, wenn auch einige Viertel, beispielsweise Chinatown, deutlich familiärer vernetzt und nach außen hin isolierter sind als andere.

Sehnsucht
Sehnsucht

Das Stadtbild mag geprägt sein von verschiedenen Kulturen, die Straßen sind es nicht. Im Norden von San Francisco tragen sie in jeder Hinsicht – egal ob Straßenbreite, Bauformen, Fassaden betreffend – ganz eindeutig europäische Züge. Als Ausnahmen mögen in fast allen amerikanischen Städten – nicht nur im Südwesten – der dort übliche Verhau aus Elek­troleitungen und die außen liegenden Feuertreppen gelten, die beide fast jedes Foto mit Grandezza verschandeln können.

Viktorianische Häuser
Häuser aus viktorianischer Zeit prägen einen großen Teil San Franciscos.
Feuertreppen in Chinatown
Feuertreppen an den Außenseiten der Häuser sind allgegenwärtig, auch in in Chinatown.

Habe ich schon erwähnt, dass San Fran­cisco sehr hügelig ist? 42 Hügel prägen das Bild der Stadt. Niemand hat versucht, sie abzutragen oder auch nur zu kupieren. Manche Straßen sind so steil, dass sie von Durchschnittsbürgern nur mehr auf Treppen begangen werden können.

Hügeliges Gelände mit grandioser Aussicht
Hügeliges Gelände mit grandioser Aussicht

San Francisco ist mit Straßensteilstücken reichlich gesegnet. In Russian Hill führt z.B. die Filbert Street, zwei Häuserblöcke von der Lombard entfernt, bergab Richtung Pioneer Park. Sie ist mit 31% Gefälle noch etwas steiler als die als besonders steil bekannte Lombard Street. Nur ist die Lombard durch Serpentinen ein bisschen entschärft.

Schau dir die in Folge gezeigten Bilder an, und stell dir vor, wie ein harter Winter mit Glatteis in San Francisco für Auto­fahrer und Fußgänger aussehen muss. Solche Winter sind in San Francisco aber Gott sei Dank selten.

Hyde Street
Auch in der Hyde Street geht es stetig bergauf und bergab. Aber noch halbwegs überschaubar.

Etwas weiter südlich, in Chinatown bzw. am Fuß des nördlich anschließenden Telegraph Hill, ist die vielfach zerstückelte Kearny Street zwischen Vallejo und Fresno Street unterbrochen, um den Verkehr von einem ebenfalls recht steilen Straßenstück, das zum Broadway führt, fernzuhalten. Für Fußgänger sind links und rechts Stufen vorhanden. Autofahrer müssen den stark gerippten “Zielschuss” ohne diese Hilfe meistern.

Kearny Street Ecke Broadway
Kearny Street Ecke Broadway
Kearny Street Ecke Broadway
Alle Bilder aus der Kearny Street beim Broadway. Hier ganz oben das Absperrgitter, das nach einigen Unfällen ein Durchfahren von oben verhindert.

Wir standen in der Kearny, südlich der oben erwähnten Unterbrechung, an der Kreuzung zum Broadway und sahen ein paar sportliche Typen die Straße bergab laufen, wie unsereins einen steilen Skihang angehen würde: optisch zwischen Stemmbogen und Jetschwung. Der für Autos stark aufgeraute Bodenbelag würde einem Sturz gewaltig Würze verleihen. Ja, da steigt der Blutdruck schon beim Zusehen!

Die Geschichte von San Francisco

Die Bucht von San Francisco wurde erst relativ spät, nämlich 1769, entdeckt. Überraschenderweise von der Landseite her. Die Bucht war vorbeifahrenden Schiffen wegen der starken Nebel, die auch heute noch häufig über der Bucht liegen, lange verborgen geblieben. Die Entdeckung erfolgte aufgrund eines Navigationsfehlers: Die spanische Landexpedition wollte eigentlich von Süden aus zur Bucht von Monterey. Sie hatten sogar Karten mit, konnten die Bucht aber wegen Schlechtwetters nicht als die von Monterey identifizieren und zogen nach Norden weiter.

Der spanische Offizier Don Gaspar de Portolá und der Franziskanerpater Junipero Serra waren bei den Ersten, welche die Bucht von Yerba Buena, das später San Francisco benannt werden sollte, fanden.

Die damals am Golden Gate lebenden 15-20.000 eingeborenen Indianer empfingen die Fremden freundlich. Das einfache Fischervolk der Miwok im Norden der Bucht und die Ohlone im Süden und Osten lebten hier als nomadisierende Küstenindianer hauptsächlich vom Fischfang.

Das erste Schiff, das in die Bucht von San Francisco am 5.  August 1775 einfuhr, war die „Don Carlos“ unter dem spanischen Kommandanten Juan Manuel de Ayala, der den Inseln der Bucht ihre Namen gab. Im Jahre 1776 wurde dann mit der Errichtung eines Forts, des „Presidio“ an der Nordwestecke der Halbinsel begonnen. Zur selben Zeit er­richteten die Franziskaner 5  km südlich davon die „Misiõn de San Francisco Asís“, heute auch „Mission Dolores“ genannt, von der sich der heutige Name der Stadt herleitet.

Zunächst aber war für die Ansiedlung die Bezeichnung Yerba Buena („Hierba Buena“ bedeutet auf Deutsch „gutes Kraut) gebräuchlich. Im Jahr 1846 besetzten die Vereinigten Staaten mit Oberkalifornien auch Yerba Buena und gaben der Siedlung 1848, nach Beendigung des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges, den heutigen Namen San Francisco.

Bis 1848 wohnten hier weniger als 100 Menschen. Als im gleichen Jahr in der Nähe von Sacramento im American River Gold entdeckt wurde, änderte sich das rasant. Die Stadt erlebte einen wirtschaftlichen Boom und wurde 1850 als Stadt eingetragen. Schnell wuchs die Bevölkerung auf über 10.000 Menschen an. Um 1900 zählte die Stadt bereits 340.000 Einwohner.

Das Erdbeben im April 1906 zerstörte fast das gesamte Zentrum San Franciscos sowie einen großen Teil der Wohngebiete. Die folgenden Brände tobten 3 Tage lang, die Schäden betrugen in heutiger Kaufkraft etwa 10 Mrd. US-Dollar. Trotzdem wurde die Stadt schnell wiederaufgebaut. 1989 wurde sie vom nächsten verheerenden Beben heimgesucht. Nachdem San Francisco an der San-Andreas-Verwerfung liegt, ist auch in Zukunft mit schweren und schwersten Beben zu rechnen.

Heute hat San Francisco etwa 850.000 Einwohner, die sich längst mit den Gefahren der Kontinentalverschiebung arrangiert haben. Man ist bester Laune und baut eben halbwegs erdbebensicher.

Skyline von San Francisco
Aktuelle Skyline von San Francisco

Hotels in San Francisco

In den USA können wir bei Rundreisen in der Regel auch gut mit Drei-Stern-Hotels leben. Okay, Fünf-Sterne-Hotels sind komfortabler, verfügen über leisere Klima­anlagen, verrechnen aber gerne auch jede Hand­reichung extra.

In San Francisco hingegen solltest du doch auf zumindest einen vierten Stern achten. Warum? Das sei dir an zwei Beispielen erklärt:

Da das Good Hotel – heute „Hotel Garrett“ und renoviert – sehr zentral an der 7th Street, knapp südlich der Market Street liegt und überdies günstige Tages­preise bietet, buchen wir dort beim ersten Mal.

The Good Hotel
The Good Hotel in voller Pracht. Dort, wo du im Hintergrund das gelbe Auto siehst, verläuft die Mission Street, die südöstlich parallel zur Market Street verläuft.

Schluchz. Das freundliche Personal und die tolle Lage waren wirklich die einzigen Plus-Punkte. Eine interessante Besonderheit lernen wir im Good Hotel allerdings kennen: Das WC mit clever aufgesetztem Handwaschbecken.

The Good Hotel
Genial multifunktionales WC
The Good Hotel
Platz wird hier bis in die letzte Ecke genutzt. Rechts zu sehen die Minidusche, oberhalb der Klomuschel die Hand- und Badetücher.
The Good Hotel
Der Waschtisch besetzt eine Nische im Wohn/Schlafzimmer.
The Good Hotel
Gleich daneben der „Kleiderschrank“, in und hinter dem sich auch gleich Haarfön, Bügeleisen, Geschirr, Safe und Reservedecke finden. Richtig kuschelig.

Nächster Versuch, das Oasis Inn in der Franklin Street, Ecke Eddy Street, nahe der City Hall: gleiches Preisniveau, mistiges WLAN, aber dafür genauso vergammelt wie das Good Hotel.

Oasis Hotel
Das Oasis Hotel in der Franklin Street
Oasis Hotel
Terrasse im Oasis Hotel

Es ist im Oasis lauter als im Good Hotel. Nur für den Parkplatz mussten wir während unseres Aufenthalts nichts (in Worten “nichts”) bezahlen. Also wieder Gleichstand – auf sehr niedrigem Niveau.

Mein Rat: Leg’ ein paar Dollar drauf und verzichte lieber auf die günstige Lage. Versuche aber, in der nördlichen Stadthälfte zu bleiben, dort ist die Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln wesentlich besser.

Was findet der Gast in fast jedem Hotel im Südwesten, nicht nur in San Francisco? Eine (meist laute) Klimaanlage, eine kleine Badnische mit anschließender Dusche und anstelle der bei uns üblichen Kästen ein Kleiderregal, einen Safe, Bügelbrett und Bügeleisen sowie eine Kaffeemaschine samt Kaffee und Tee.

Was findet der Gast in städtischen Hotels des Südwestens fast nie: Einen kostenlosen Parkplatz für seinen Mietwagen. Auf der Straße nicht und nicht beim Hotel. Von den meisten innerstädtischen Hotels wurden bei unseren Reisen pro Auto und Nacht zwischen USD  10 und USD  50 verlangt, heute (2026) liegen die Preise merkbar höher. Good Hotel beispielsweise stellte uns 2010 USD  20 in Rechnung.

Market Street

Wir wissen, dass in San Francisco besonders viele Toyota Prius fahren. Der Großteil davon war hier bereits bei unseren früheren Reisen als Taxis unterwegs. Auch heute, 2014, fahren noch einige Prius, aber Tesla (hauptsächlich „Model S“ und auch der eine oder andere Sportwagen) und Ford Mustang scheinen Toyotas Muster-Hybrid den Rang als Trendsetter abzulaufen. Die nächsten Tage werden es weisen, wir bleiben doch noch einige Zeit hier in San Francisco.

Weder Taxi noch Mietwagen brauchen wir allerdings heute. Wir wandern. Die Auserwählte an meiner Seite hat noch nicht genug von gestern, als wir Calumet zu Fuß nur mit Mühe erreichten. Sie hat sich über Nacht erholt und meint, dass wir heute die nordöstliche Seite San Franciscos erkunden wollen. Fisherman‘s Wharf, Pier 39 und so. Zu Fuß, versteht sich. Öffis sind nur etwas für Schwächlinge. Und überhaupt, so weit sei es nun wieder auch nicht.

Market Street
Hier laufen die Öffis von San Francisco zusammen: Oben auf der Market Street fahren Straßenbahnen und Busse; auch die Cable Cars starten hier. Unter der Market lärmt die U-Bahn.

Mir schwant Böses: Wandertag für Erwachsene. Acht Stunden, magere 30 Minuten an Pausen kommen noch dazu. Ja, da fällst du abends ins Bett – wenn du noch kannst.

Heute also queren wir zunächst mal die Mission Street und schlendern die Market Street entlang. Wir schlendern, weil wir noch nicht wissen, welche Distanzen wir heute zurücklegen werden. Die Market Street ist eine der wichtigsten Lebensadern San Franciscos. Sie beginnt beim „The Embarcadero“ nahe dem Ferry Building an der nordöstlichen Ecke der Stadt und durchquert Down­town Richtung Westsüdwest.

Die Market Street trennt sozusagen auch den alten Teil San Franciscos vom städtisch wenig erbaulichen, aber industriell gerne genutzten Erweiterungsbereich.

Locked Down at Market Street
Locked Down. Sogar der Pfandleiher hat hier geschlossen.

In den alten Bezirken nördlich der Market sind die Straßen europäisch eng. Weiter südlich, wo die Erweiterung erst später stattfand, werden die Straßen zu 4- bis 6-spurigen Einbahnen, wie du sie in vielen Großstädten der USA finden kannst. Die Market Street führt am Civic Center und dem Castro District vorbei bis zur Kreuzung mit der Corbett Avenue, in unmittelbarer Nachbarschaft von Twin Peaks.

Die Market bei der McAllister Street
Die Market an der Kreuzung mit der McAllister Street

Oben auf der Market Street fahren Straßenbahnen und Busse. Unter der Market lärmt die U-Bahn vor sich hin. Direkt bei der Market Street, an der Ecke Powell Street, starten die letzten verbliebenen Cable Cars, zu denen es einiges zu sagen gibt. Du findest ein eigenes Kapitel zu dieser Attraktion weiter unten.

Cable Car Endstelle Powell Street
Eine der verbliebenen Endstellen am Beginn der Powell Street, gleich Ecke Market. Hier stauen sich Touristen, um zu Hause sagen zu können, dass sie auch mal mit einem Cable Car gefahren seien.

An der Market Street liegen viele Geschäfte und große Kaufhäuser wie Blooming­dale‘s, Nordstrom bzw. Flagshipstores von Puma, Nike und anderen bekannten Labels. Ein Eldorado für Markenfans! Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass ein weiteres großes Zentrum für Flagshipstores bedeutender Marken unweit nördlich der Market liegt, am Union Square.

James Flood Building
James Flood Building, „the oldest family-owned commercial building in San Francisco“.
Taylor Street
Ein Blick in die Taylor Street. Rechterhand verläuft die Market Richtung The Embarcadero, links zweigt die Golden Gate Avenue Richtung Westen ab.

Von der Market Street aus gehen alle wichtigen Straßen San Franciscos nach Norden ab, und dieser Nord(ost)en lebt sehr gut von den Touristen. Pier 39 liegt beispielsweise dort, im Norden, mit seinen Attraktionen vom Aquatic Park bis zu den Seelöwen und dem Hardrock Cafe (Steaks sind bestenfalls mäßig, meines war echt schauderhaft). Und, nicht zu vergessen: Fisherman‘s Wharf mit all den Geschäften, die jeder Reisende so „dringend benötigt“, um zu Hause Furore machen zu können. Aber alle Zubringerstraßen zu diesen Touristenzielen beginnen an der Market Street.

Obdachlos

In der Market Street erleben wir nicht nur Glanz und Gloria. Wir sehen auch das hässliche Gesicht des amerikanischen Bären. Es zeigt sich in allen größeren Städten des Südwestens, nicht nur in San Francisco. Wir treffen häufig Obdachlose, die in den Straßen leben, an den Stränden oder auf wilden Campingplätzen, meist ohne sanitäre Versorgung usw. Sie sind zahlreicher als in unseren Breiten, aber in der überwiegenden Mehrheit freundlich, nicht betrunken und auch nicht aggressiv. Uns ist das erstmals in San Francisco bewusst geworden, obwohl dort 2009 „nur“ etwa 20.000 von ihnen leben.

Veteran
Viele Veteranen kämpfen seit ihrer Rückkehr ums Überleben.

Eine Studie der Los Angeles Homeless Service Authority (Amt für Obdachlose) aus 2005 zeigt, dass im Los Angeles County allein 88.375 Menschen „homeless“ (obdachlos) waren. Bis 2009 sank die Zahl auf knapp mehr als 48.000. Seither steigen die Zahlen wieder, wobei auffällt, dass der Anteil an europiden Weißen steigt, während der Anteil an Menschen afro-amerikanischen Ursprungs und derer mit lateinamerikanischen Wurzeln stark zurückgeht. 58.423 Obdachlose aller Ethnien waren es im Jahr 2013 bei einer Zählung im Los Angeles County.

Die Dunkelziffer ist allerdings hoch. Stützen wir uns auf die gesicherten Zahlen der Zählung von 2013, so konnten von den 58.423 etwa ein Viertel, rund 15.000, bei einer der Hilfsorganisationen die Nacht verbringen, für den Rest gab es keinen sicheren Platz zum Schlafen.

Eine genauere Differenzierung ermittelte für die dabei gezählten Homeless People 50.213 erwachsene Singles, 7.391 Mitglieder einer Familie und 819 Minderjährige ohne Begleitung. Fast 1/3 der Obdachlosen waren psychisch krank. Mehr als 10% der Gruppe stellten Kriegsveteranen, etwa 10% die Opfer häuslicher Gewalt. Und, was dich wahrscheinlich überraschen wird: Etwa 20% der Obdachlosen arbeiten in einem aufrechten Dienstverhältnis. Dieses bringt allerdings üblicherweise nicht so viel ein, dass sie zu einem geregelten Leben zurückkehren könnten.

In San Francisco waren 2010, wie schon erwähnt, etwa 20.000 Menschen ohne Unterkunft. Statt die Ursachen dieser hohen Anzahl an Obdachlosen anzupacken, erließen die Behörden in San Francisco eine Verordnung, mit deren Hilfe Obdachlosigkeit strafbar wurde. Das bringt‘s doch, oder? Als wäre irgend­jemand aus freien Stücken ohne Unterkunft oder ohne bzw. mit viel zu geringem Einkommen, um Wohnung, Energie­kosten, Essen und Hygiene zu decken.

Homeless
Homeless. Jeder hat seine gesamte Habe immer bei sich.
Homeless People
„Stammtisch“ der Homeless People.
Alle Gesichter in diesem Bild wurden nachträglich neu gezeichnet, um niemanden bloßzustellen. (Nein, KI hatten wir damals noch keine.)

Ein Arbeiter verdient in San Francisco 2009 etwa 10 USD pro Stunde (knapp 1.500 USD/Monat). Eine Familie mit einem Kind erhält, wenn erforderlich, vom Sozialamt knapp über 700  USD monatlich. Nur die Mietkosten für eine 3-Zimmer-Wohnung alleine betragen in San Francisco 2010 bereits etwa 1.800 USD pro Monat. Noch Fragen?

Mobile Roost
Mobile Roost. Manchmal reicht schon eine geschützte Nische. als Schlafplatz.

Die Obdachlosen in Kalifornien sind aber nur eine Spitze des Eisberges. Städte wie New York, Dallas oder Miami haben ebenfalls große Unterstandslosenzahlen aufzuweisen. Etwa 2,3 bis 3,5  Mio. Menschen insgesamt sind in den Vereinigten Staaten von Amerika obdachlos, also etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung – und das im reichsten Land der Welt.

Die Medien haben nach Erlass der o.a. Verordnung berichtet, die Stadt würde jetzt mit den Obdachlosen „aufräumen“. Ja, es wurden tatsächlich in den letzten Jahren in San Francisco hunderttausende Strafen (je 76 USD) für „Verbrechen“, wie das Schlafen oder Sitzen auf der Straße, ausgesprochen. Auch heute noch durchkämmt die Polizei jeden Morgen den Golden Gate Park und andere Grünflächen und verhaftet Personen, die Schutz unter den Bäumen suchen.

Bilder wie auf diesen Seiten sehen wir alle nicht gerne. Trotzdem halten wir es für wichtig, auch diese Seite des Lebens zu zeigen, die 2026 noch viel sichtbarer als zur den Zeiten unserer Besuche sind. Denn auch sie gehört zu Amerika. Was diese Bilder jedenfalls sagen: Es geht uns persönlich doch wirklich sehr, sehr gut.

Wells Fargo

Wells Fargo, auf den Bildern die Geschäftsstelle die Wells Fargo an der Ecke Grant Avenue und Market Street, wurde im Jahr 1852 von William Fargo und Henry Wells gegründet. Sie ist uns Europäern hauptsächlich aus Western bekannt.

Die Wells Fargo Company war in den Anfängen nämlich in erster Linie als Transportdienstleister tätig. Insbesondere die Postkutschen der Gesellschaft belebten das Straßenbild im sogenannten Wilden Westen.

Zu den transportierten Gütern gehörten u.a. Silber und Gold, später wurde auch bares Geld befördert. Dem offensichtlichen Bedarf folgend stieg Wells Fargo auch ins Geschäft für Finanzdienstleistungen ein, machte sich einen guten Namen und expandierte enorm.

1998 wurde Wells Fargo von der bislang in Minneapolis ansässigen Norwest Corporation geschluckt. Der gemeinsame Firmensitz ist auch heute noch in San Francisco.

Wells Fargo
Der Hauptsitz von Wells Fargo an der Ecke Market und Grant Street.

Was selten passiert, in diesem Fall aber tatsächlich geschah: Der neue Konzern nahm den Namen des übernommenen Partners an. „Wells Fargo“ war mit seiner 150-jährigen Geschichte die weit bekanntere und hochwertigere Marke, denn das Motiv der Postkutsche ist bis heute eine nicht mehr wegzudenkende Ikone des Wilden Westens und somit zentraler Bestandteil seines Mythos‘.

Wells Fargo
Wells Fargo

Wells Fargo wurde, wie viele andere Finanz­unter­nehmen auch, von der Ban­ken­krise gebeutelt und bekam 2008 25 Mrd. US-Dollar von der US-Regierung zur Verfügung gestellt, die bereits Ende 2009 vollständig zurückgezahlt wurden. Ende 2010 verfügte Wells Fargo über mehr als 9.000 Filialen, 70 Mio. Kunden und 272.200 Mitarbeiter. Wells Fargo erholte sich in der Folge prächtig und machte 2016 bei einem Umsatz von etwa  88 Mrd. USD 24 Mrd. Gewinn.

Gemessen an der Marktkapitalisierung war Wells Fargo im Februar 2017 mit 274 Mrd. USD die zweitwertvollste Bank der Welt nach JP Morgan Chase.

City Hall

Wir spazieren die Polk Street entlang. Die Polk ist die Verlängerung der 10th Street über die Market Street nach Norden. Die City Hall, das erst 1915 erbaute Rathaus von San Francisco, zieht uns magisch an.

City Hall
Die Polk von der Market hoch, dann, bei der City Center Plaza, ein Blick nach links auf die prächtige San Francisco City Hall.

Die City Hall ist aber auch ein wahrhaft imposantes Ge­bäu­de. Ein im Beaux-Arts-Stil errichtetes Monument der American Renaissance, deren Zeit von 1880 bis 1917 dauerte. Die Entscheidung, die City Hall so zu bauen, ist auf die “City Beautiful”-Initiative zurückzuführen, deren Ziel es war, Amerikas Städte lebenswerter zu machen.
Zum Nachlesen ein zu diesem Thema empfehlenswerter Link: https://www.planetizen.com/definition/city-beautiful

Auf dem Weg von der Market Street zur City Hall, auf der United Nations Plaza, sehen wir einen Wochenmarkt. Vor allem Obst finden wir dort in köstlicher Qualität zu günstigen Preisen. So groß wächst Obst bei uns kaum, so reif wird es auch selten. Wie auch immer: dringend benötigter Vitamin-Nachschub für uns.
Von der Civic Hall ein paar Schritte weiter über die Straße und du landest im Civic Center. Wir aber müssen langsam Tempo machen, wenn wir Fisherman’s Wharf noch heute sehen wollen.

Cable Cars

Meine Füße sind schon ein wenig platt, und die Kamera zieht in den letzten Stunden mein rechtes Handgelenk doch recht deutlich nach unten. Wir wollen eine Pause zum Verschnaufen? Ich jedenfalls will! Cable Car von der Powell Street bis Fisher­man’s Wharf – das ist die Idee. Meine Liebste ist begeistert.

Als „Cable Cars“ werden in den USA üblicherweise Seilbahnen bezeichnet. Die San Francisco Cable Cars sind aber Straßenbahn-ähnliche Fahrzeuge, die das Kabel in einem Schacht unter der Straße abgreifen.

Heute sind noch drei kurze Strecken in San Francisco in Betrieb, die von Touristen regelrecht gestürmt werden. Wartezeiten von einer halben bis zu zwei Stunden sind durchaus üblich, bis du dich in einen der Wagen quetschen oder auch nur an einen dranhängen darfst. So gesehen war die Idee zwar eine gute, aber so viel Zeit haben wir nicht.

Die Geschichte der Cable Cars in San Francisco

Heute gelten die San Francisco Cable Cars als Touristen-Attraktionen. Sie wurden zwischenzeitlich sogar zu „National Historic Landmarks“ erklärt.

Cable Car
Klaustrophopie ist kein Hobby, auch wenn es hier so aussieht.

Um die Bedeutung dieser Beförderungsmittel für die Stadt richtig einschätzen zu können, solltest du deren Geschichte ein wenig kennenlernen.

San Francisco ist eine hügelige Stadt mit vielen ex­tre­men Steigungen – für die meisten Transportmittel früherer Tage viel zu steil. Also begann man in den 1870er und 1880er Jahren, San Francisco mit Kabelbahnen auszustatten. Mehrere Betreiber errichteten jeweils eigene Systeme, die nur die Technik gemeinsam hatten. Verschiedene Spurbreiten verhinderten, dass die Züge auf den Schienen der Mitbewerber eingesetzt werden konnten.

Die Wagen der Cable Cars greifen mit einer Spannklaue durch einen Schlitz in der Fahrbahn das Seil, welches in einem Graben in einer Endlosschleife läuft. An den Endstellen wird der Wagen auf einer Drehscheibe umgedreht und kann auf der Gegenfahrbahn mit dem rücklaufenden Seil wieder zurückfahren. Vier Drehscheiben gibt es in San Francisco, je eine an den Endstellen Powell/Main, Taylor/Bay und Hyde/Beach, sowie eine im Depot an der Kreuzung Mason/Washington.

1890 wurden die letzten Kabelbahnstrecken in San Francisco errichtet, einige sind heute noch Bestandteile der Powell-Hyde-Linie (Linie 60), die an der Market Street ihren Anfang hat.

Cable Car
Heute bereits zu „National Historic Landmarks“ erklärt: Die Cable Cars sind das, worauf man in den USA besonders stolz ist: Geschichte. Den Touristen gefällt’s.
(Bild von Miro Nikolic)

Den Cable Cars ging es an den Kragen, als die ersten durch Oberleitungen mit Strom versorgten Straßenbahnen konkurrenzfähig wurden und 1906 das große Erdbeben einen Großteil von San Francisco und damit auch der Cable Car-Routen zerstörte. Linie um Linie wurde beim Wiederaufbau auf elektrische Straßenbahnen umgestellt. 1912 gab es nur mehr acht Cable Car-Strecken, die in Betrieb blieben, weil die Steigungen dort für die Straßenbahnen doch zu steil waren.

Mit der Einführung der Dieselbusse, die auch diese Steigungen bewältigen konnten, begann man in den 1920er und 1930er Jahren auch die letzten Strecken aufzulassen. 1947 wollte der Bürgermeister die restlichen Cable Car-Strecken durch Dieselbusse ersetzen, als unerwarteter Gegenwind aufkam:

Friedel Klussmann gründete eine Bürgerbewegung, das „Citizens’ Committee to Save the Cable Cars“, und führte einen heroischen Kampf gegen die Abschaffung dieser historischen Verkehrsmittel. Sein Vorschlag, die Stadt zur Weiterführung der Linie zu verpflichten, wurde mit 166.989 zu 51.457 Stimmen angenommen und umgesetzt.

1979 mussten die Cable Cars für einige Monate stillgelegt werden, um die dringendsten Erhaltungsarbeiten durchzuführen. Die Kosten einer Sanierung wurden mit 60  Mio. USD veranschlagt. Um die Unterstützung des Bundes, der dann letzten Endes doch einen wesentlichen Teil der Kosten übernahm, musste hart gekämpft werden.

1982 war es nötig, auch die Gleisstrecken samt den zugehörigen Kabelgräben zu erneuern. Zu der Zeit wurde auch das Maschinenhaus (Ecke Mason Street/Washington Street) neu ausgestattet und 37 Waggons damals ebenfalls restauriert bzw. teils neu gebaut, um die Attraktion zu erhalten.

Chinatown

Nix Cable Car, also Fußmarsch. Wir sind schon etwas schlapp. Wir sind auch hungrig und durstig. Wie in einer Wüste, in der sich Düne an Düne reiht, ohne dass die Oase näherkommt, reiht sich hier ein Hügel an den anderen. Wir stehen an einer Kreuzung und blicken einen Hügel hinauf. Ein Blick nach links zeigt leichtes Gefälle, nach rechts geht es steil bergan. Wir hätten viele Straßen, die zum Ziel führen. Aber welche ist die bequemste? Es geht uns fast wie bei einer Radrundfahrt. Nur Bergwertungen, aber wir haben nicht mal ein Rad.

An dieser Stelle eine ernst gemeinte Warnung: Tu nicht, was wir dir hier vormachen! Mit “nicht” meine ich vor allem “nicht an einem Tag”. Das hält selbst ein Fremdenlegionär nur aus, wenn der „Sergent-chef“ mit gezückter Waffe hinter ihm her ist.

Wir schnaufen bergan; Bergab-Strecken scheinen gefühlsmäßig nicht zu existieren. Typisch San Francisco. Kurze Denkpause, mir wird schwindlig: Wir gehen jetzt Richtung Küste, also eher bergab. Wie wird das erst beim Rückweg werden? Derzeit stapfen wir auf der Grant Avenue nach Norden.

Map of San Francisco Chinatown
Der helle Bereich markiert San Fransicos Chinatown, der helle Streifen rechts darunter die Market Street.
© OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA Open Street Maps findest du im Web unter
www.osm.org und www.creativecommons.org

Wettermäßig hat Chinatown nahezu eigene Gesetze: Prächtige Motive in Hinblick auf Architektur und Lebenslust der Bewohner bei Schönwetter. Andererseits trostlos, wenn der Himmel grau ist. Als wir um 8 am aus dem Fenster geschaut haben, war der Hochnebel mit Wolken durchsetzt.

Derweil die Wetter-App verzweifelt von strahlendem Sonnenschein „next hour“ berichtet, ändert sich das Bild vor uns auch in den nächsten beiden Stunden nicht. Chinatown liegt im Nebel. Frustrierend. Wir sind aber auch noch nicht angekommen. Vergessen wir nicht die wichtige Regel: Der Nebel lichtet sich in San Francisco spätestens zwischen 11:00 und 12:00 Uhr. Das nur als Hinweis für dich, falls du an einer farbenprächtigen Chinatown Inter­esse hast.

Dann plötzlich, aber für uns nicht unerwartet, Sonne. Und nach der Bush Street ist sowieso alles anders: Das traditionelle Chinatown beginnt hier. Dragon’s Gate, ein Geschenk Taiwans aus dem Jahr 1970, liegt linker Hand.

Dragon's Gate
Dragon’s Gate, das Eingangstor zu Chinatown. Ein Geschenk Taiwans.

Der monumentale Eingang in dieses Viertel, das bis hinauf zum Broadway reicht, steht in der Bush, die Grant Street führt mitten durch das Tor. Chinatown, ein bei Touristen beliebter Bezirk, ist mit fast 100.000 chinesischen Einwohnern eines der größten ethnischen Viertel in den gesamten USA. Hier lebt aber auch rund ein Achtel aller Einwohner San Franciscos.

Meine Beste ist glücklich: Ein Geschäft drängt sich an das andere. Die meisten sind auf Touristenfang ausgelegt. Meinem Weibi egal! Die Strategie funktioniert also perfekt.

Wir wollen heute beim Fisherman’s Wharf essen, aber es gäbe auch in Chinatown gute Lokale. Vor allem in den Seitengassen und eher bei der Stockton Street als an der Grant Avenue. Die Grant zeigt vornehmlich Touristen, was diese erwarten, die Stockton ist etwas authentischer.

Als wir uns zwischendurch laben wollen, stellt sich heraus: ohne Essen keine Getränke. Zumindest reduziert sich in einem Lokal die an der Wand angeschriebene Auswahl an Smoothies angesichts der Erkenntnis, dass wir partout keine Pekingente, auch keine halbe, wollen, auf Avocado-Smoothie. Avocado zur Erfrischung? „Yesss, Sir, very healthy!“ Das Lachen zwischen den Zahnlücken lässt uns nicht im Unklaren.

Wir beißen auf die eben erworbenen Perlen und wechseln das Lokal. Wir finden eine mitfühlende Kellnerin, die uns trotz Essensverweigerung einen Tisch zuweist und uns mit allerlei Flüssigem versorgt. Gerade noch rechtzeitig, muss ich anmerken.

Beim Rückweg werden die eben gekauften Perlenschnüre ergänzt. Meine Liebste will jetzt nicht nur eine Halskette, sondern auch Armband und Ohrgehänge selbst drechseln, sobald wir wieder zu Hause sind. Hier, in San Francisco, fehlt das nötige Werkzeug.

Cable Cars sehe ich derweil zwar zwei, die schwach besetzt sind (California Line). Zusteigen wäre also theoretisch möglich – eine Seltenheit! Wir bekommen sozusagen eine zweite Chance.

Cable Car in Chinatown
„Mausiiii! Ein Cable Car!“ „Ja, ich komm‘ gleich. Muss nur noch zahlen“

Aber versuch mal, einem Cable Car nachzulaufen, wenn ein Fuß, und sei‘s nur der der Liebsten, gerade in einem der vielen Geschäfte Anker geworfen hat. Cable Car also endgültig abgehakt.

Zum Abschluss: Chinatown dem Wetter gänzlich zu opfern und komplett auszulassen, wäre ein Luxus, den du dir nicht leisten solltest. Wenn du nach San Francisco kommst, so besuche Chinatown nachmittags bei gutem Wetter und lass es von uns grüßen!

Hier noch ein paar Eindrücke dieses außerordentlich lebendigen Teils von San Francisco.

Columbus Tower

Wir gehen schon auf dem Zahnfleisch, aber wir müssen einfach alles sehen. Und der Columbus Tower in der Kearny Street Ecke Columbus Avenue ist eine architektonische Rarität, die vor allem ich niemals verpassen möchte. Wir biegen von der Stockton Street rechts in die Pacific Avenue ab, vorbei am Orien­tal Shopping Center, um den Columbus Tower zu erreichen. Dieser ist ein Grenzgänger: Er blickt mit einer Seite nach Chinatown, mit der anderen aber gleichzeitig in den noblen Financal District.

Columbus Tower
Der Columbus Tower, heute zu Recht eines der „San Francisco Designated Landmarks

Das 1907 errichtete, hauptsächlich in Grün gehaltene Ge­bäu­de mit grün­spani­gen Fensterrahmen aus Kupfer ist eines der ganz wenigen überlebenden „Flat­ Iron Buildings“ („Bügel­eisen­häuser“) San Franciscos. Als Flat Iron werden Gebäude bezeichnet, deren annähernd dreieckiger Grundriss an die Form eines Bügeleisens erinnert. Diese Besonderheit im Grundriss kommt dann vor, wenn zwei Straßen im spitzen Winkel zusammentreffen und das da­durch entstehende Eck-Grund­stück trotzdem für den Bau eines Hauses verwendet wird.

Financial District

Vom Columbus Tower aus betreten wir den Financial District San Franciscos. Dieser Bezirk beherbergt die höchsten Gebäude der Stadt: die Transamerica Pyramid und die Bank of America. Dieses Viertel zeichnet sich überhaupt durch seine Wolkenkratzer aus. Der Financial District liegt östlich von Chinatown und war bereits unter spanischer und später mexi­kanischer Herrschaft ein Zentrum europäischer und amerikanischer Besiedlung.

Nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg und während des Goldrauschs erlebte dieser Stadtteil einen rasanten Aufschwung. Der Platz für neue Gebäude wurde knapp. Westlich war und ist das Gebiet durch Chinatown begrenzt. 

Eine Erweiterung war also nur Richtung Meeresbucht möglich. Die Bucht reichte damals noch bis zur heutigen Battery Street. Aber was echter Pioniergeist erdenkt, schafft er auch: So schüttete man kurzerhand die Bucht bis zum heutigen The Embarcadero auf und gewann so ein zusätzliches Stadtgebiet etwa von der Größe Chinatowns. Klingt einfach, gell?

Goldrausch und reger Handel machten San Francisco und das gesamte Umfeld reich, die Bedeutung San Franciscos als Finanzzentrum der Westküste stieg. Viele große Unter­nehmen, Banken, Bausparkassen, Versicherungen, Anwaltskanzleien und Geschäfte ließen sich hier nieder und prägen diesen Bezirk mit ihren Bauten bis heute. Auch die ersten Wolkenkratzer der Westküste wurden im Financial District nahe der Market Street gebaut.

Financial District
Beside Transamerica Pyramid

1906 erreichte das große Erdbeben San Francisco und zerstörte weite Teile der Stadt. Die folgenden Brände legten die meisten Gebäude in Schutt und Asche. Auch der alte Financial District wurde größtenteils zerstört, aber sehr schnell wieder von Grund auf neu aufgebaut. Wie durch ein Wunder waren die Wolken­kratzer von der Zerstörung verschont geblieben.

Financial District Transamerica Pyramid
Die Transamerica Pyramid macht aus allen Perspektiven ordentlich ´was her. Sie ist ein Highlight der Skyline von San Francisco und eines der bekanntesten Wahrzeichen des Kapitalis­mus.

Auf Grund landesweiter Höhen­beschrän­kun­gen wegen der Erdbebengefahr blieb die Höhe der Häuser San Franciscos beim Wiederaufbau zunächst relativ niedrig. Erst viel später brachten neue Techniken zur Verbesserung der Erdbebensicherheit eine Lockerung der Höhenbeschränkungen. Das löste in San Francisco, aber eben erst ab den späten 1950er Jahren, einen wahren Wolken­kratzer-Boom aus.

Financial District
So etwa dürfte ein Frosch den Financial District heute erleben.

Coit Tower

Weil wir schon mal in der Nähe sind. Der Coit Tower ist ein Aussichtsturm auf dem Telegraph Hill. Dieser wiederum befindet sich nördlich von Financial District und beginnt am nördlichen Ende von Chinatown.

Financial District mit Coit Tower auf dem Telegraph Hill
Ein Blick vom Wasser auf Teile des Financial District und den Coit Tower auf dem Telegraph Hill

Lillie Hitchcock Coit war eine große Verehrerin der lokalen Feuerwehr. Mehr noch: Sie wurde, nachdem sie bei der Löschung eines Brandes nahe dem Telepgraph Hill die Feuerwehr tatkräftig unterstützt hatte, zum Maskottchen der „Engine Company No. 5“ der Freiwilligen Feuerwehr auserkoren.

Nach Ihrem Tod 1929 hinterließ sie der Stadt San Francisco USD 100.000 einerseits, um der Freiwilligen Feuerwehr ein Denkmal zu setzen, andererseits „zur Verschönerung der Stadt“. Mit einem Teil des Geldes wurde also der 64 m hohe Coit Tower als Aussichtsturm (Stadtverschönerung) und zu Ehren der Freiwilligen Feuerwehr, die aber ohnehin ein Denkmal am Washington Square bekamen, gebaut. Er bietet einen herrlichen Rundumblick über San Francisco und die Bucht.

Union Street

Nur jetzt nicht über die Columbus Avenue direkt zu Fisherman’s Wharf! Das wäre ja wohl wirklich zu einfach. Wir folgen daher der Columbus bis zur Union Street und wenden uns nach Westen.

Union Street
Leichtes Gefälle – wie üblich – auch in der Union Street
Union Street
Auch Fußgänger haben es nicht leicht, bleiben aber fit.

Die Union Street ist eine der langen Straßen, die sich fast durch den kompletten Norden San Franciscos ziehen. Sie beginnt im Süden des Telegraph Hills und führt nach Westen bis zum Presidio. Aber so weit gehen wir nun auch wieder nicht.

San Francisco Anglical Free Church
Die San Francisco Anglical Free Church gleich bei der Mason Street hat, wie an den Schriftzeichen oberhalb des Fensters zu erkennen, eine starke chinesische Gemeinde.

Der Weg soll uns via Hyde Street noch auf den Russian Hill führen, von dem sich die Lombard Street steil nach unten windet.

Union Street
Ein Blick von der Union Street aus durch die Leavenworth nach Norden führt das Auge an klaren Tagen bis Alcatraz Island.

Russian Hill

An der Hyde Street biegen wir rechts nach Norden ab und erreichen so Russian Hill, westlich an Telegraph Hill angrenzend. Habe ich schon erwähnt, dass San Francisco von steilen Hügeln dominiert wird? Endlich sind wir auf dem Gipfel. Vor uns ist durch den Stromleitungsverhau die Küste sichtbar, rechts blicken wir die Lombard Street hinunter. Sie ist eine der Attraktionen von Russian Hill.

Ein Blick von Russian Hill
Ein Blick von Russian Hill Richtung Osten auf den Coit Tower, den bereits erwähnten Aussichtsturm. Links davon, im Hintergrund sind die Spitzen zweier Tragpfeiler der Oakland Bay Bridge zu sehen.

Ein chaotischer Verhau an elektrischen Leitungen trübt die Sicht auf das vor uns liegende Stadtviertel allerdings beträchtlich. Aber das ist hier eben so.

Russian Hill, das wohlhabende Viertel im Norden von San Francisco, hat seinen Namen aus der Zeit des Goldrauschs. Damals entdeckten Siedler einen kleinen russischen Friedhof auf der Spitze des Hügels und benannten ihn „Russian Hill“. Es konnte nie geklärt werden, wer dort begraben lag. Aber wahrscheinlich waren es russische Pelzhändler und Seefahrer aus dem nahe gelegenen Fort Ross. Den Friedhof gibt es heute nicht mehr, der Name ist geblieben.

Im Gegensatz zu Stadtvierteln wie Chinatown oder Japantown gibt es in Russian Hill heute allerdings keine ernstzunehmende russische Präsenz.

Russian Hill ist heute vor allem ein (teurer) Wohnbezirk und liegt zwischen dem ebenfalls wohlhabenden Bezirk Nob Hill (im Süden von Russian Hill) und Fisherman’s Wharf im Norden.

Lombard Street

Wie schon gesagt, blicken wir rechts die Lombard Street hinunter. Sie ist eine der bekanntesten Straßen San Franciscos. Wenigstens ein kurzes Stück davon.

Lombard Street
Die Lombard Street wird mit ihren acht Kurven auf nur 145 m in San Francisco gerne als „crookedest street of the world“ („kurvenreichste Straße der Welt“) bezeichnet.

Die Lombard Street verläuft eigentlich vom Presidio bis zum Telegraph Hill, also quer durch den Norden San Franciscos, und weist eine beachtliche Länge auf. Trotzdem sind den meisten Touristen nur die 150 m von der Hyde Street am Russian Hill hinunter bis zur Leavenworth Street bekannt. Dieser Teil der Lombard Street ist heute eine der Touris­ten-At­trak­tionen von San Francisco. Dort stehen sie, die Ahnungslosen, fotografieren und machen große Augen. So we do.

Lombard Street
Ein Bogerl und noch ein Bogerl…

Dieser Bereich der Lombard Street ist nämlich mit einem Gefälle von etwa 27% eine der wirklich steilen Straßen der Stadt. Sie wurde wegen der großen Probleme für Autofahrer und Fußgänger 1923 umgebaut. Seither führt die Lombard als Einbahnstraße in acht engen Serpentinen bergab und gilt als eine der kurven­reichsten Straßen der Welt.

Für Fußgänger wurden damals links und rechts der Straße Treppen gebaut. Die Teile der Straße, die nicht Fahrbahn sind, wurden darüber hinaus mit Grün und Blumen richtiggehend zugepflastert.

Vor allem der bergab linke Rand der Lombard Street ist fast schon zugewachsen.

Fisherman‘s Wharf

Fischerman's Wharf
Das Fischerman’s Wharf-Logo mit dem Krabben-Symbol ist nicht zu übersehen.

Fisherman‘s Wharf, unser heutiges Ziel, ist ein etwa 180.000 m² großes Hafenviertel im Nordosten San Franciscos. Es erstreckt sich entlang der Nord­küste, begrenzt im Westen von der Van Ness Avenue und im Osten von der Kearny Street (etwa bei Pier 35). Es hat seinen Namen vom gleichnamigen Anlegesteg, der am „The Embarcadero“ nahe der Taylor Street beginnt.

Viele der beliebtesten Sehenswürdigkeiten von San Francisco finden sich hier, wie etwa „Pier 39“ oder „The Cannery“, eine alte, längst geschlossene Konservenfabrik der Firma Del Monte. Weitere Touristen­magneten sind ein Wachsfigurenmuseum, eine ehemalige Fabrik für die ganz besonders köstliche Ghirardelli-Schokolade am Ghirardelli Square, sowie Ripley’s „Believe It or Not!“, eine Kuriositätenausstellung. Fisherman‘s Wharf hat sich zur größten Touristen­-Attraktion in San Francisco gemausert und hat heute sogar mehr Besucher als die Golden Gate Bridge oder Chinatown.

Das Viertel ist geprägt von Restaurants, die bekannt sind für ihre Fisch- und Meeresfrüchte-Spezialitäten. Zum Hardrock Cafe, einem der ersten in den USA, ist nur zu sagen, dass Hard Rock Cafes nicht wegen ihres Essens, sondern wegen ihrer Atmosphäre bekannt sind. Daneben haben sich viele Geschäfte, Galerien und Museen niedergelassen. Einige große Hotels befinden sich ebenfalls am Rande von Fisherman‘s Wharf. Im Sommer gibt es hier zahlreiche Open-Air-Veranstaltungen, darunter auch Flohmärkte und Live-Konzerte.

Die Geschichte von Fisherman‘s Wharf

Entstanden ist Fisherman‘s Wharf um 1900, als dort, im Norden San Franciscos, italienische Fischer siedelten. Sie fischten an der Küste vorwiegend nach der Dungeness-Krabbe, berühmt für ihr süßes und saftiges Fleisch. Die „Dungeness Crab“ ist heute noch eine lokale Spezialität und gilt als ausgesprochene Leckerei für Liebhaber der maritimen Küche.

Dieses Hafenviertel erstreckt sich heute entlang der Nordküste von der Van Ness Avenue im Westen bis zur Kearny Street im Osten. Noch immer sind hier, am Fisherman‘s Wharf, einige aktive Fischer mit ihren kleinen Fischerflotten be­heimatet, auch wenn deshalb schon lange kein Lande­steg („wharf“ bedeutet „Landungsbrücke“, „Anlegestelle“ oder „Kai“) dieser Größe mehr benötigt werden würde.

Seit den 1950er Jahren, vor­nehm­lich aber in den 70ern und 80ern des vorigen Jahrhunderts, ent­wickelte sich das gesamte Hafenviertel, speziell der Nordteil rund um den Anlegesteg, zu einem phänomenalen Anziehungspunkt für Touristen. Keine andere Sehenswürdigkeit in San Francisco hat mehr Besucher.

Fisherman’s Wharf zählt heute zu den Haupttouristenattraktionen in San Francisco, da viele der beliebtesten Sehenswürdigkeiten dort beheimatet sind, wie ich bereits im oberhalb Text erwähnt habe. Du solltest einen Besuch dort unbedingt einplanen!

Von Fisherman’s Wharf aus starten übrigens auch täglich die Fähren zur Gefängnisinsel Alcatraz.

Jefferson Street

Aber jetzt! Der Hyde Street Pier ist schon zu sehen, kleine Kajütboote liegen dort friedlich in der Sonne.

Kajütboote am Hyde Street Pier
Kajütboote am Hyde Street Pier

Wir sehen von der Hyde aus schräg rechts über die Jefferson Street auch schon „Safe Harbor“, ein Geschäft, das Sportswear anbietet.

Safe Harbor
Safe Harbor, ein Sportgeschäft, aus dem aber auch mein „Dorfman“ stammt.

Ein Stück weiter Pompei‘s Grotto, was uns daran erinnert, dass es bereits Nachmittag ist und unsere Kehlen und Mägen bereits um Nachschub betteln. Pompei‘s Grotto ist nicht, wonach uns heute gelüstet, aber hier liegt ohnehin ein Fresstempel neben dem anderen.

Pompei's Grotto
Pompei’s Grotto, heute nicht unsere erste Wahl.

Lou‘s Restaurant wird es heute. Dort läuft auch Bier in Strömen aus den Zapfhähnen. Bier ist nicht nur köstlich am Gaumen, sondern auch noch ein isotonisches Getränk. Und das ist ein Argument, dem ich mich selten entziehen kann. Wir setzen uns unter einen der Sonnenschirme an einen Tisch und schauen dem regen Treiben zu, das sich vor unseren Augen abspielt.

Lou‘s Restaurant
Pause und Verpflegung bei Lou‘s Restaurant. Ja, die Socken rauchen bereits.

Die Jefferson Street ist die lebendigste Straße im Norden von San Francisco. Sie verbindet die von der Market Street nach Norden verlaufende Hyde Street mit der Powell, die ebenfalls an der Market Street beginnt. Die Jefferson Street führt uns also durch den Großteil von Fisherman‘s Wharf. Sie ist an beiden Straßenseiten mit Restaurants und Geschäften regelrecht zuge­pflastert. Die Restaurants befinden sich meist an der nördlichen, dem Wasser näheren Seite. Auch abends ist die Jefferson aus­ge­sprochen lebendig.

Schildkröte
ine aus Keramik gefertigte Schildkröte aus China.
Schlussverkauf
Ganzjahres-Schlussverkauf
Krabbe als Gebäck
Die Krabbe, das Symbol des Fisherman’s Wharf, gibt es auch als Gebäck.
Sauerteig hat seinen Weg auch nach San Francisco gefunden.
Sauerteig hat seinen Weg ebenfalls nach San Francisco gefunden.

Ab dem North Point bei der Powell Street wird der Verkehr dann vom „The Embar­ca­dero“ an den Hafenanlagen vorbei nach Osten geleitet.

The Boxer
Asking only workman’s wages
I come looking for a job
But I get no offers…

Ich weiß wohl, dass die Jefferson schon im San Francisco Maritime National Historical Park (bis 1978 „San Francisco Maritime Museum“) verläuft und auch als Stückwerk bereits zwischen Fillmore und Webster Street existiert.

Zu leben beginnt sie aber erst bei Fisherman‘s Wharf östlich der Hyde Street, in deren Nähe eine der Cable Car-Linien an der Kreuzung zur Beach Street ihre Endstelle hat. Die Jefferson ist von dort nur einen Häuserblock Richtung Küste entfernt.

Straßenkünstler

Fisherman’s Wharf zieht natürlich auch Straßenkünstler magisch an. Wo Touristen sind, ist Geld. Wo Geld ist, fällt schon mal ein Dollar in die Mütze. Wobei Musiker, die sich die Seele aus dem Leib singen, genügsamer sind als andere.

Straßenkünstler
Sing To Whom Song Is Given
Stephen Dreyfuss
Stephen Dreyfuss live at Pier 39. Sein Saxofon ist hörenswert.

Der Platzhirsch im Hafenviertel, ein silbergefärbter Mondmann („Silver Man“), ist nicht bescheiden. Fotografieren? Gerne, aber wehe du gibst nicht sofort Bares! Ein, zwei Dollar in den Pot? Ja, beim Nachwuchsmimen nebenan vielleicht, hier aber bestenfalls “Kicher & Lach”. Der “Meister” wird erst ab zehn Dollar ein wenig entgegenkommender, frühestens ab zwanzig Dollar freundlich.

Straßenkünstler
Silver Man: „Der Meister“. Er hat‘s voll drauf. Seit Jahren hält er den besten Platz am Fisherman‘s Wharf. 
Und bei ihm zahlst du als Fotograf – wenn dir die eigene Haut und deine Kamera etwas wert sind. Er beherrscht seinen Job, kann aber auch mal ein wenig rabiat werden – selbst das ist dann ganz großes Kino.
Straßenkünstler
Silver Man: „Der Lehrling“. Er ist einer der Nachahmer und muss sich mit deutlich schlechter fre­quen­tier­ten Ecken zufriedengeben. Nicht so teuer, aber eben auch nicht so gut wie das „Original“. 
Silver Man
DER Silver Man at Jefferson Street. Kein Foto ohne Cash.
Silver Man
Gimme some CHOCOLATE and nobody gets HURT.
Ein „Straßenkünstler“ der besonderen Art: „Gimme some chocolate and nobody gets hurt!“ Dieser Bär sitzt schon seit Jahren vor „seinem“ Schokoladengeschäft und bettelt.

Sightseeing

Recht originelle Transportmittel gondeln mit Touristen durch das gesamte Viertel von Fisherman‘s Wharf und darüber hinaus; die Bilder dieser Doppelseite zeigen nur eine kleine Auswahl. Die Gefährte warten in den Seitenstraßen auf ihre Gäste. Daneben verkehren auch ganz „normale“ Hop-On Hop-Off- Busse in San Francisco und bringen Touristen die Sehenswürdigkeiten der Stadt bei Stadtrundfahrten näher.

Tram
Die meisten Touristen sind klüger als wir und verzichten auf Gewaltmärsche. Sie fahren zum Fisherman‘s Wharf mit der Tram oder mit einem der Cable Cars.
Touristen­bus
Touristen­bus, dieser wird z.B. für die die San Francisco Fire Engine Tour eingesetzt.
Touristenbus
Auch ein Touristenbus
Auch ein Touristenbus
Und schon wieder ein Touristenbus
Fährschiff
Bevor ich‘s vergesse: Ganz wichtige Transportmittel für die Entdeckung San Franciscos bzw. seiner Sehenswürdigkeiten sind die vielen Schiffe, die Touristen nach Sausalito, Alcatraz, Angel Island oder Treasure Island bringen.

Eine Spezialität von San Francisco sind die kleinen, gelben, wie Mopeds laut kreischenden „GOcars“. Sie werden von Touristen selbst, allerdings computerunterstützt, durch Fisherman‘s Wharf pilotiert. Über die meist viel zu laut eingestellten Lautsprecher können nicht nur wir, sondern komplette Straßenzüge mithören, welche Sehenswürdigkeiten dem Fahrer und seinem Copiloten gerade erklärt werden.

GOcar
GOcar, auf der Jefferson lästiger als ein Schwarm Wespen.

Pier 39

Pier 39
Pier 39, eine eigene Welt innerhalb des Fisherman’s Wharf (Bild von Miro Nikolic)

Wir sind ausreichend gelabt, um noch ein paar Schritte weiterzugehen. Der Touristen-Magnet Nummer 1 am Fisher­man‘s Wharf ist Pier 39, der im östlichen Bereich liegt. Objektiv gesehen ist er also Teil von Fisherman‘s Wharf. Subjektiv gesehen und atmosphärisch ist der Pier 39 jedoch eine eige­ne Welt, weshalb er hier auch eine eigene, fette Kapitelüberschrift bekommt.

Pier 39
Auf Pier 39 findest du mehr als 100 Geschäfte, Souvenir-Läden, Rummelplatz-Attraktionen, das „Aquarium of the Bay“ und viele Restaurants. (Bild von Miro Nikolic)

An diesem 300 m langen Anlegesteg sind mehr als 100 Geschäfte, Souvenir-Läden, Rummelplatz-Attraktionen, das „Aquarium of the Bay“ und viele Restaurants untergebracht.

Übrigens: Alle Gebäude im Bereich des Pier 39 wurden aus den Holzplanken alter Schiffe gebaut! 

In den Restaurants kannst du köstliche Fischgerichte und Meeresfrüchte ebenso genießen wie den Ausblick auf die Bucht von San Francisco. Fisch und Meeresfrüchte sind nichts für mich und meinen Gaumen. Die Aussicht hingegen ist auch für mich nahezu berückend.

Ohrenscharbe
Eine Ohrenscharbe aus der Familie der Kormorane beim Start am Pier 39.
Möwe auf Ausguck
Möwe auf Ausguck

Die Seelöwen

Besondere Attraktionen an Pier 39 sind oder besser gesagt waren damals die Seelöwen, die sich in unmittelbarer Nähe niedergelassen haben und regelmäßig für Menschen­ansammlungen sorgen. Seit 1990 sind die Meeres­bewohner in der Hafenanlage heimisch. Waren es im Sommer 2009 noch etwa 400 Seelöwen, die wir aus nächster Nähe be­staunen konnten, so hat sich die Zahl bis 2010 explosionsartig erhöht.

Seelöwen bei Pier 39
Seelöwen bei San Francisco’s Pier 39. Zwischenzeitlich wurden noch weitere 6 Plattformen gebaut und, nach Absiedelung großer Bestände, wieder abgebaut. (Bild von Miro Nikolic)
Seelöwen bei Pier 39
Die mächtigen Kolosse erzeugen mächtig Lärm und mächtig strengen Geruch.

Gründe für dieses rasante Ansteigen konnten nicht gefunden werden. Es wurden aber sechs neue Docks im Hafenbecken verankert, um den bis zu 400 kg schweren, mitunter streng riechenden „Brocken“ ausreichend Platz zu bieten. Später hat man wohl erkannt, dass auch Touristen Nasen haben. Heute, 2014, liegen nur mehr wenige Seelöwen am Pier 39, nichts stinkt mehr. Man hat offenbar eine Möglichkeit gefunden, den Großteil der Tiere abzusiedeln. Was aber nicht lange erfolgreich gewesen sein dürfte: Bilder anderer Besucher aus 2024/25 zeigen, dass sich die Population an Pier 39 wieder ein wenig erholt haben dürfte.

Alcatraz

Der gestrige Tag hatte am Pier 39 geendet. Nein, nicht ganz. Wir sind von dort noch zu Fuß gen Süden bis zu unserem Hotel gewandert. Eher geschlichen, zumindest ich.

Meine Liebste hingegen, deren Fitness ich immer deutlich hinter meiner wähnte, trumpft groß auf. Sie kann offensichtlich gar nicht genug bekommen. Als wir in der Nähe der Market Street ein Schuhgeschäft erblicken - sie erblickt, ich sehe an so etwas gnadenlos vorbei -, ist sie auch schon drinnen. Wie bitte?!

Ich kann kaum noch stehen, sehe aber gleich in der Nähe die Front eines großen Fotohändlers. Schuhe ansehen kann dauern, Schuhe probieren auch. Da kann ich mich wenigstens an interessanten Neuigkeiten der Fotobranche laben. Dachte ich. Die Front des angepeilten Geschäftes ist riesig, der Schriftzug oberhalb der Auslagen ebenfalls. Das Fotogeschäft ist aber geschlossen. Für immer, wie mir scheint. Die Auslagen sind nahezu leer. Nichts mit laben.

Ächz! Also doch bei den Schuhen warten. Meine Christa bietet mir zwar großzügig an, ich solle doch derweil ins Hotel vorausgehen, sie komme nach Erledigung ihrer Geschäfte nach. Aber der Rest des Mannes in mir lässt solche Marsch­erleichterung nicht zu. Ich warte also. Die Beine kommen mir bereits oben beim Kiefer wieder heraus, aber ich warte. Ein Dreiviertelstündchen später sind Schuhe gekauft, bezahlt und dürfen mit ins Hotel. Der Rest des Abends geht in Bewusstlosigkeit unter. Wiewohl auch das nächtliche San Francisco einiges zu bieten hätte.

Aber heute! Heute ist Alcatraz dran! Selten hat sich jemand so gefreut wie wir, endlich ins Gefängnis zu kommen.

Alcatraz Cruises
Diese Fähre wird uns auf die Gefängnisinsel bringen.

Während wir am Pier 33 auf das halbstündig verkehrende Schiff warten, das uns zur Gefängnisinsel bringen soll, haben wir Zeit genug, die Daten zu Alcatraz aus unserem Gedächtnisspeicher zu holen.

Die Geschichte von Alcatraz Island

Auf Alcatraz, nördlich von San Francisco, stand der erste amerikanische Leuchtturm der Westküste, der 1852 errichtet wurde. Er konnte wegen der Schwierigkeiten bei Beschaffung und Montage der Linse zur Bündelung des Lichtes aber erst am 1.  Juni 1854 in Betrieb genommen werden. Danach begann die militärische Nutzung mit dem Bau von Fort Alcatraz von 1853 bis 1859.

1861 fungierte das Fort erstmals als (Militär-)Gefängnis: Während des amerikanischen Sezessionskrieges waren hier Soldaten der Konföderation und die Mannschaft eines Südstaaten-Handelsschiffes interniert.

Als Zellen dienten damals die Keller eines Ziegelbaus, welcher 1903 so verfallen war, dass er geschlossen werden musste. Unmittelbar nach dem großen Erdbeben von 1906 begann der Neubau, der 1911 fertiggestellt war. Dabei wurde ein Stahlbetongebäude als Zellentrakt errichtet, das heute noch besichtigt werden kann. 1909 wurde der Leuchtturm neu gebaut.

Die militärische Nutzung von Alcatraz wurde 1933 aufgegeben. Danach begann umgehend der Umbau in ein Gefängnis, welches am 1.  Januar 1934 zu einem Bundesgefängnis umgewidmet wurde. Wegen des eiskalten Wassers in der Bucht und der tückischen Strömung galt „The Rock“ jahrelang als ausbruchssicher. Alca­traz fungierte bis 1963 als Hochsicherheitsgefängnis, in dem Gefangene untergebracht wurden, die in anderen Gefängnissen als unverbesserlich und schwierig eingestuft worden waren. Unter ihnen befanden sich so bekannte Gangster wie Al Capone (1934-1939), Robert Franklin Stroud (1942-1959), Machine Gun Kelly (1934-1951) und Alvin „Creepy“ Karpis (1936-1962).

Auf der Insel lebten etwa 250 Gefangenen wie auch die Gefängniswachen mit ihren Familien; insgesamt rund 300   Zivilisten, darunter 80   Kinder. In den 29  Jahren, in denen Alcatraz als Gefängnis diente, gab es 14   Fluchtversuche durch insgesamt 34    Gefangene (zwei davon waren an jeweils zwei Versuchen beteiligt), aber keinen Ausbruch, der als gelungen bestätigt wurde.

Fünf Flüchtlinge sind allerdings bis heute verschwunden und vermutlich im kalten Meer ertrunken. Die bekanntesten davon dürften Frank Morris und die beiden Brüder John und Clarence Anglin sein, die mit einem aus Regenmänteln gefertigten Schlauchboot flüchteten und deren Ausbruch in „Die Flucht von Alcatraz“ mit Clint Eastwood in der Rolle des Frank Morris verfilmt wurde. Manche glauben, dass sie entkamen und irgendwo ein neues Leben anfingen.

Die Zellen in Alcatraz waren 1,52×2,74 m groß und mit Wasch­becken, Toilette und Bett ausgestattet. Hier hielten sich die Häftlinge 18 bis 23  Std. pro Tag auf. Sie hatten nur Anspruch auf Lebensnotwendiges, alles andere waren Sondervergünstigungen, die nur bei guter Führung gewährt wurden. Der Originaltext lautet

Welcome to Alcatraz. … You are entitled to food, clothing, shelter and medical attention. Anything else that you get is a privilege.

Auch die Teilnahme am Arbeitsprogramm war bereits ein Privileg.

Alcatraz war als einziges Gefängnis im Land mit Warmwasser ausgerüstet. Aber da standen keinerlei humanitäre Motive dahinter: Durch Duschen mit kaltem Wasser hätten sich die Häftlinge abhärten können, um die kalte Bucht bei einem Ausbruchsversuch leichter zu durchschwimmen.

Die Betriebskosten von Alcatraz waren hoch und die Anlage verfiel zusehends durch das aggressive Salzwasser, welches sogar die Stahlarmierung innerhalb des Stahlbetons angriff und ständige Instandhaltung notwendig machte. Justizminister Robert  F.  Kennedy ordnete daher am 21.  März 1963 die Schließung des Gefängnisses an. Seit 1972 wird es nur noch als „Touristen-Falle“ genutzt. Alcatraz ist heute Teil der Golden Gate National Recreation Area und wird Jahr für Jahr von mehr als 1  Mio.  Menschen besucht.

Alcatraz Island
Alcatraz hat von San Francisco aus gesehen, fast das Aussehen eines Schiffes.

Unsere Ankunft verläuft unspektakulär. Beim Anblick der hohen, kalten Mauern sind wir aber froh, nicht Teil der Geschichte zu sein.

Ankunftsbereich
Hier werden Touristen abgeladen und später wieder abgeholt. (Bild von Werner Hörhann)
Wachturm
Wachturm (Bild von Miro Nikolic)
Sailing near Alcatraz Island
Sailing near Alcatraz Island

Wir erkunden vorerst das Gelände und sehen dabei Stahlbeton-Skelette und Absperrungen. Zur Besichtigung freigegeben sind nur Zellenblock, Speisesaal, Bibliothek und Gefängnishof. Die meisten ehemaligen Gebäude sind wegen Baufälligkeit geschlossen.

„Blow Your Horn“
„Blow Your Horn“ – „Betone deine Stärken und arbeite an ihnen!“ Ob das Motivation genug war für die Insassen?
Broken Administration
Broken Administration – Der Aufgang zum gesperrten Verwaltungsbereich
Ehemaliger Versorgungstrakt
Ehemaliger Versorgungstrakt
Ehemaliges Küchenfenster
Kitchen Closed – Kuchenfreie Zone
Wasserturm
Einer der Wassertürme der Insel (Bild von Werner Hörhann)
Von einigen Teilen des ehemaligen Gefängnisses stehen nur mehr dekorative Stahlbeton-Gerippe.
Von einigen Teilen des ehemaligen Gefängnisses stehen nur mehr dekorative Stahlbeton-Gerippe.
Stahlbeton-Gerippe
Fortgeschrittene Arthrose

Das Hauptgebäude entspricht innen den üblichen Erwartungen eines Touristen: Gefängnis eben.

Der Zugang zu den „Residential Appartments“ befindet sich im Hauptgebäude.
Der Zugang zu den „Residential Appartments“ befindet sich im Hauptgebäude.
Zellengang
Einer der Zellengänge des ehemaligen Gefängnisses
Schwerer Stahl trennt Gefangene von Wärtern.
Schwerer Stahl trennt Gefangene von Wärtern.
Karge Zellenausstattung
Karge Zellenausstattung; ein Bett stand üblicherweise auch noch in einer solchen Zelle.

Und es enthält in Bereichen der ursprünglichen Wärter­unterkünfte ein Gefängnis­museum, welches neben Details zum Gefängnis­alltag und Berichten prominenter Insassen auch sehr interessante Informationen über die 19 Monate dauernde Besetzung der Insel durch die Gruppe „Indians of All Tribes“ („Indianer aller Stämme“) von November 1969 bis Juni 1971 enthält.

Indian Occupation of Alcatraz
Zur Besetzung der Gefängnisinsel 1969 durch native Americans gibt es im Gefängnis eine kleine Dokumentation.

Jeder Besucher kann auf der Insel bleiben, solange er möchte. Bedenke allerdings, bevor du die letzte Fähre verpasst: Die Bucht von San Francisco ist kalt, auch im Sommer. Es wird dort in den Nächten ziemlich ungemütlich und zugig.

Abschied von Alcatraz
Abschied von Alcatraz (Bild von Miro Nikolic)

Wir verlassen Alcatraz um etwa 15:00 Uhr, kommen wenig später wieder in San Francisco an und diskutieren unsere Eindrücke im Hardrock Cafe am Pier 39 bis in den frühen Abend. Die Atmo­sphäre ist super, die Musik auch. Wir stellen fest, wieviel (manchmal auch unpassende) Romantik doch in jedem von uns mitfährt.

Das Steak im Hardrock Cafe in San Franciscos Norden allerdings trübt die Stimmung: Es ist das schlechteste meines ganzen Lebens. Kaum Fleisch, dafür an jeder denkbaren Stelle von Flachsen durchzogen. Sensationell grauslich!

Die Golden Gate Bridge

Golden Gate Bridge
Golden Gate Bridge am frühen Morgen (Bild von Miro Nikolic)

Eine prächtige Ansicht in der aufgehenden Sonne, diesmal mit dem Golden Gate Bridge Welcome Center vor der Brücke. Nicht nur wegen der Farbstimmung extrem eindrucksvoll. Früh raus aus den Federn und laufen, nur dann gelingen solche Bilder!

Ein bisserl ´was geht immer: Es ist noch nicht dunkel. Die Golden Gate Bridge, die wir vom Schiff aus in der Ferne glitzern sahen, wollen wir noch besuchen. Die berühmteste Brücke von allen beginnt an der nordöstlichsten Spitze San Franciscos.

San Francisco Brückenübersicht
In der San Francisco Bay gibt es einige Brücken, von denen die Golden Gate die bekannteste ist. Innerhalb des Kartenausschnitts liegen die wichtigsten fünf Brücken. Im Norden der Bucht, außerhalb der angezeigten Karte, gibt es noch weitere Brücken.
© OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA
Open Street Maps findest du im Web unter www.osm.org und www.creativecommons.org

Sie „bewacht“ die Einfahrt zur San Pablo Bay im Norden und zur Francisco Bay, die südlich davon liegt, und führt von San Francisco zur Golden Gate National Recreation Area bzw. nach Sausalito.

Die Brücke kann mit dem Auto, per Rad, aber auch zu Fuß überquert werden und bietet bei schönem Wetter herrliche Blicke auf die Skyline von San Francisco und auf die Gefängnisinsel Alcatraz. Der Nebel ist in der Bucht allerdings Dauergast, sowohl früh morgens bis in den Vormittag hinein als auch spät nachmittags.

Golden Gate Bridge
Golden Gate Bridge: Happy Hour in San Francisco

Wir haben heute in zweierlei Hinsicht Glück: Erstens ist das Wetter prächtig, und zweitens fahren wir – hinaus aus der Stadt, aber auch zurück über die Golden Gate Bridge, ohne Maut zahlen zu müssen.

Dieses herrliche Bauwerk ist ob seiner Attraktivität nahezu „tot-fotografiert“. Trotzdem werden wir dir unsere fotografischen Impressionen nicht ersparen. Die Bilder stammen allerdings nicht alle von 2014, es sind auch welche von 2009 und 2010 dabei.

Golden Gate Bridge
Golden Gate Bridge ganz zeitig am Morgen (Bild von Miro Nikolic)
Golden Gate Bridge
Die Golden Gate Bridge ist hoch genug für schwere Frachtschiffe.
Golden Gate Bridge
Die Golden Gate Bridge gegen den Sonnenuntergang (Bild von Werner Hörhann)

Die Aufnahmen hier sind am sehr frühen Morgen oder abends entstanden. So siehst du die Golden Gate Bridge eher selten in Reiseprospekten.

Die Daten der Golden Gate Bridge

Die Brücke ist 2,7  km lang, 27,5 m breit und verfügt über sechs Fahrstreifen. Die Pfeiler sind jeweils 227 m hoch. Die tragenden Stahlseile haben einen Durchmesser von knapp 1 m! Die Golden Gate wurde von 1933 bis 1937 gebaut und verbindet die Halbinsel von San Francisco mit dem Marin County (Sausalito und Golden Gate National Recreation Area). Die Baukosten beliefen sich auf fast 37 Mio.  US-Dollar.

Die Golden Gate Bridge ist noch immer eine der längsten und sicher eine der schönsten Hängebrücken der Welt. Und zudem das Wahrzeichen von San Francisco. Täglich fahren mehr als 150.000 Fahr­zeuge über die Brücke, die zu den Haupt­verkehrs­zeiten stadt­einwärts bemautet ist. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens waren die Errichtungskosten bereits 1971 durch Mautgebühren wieder hereingeholt.

Golden Gate National Recreation Area

Map of Golden Gate National Recreation Aera
Die Golden Gate National Recreation Area ist ein großes, aber nicht zusammenhängendes Gebiet, das gut zweieinhalbmal so groß ist wie ganz San Francisco. Die in der Stadt selbst gelegenen Teile und die gleich nördlich der Golden Gate Bridge liegenden, findest du hier auf der Karte. Zu diesem Erholungsgebiet gehören aber auch wirklich riesige Flächen, die an die Karte links oben anschließend weit nordwestlich liegen. Sie hier zu zeigen, würde den Maßstab bis zur Unkennlichkeit verkleinern.

Entstehung

Die Golden Gate National Recreation Area wurde 1972 von Richard Nixon gegründet und ist ein weitläufiges Erholungsgebiet.

Dieses Erholungsgebiet besteht, bedingt durch seine Entstehungs­geschichte, interessanterweise nicht aus einer zusammenhängenden Fläche. Es erstreckt sich von Teilen des nördlichen San Mateo County bis zum Marin County im Süden und umfasst auch etliche Bereiche der Stadt San Francisco selbst.

Die Golden Gate National Recreation Area ist enorm groß, etwa zweieinhalbmal so groß wie die Stadt und das County San Francisco zusammen. Zum Park gehören unter anderem das Muir Woods National Monument, das Presidio of San Francisco und Alcatraz. Die Golden Gate National Recreation Area beherbergt über 1.200 Arten von Pflanzen und Tieren und besitzt eine Küstenlinie von insgesamt mehr als 90  km.

Der Golden Gate Park wiederum ist nicht Teil dieses Erholungsgebiets; Er wird von der Stadt San Francisco eigenständig verwaltet.

Als wir von der Golden Gate Bridge aufbrechen, ist es schon ziemlich düster. Keine gute Ausgangsbasis, um das große Erholungsgebiet im Norden San Franciscos und nordwestlich der Golden Gate Bridge zu erkunden.

Aber das passt schon, wir sind schließlich mehrere Reisende. Wir überlassen also den Frühaufstehern - Miro und Werner - diesen Teil der Reise. Sie besuchen den innerhalb San Franciscos gelegenen Bereich des Erholungsgebietes. Miro berichtet:

Wir wollen das Morgenlicht gleich nach dem Aufstehen, noch vor dem Frühstück, nutzen und machen uns diesmal mit leerem Magen auf den Weg, um Bilder, speziell Ansichten von der Golden Gate Bridge, einzufangen. Im goldenen Licht des Sonnenaufgangs glühen die roten Träger der Brücke besonders prächtig. Eines dieser Bilder kannst du weiter oben, im Kapitel „Golden Gate Bridge“, sehen.

Das eigentliche Ziel unserer nur knapp 20-minütigen Autofahrt am Vormittag ist aber die Südseite der Golden Gate National Recreation Area, zu der das Presidio mit Fort Winfield Scott, der Marina District, Fort Mason und auch das Cliff House nördlich der Ocean Beach gehören.

Kurz vor 6:30 am erreichen wir unser Ziel und rechnen eigentlich damit, an einem Werktag zu so früher Stunde die einzigen Menschen zu sein, die sich für das Highlight interessieren. Soweit es Touristen betrifft, die San Francisco zahlreich bevölkern, behalten wir recht.

Zu unserer Überraschung wird aber der Golden Gate Park, durch den wir uns zur Recreation Area vorarbeiten, von den Einwohnern San Franciscos als „Outdoor-Morgensport-Mekka“ genutzt, und so treffen wir auf Dutzende joggende, mountain­bikende oder walken­de Frisch­luftfanatiker.

Echte Wiener versuchen, jede übertriebene Morgenkommunikation zu vermeiden. Mit Fremden sowieso. Der typische Wiener pflegt gerne seine Grantlerlaune. Ganz anders der typische Kalifornier. Wir treffen überall blendend gelaunte Menschen, die alle, ohne Ausnahme und ganz unabhängig von Alter und Geschlecht, freundlich grüßen.

Überraschend viele von ihnen halten auch an, sobald sie unsere Stative sehen. Neugierig werden wir nach unserer Bildausbeute befragt. Hilfreiche Tipps, wo wir unter Umständen optisch noch attraktivere Locations finden können, erreichen unsere geneigten Ohren. Ein Erlebnis, das uns gelernte Mitteleuropäer fast sprachlos macht. Und so erhebt sich die Sonne nicht nur über den Horizont, der Sonnenschein erreicht auch unser Innerstes. Der Wiener Grantler hat heute keine Chance.

Golden Gate National Recreation Area
Nur der frühe Vogel fängt den Wurm. Boote im goldenen Licht der aufgehenden Sonne. (Bild von Miro Nikolic)

Am Nachmittag desselben Tages fahren wir an der nördlichen Seite der Golden Gate Bridge ins kurvige Hügel­gebiet an der Pazifikküste. Als Österreicher ist man auf das Befahren von Bergstraßen trainiert. Jede halbwegs gefährliche Strecke ist bei uns gut mit Leitplanken o.ä. gesichert, wenn auch in „Good Old Austria“ das eine oder andere Bergstraßerl bei Gegenverkehr durchaus eng werden kann.

Golden Gate National Recreation Area
Die Bilder dieses Abschnitts stammen aus dem nördlichen Teil der Golden Gate National Recreation Area, die von San Francisco aus nur über die Golden Gate Bridge erreicht werden kann, und wurden von Miro Nikolic beigestellt.

In Kalifornien erwarten wir ähnliche, wenn nicht sogar besser gesicherte Küstenstraßen. Schließlich sind die USA ein Land, dessen teils ausufernden Sicherheitsbestimmungen und -vorkehrungen in Europa schon als übertrieben gelten. Da wird es doch an ein paar Leitschienen nicht mangeln.

Golden Gate National Recreation Area
(Bild von Miro Nikolic)

Wir wechseln uns beim Fahren ab, wie Werner und ich schon vor Beginn unserer Reise vereinbart haben. Jeder von uns soll die Chance bekommen, als Beifahrer möglichst viel von Land und Leuten zu sehen. So sollen auch die Reisestrapazen so gering wie möglich gehalten werden.

Heute bin ich mit Fahren dran. Werner genießt die Perspektive vom Beifahrersitz aus. Was an sich nicht besonders erwähnenswert wäre. Aber wie das Schicksal so spielt: Ich habe einen ausgeprägten Respekt vor Höhe. Anders ausgedrückt: Scharfzüngige Menschen behaupten, ich hätte Höhenangst.

Die landschaftlich spektakuläre und in jeder Hinsicht sehenswerte Pazifik-Küstenstraße stellt sich aber an vielen Stellen gerade heute als nicht nur kurvenreiche und steile Straße über die Hügel der Golden Gate National Recreation Area heraus, sondern auch als eine äußerst enge. Leitplanken oder -schienen? Nur für Weicheier. Und in diesem Teil der Welt gibt es keine. Basta.

Golden Gate National Recreation Area
(Bild von Miro Nikolic)
Golden Gate National Recreation Area
(Bild von Miro Nikolic)

So führt jedes Ausweichen bei Gegenverkehr zu Adrenalin-Schüben in meinem Körper. Folgerichtig will das Schwitzen in den Handflächen trotz tadellos funktionierender Klimaanlage im Mietwagen niemals ganz aufhören. Ein Kick, der meine Erinnerung an die wunderschöne Landschaft noch heute deutlich am Leben erhält. Tage später wird mir dieser Kick am Rand des Horse­shoe Bends nochmals „an die Gurgel springen“, aber tausendfach stärker.

Was mich allerdings für alle Unannehmlichkeiten entschädigt, sind die grandiose Landschaft und, wenig später, die unglaublichen Ansichten bei untergehender Sonne. Stress pur, aber ich bereue trotz allem keine Minute.

Golden Gate National Recreation Area
Auf dem Rückweg begleitet uns die untergehende Sonne. (Bild von Werner Hörhann)
Golden Gate National Recreation Area
Abendsonne auf dem Rückweg bei Fort Winfield Scott. (Bild von Miro Nikolic)

Fort Winfield Scott

1769 besetzten die Spanier das Gebiet um San Francisco und errichteten 1776 die erste europäische Niederlassung mit einer Mission und einer militärischen Befestigung in diesem Gebiet. Fort Winfield Scott wurde, damals noch „Fort Point“ genannt, als westlicher Teil des Presidio kurz vor dem amerikanischen Bürger­krieg fertiggestellt. Die Lage war tief und so gewählt, dass Kanonen angreifende Schiffe nahe an der Wasserlinie treffen konnten. Heute wird es als „Fort Point National Historic Site“ vom National Park Service als Teil der Golden Gate National Recreational Area verwaltet.

Das Fort hat aber nicht nur einige Namensänderungen über sich ergehen lassen müssen, es hat auch sonst eine recht wechselhafte Geschichte: Am 19. Juni des Jahres 1912 wurde Fort Winfield Scott organisatorisch vom Presidio abgekoppelt und dazu ausersehen, die Küste als Artillerieposten zu schützen. Außerdem wurde es auch zum Artillerie-Hauptquartier des Districts von San Francisco bestimmt.

Fort Winfield Scott  beherbergte damals achtzehn ”Endicott Era”-Geschützstellungen, die in den Jahren von 1891 bis 1943 gebaut und betrieben wurden. Die Stellungen waren mit zwei bis sechszehn Geschützen bewaffnet und bemannt.

1922 wurde das Fort zum Hauptquartier der gesamten Küstenverteidigung für den Raum San Francisco und dessen Hafen. 1925 wurde es in „Harbor Defenses San Francisco“ umbenannt. Es kontrollierte fortan fast alle Forts in der Bay Area. Nur Presidio selbst und Fort Mason, nicht weit östlich davon, fielen nicht darunter.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Fort Scott, wie es damals hieß, wieder zu einem organisatorischen Teil des Presidio. Am 1. Juni 1946 wurde die U.S. Army’s Coast Artillery School von Monroe, Viginia, nach Fort Winfield Scott verlegt. Kurz darauf machten moderne Luftwaffe, Amphibienfahrzeuge und Atomwaffen die Küstenartillerie überflüssig, die Schule wurde samt den Geschützbatterien 1950 stillgelegt.


Ocean Beach und Cliff House


Wir fahren die Golden Gate Bridge wieder stadteinwärts nach Süden, durch das (und teilweise auch unter dem) Presidio zum Geary Boulevard. Dann zur weiter nach Süden führenden Point Lobos Avenue, die uns bis zum Cliff House im Norden der Ocean Beach bringt. 

Die Ocean Beach liegt an San Franciscos westlicher Küste und gehört zur Golden Gate National Recreation Area. Bevor der Great Highway am San Francisco Zoo vorbei nach Süden führt, erwischen wir herrliche Aus­blicke auf den Pazifik. 

Ocean Beach and Cliff House
Im Bild sehen wir Werner „bei der Arbeit“ sowie, hinten rechts oben, das Cliff House. (Bild von Miro Nikolic)

Die Geschichte vom Cliff House

Das Cliff House ist ein Restaurant am Ende der Point Lobos Avenue im äußersten Nordwesten von San Francisco. Es klebt förmlich auf einer Landspitze über den Klippen im Norden der Ocean Beach. Klingt nicht sehr aufregend. Aber die Geschichte des Hauses hat‘s in sich, die kann ich dir nicht ersparen: Seit 1858 hat das Cliff House nach fünf Wiederauferstehungen sozusagen bereits sechs seiner sieben Leben verbraucht.

Ein wohlhabender, ehemaliger Mormonenältester aus Maine, Samuel Brannan, kaufte 1858 um 1.500 USD das Bauholz eines vor den Basaltklippen gestrandeten Schiffes und baute damit gleich oberhalb des Fundortes das erste Cliff House. Hielt nicht lange.

Das zweite Cliff House wurde 1863 errichtet und an Captain Junius G. Foster vermietet. Es war damals noch ein weiter Weg von der kleinen Stadt hierher. Es verirrten sich hauptsächlich Reiter, Kleintierjäger (fachmännisch „Niederwildjäger“) und Tagesausflügler hierher, um sich zu laben. Aber die Öffnung der Point Lobos-Mautstraße (die heutige Geary Street) änderte alles. Jetzt rollte der Rubel bzw. der Dollar. Abge­sehen vom beginnenden Massentourismus profitierte das Cliff House auch von einer Rennbahn, die kurz danach in der Nähe errichtet wurde. Die Hütte war voll, nicht nur sprichwörtlich. Der immer größer werdende Golden Gate Park tat ein Übriges. Viele Ausflügler und Touristen besuchten die Seelöwen, die sich am Seal Rock sonnten, und wollten ebenfalls verpflegt werden.

Aber schnell kann‘s gehen: 1877 wurde die Maut­straße um 25.000 USD an die Stadt San Francisco verkauft. Das bislang so profitable Geschäft ging den sprichwörtlichen Bach runter.

Ein paar Jahre geschäftlichen Niedergangs später, 1877, kaufte Adolph Sutro das Cliff House. Er hatte die Belüftungs- und Entwässerungsprobleme in den Comstock Lode-Minen gelöst und war so zum Multimillionär geworden. Nach ein paar wenig aufregenden Jahren wurde das Cliff House 1887 durch eine gewaltige Dynamit-Explosion schwer beschädigt. Ein Schoner, die Parallel, lief unterhalb des Cliff Houses gegen die Klippen. Die Explosion war so gewaltig, dass sie noch hundertfünfzig Kilometer weiter gehört werden konnte. Sie zerstörte den Nordflügel des Gasthauses.

Das Gebäude wurde zwar umgehend renoviert, brannte aber 1894 völlig aus: Der Rauchfang war defekt. Doch es kam noch dicker: Der Manager des Hauses, J. M.  Wilkens, konnte das Gästeregister nicht retten. Dieses hatte die Unterschriften von drei Präsidenten und vieler weltberühmter Persönlichkeiten, die in den letzten 31 Jahren im Cliff House zu Gast waren, beinhaltet.

Adolph Sutro war reich, er baute 1896 bereits ein neues Cliff House: ein siebenstöckiges Schloss in Viktorianischem Stil, welches von manchen „Gingerbread Palace“ genannt wurde. Im selben Jahr begannen die Arbeiten an den später berühmten „Sutro Baths“ in einer kleinen Bucht unmittelbar nördlich des Restaurants.

Die Bäder umfassten sechs riesige überdachte Schwimmbecken, ein Museum, eine Eislaufhalle, und einige andere Freizeitattraktionen. Dicht gedrängt strömten die Besucher herbei. Das Cliff House überstand das Erdbeben von 1906 fast unbeschädigt, um 1907 bis auf die Grundmauern abzubrennen. Welch Ironie! Nur elf Jahre dauerte diese Episode im Leben des Cliff Houses.

Das von der Tochter Sutros, Dr. Emma Merritt, in neo-klassizistischem Stil wiederaufgebaute Restaurant war zwei Jahre später fertig. Es ist die strukturelle Basis des Cliff Houses, wie wir es heute noch bzw. wieder sehen können. 1914 beschrieb der Führer „Bohemian San Francisco“ das Cliff House als

one of the great Bohemian restaurants of San Francisco. … while you have thought you had good breakfasts before this, you know that now you are having the best of them all.

Im Jahr 1937 kauften George und Leo Whitney das Cliff House, um ihre „Playland-at-the-Beach“-Attraktionen zu ergänzen. Sie bauten das Cliff House ziemlich radikal zu einem „American Roadhouse“, also zu einem typisch amerikanischen, aber seelenlosen Rasthaus um. Vom neo-klassizistischen Stil blieb wenig, eher gar nichts übrig.

In den 1960ern, als Playland geschlossen wurde, verlegte man das Musée Mécanique ins Untergeschoß des Cliff Houses. 1977 wurde das Gebäude vom National Park Service übernommen und wurde Teil der Golden Gate National Recreation Area.

2003 wurden in einer groß angelegten Renovierungsaktion die meisten von den Whitneys vorgenommenen Um- und Zubauten wieder entfernt. Das Cliff House fand so größtenteils wieder zu der Erscheinung, die es 1909 gehabt hatte. Ein zweistöckiger Flügel wurde allerdings zugebaut, von dem aus man die Ruinen der Sutro Baths überblicken konnte (die Sutro Bäder waren 1909 vollständig ausgebrannt). Während der Restaurierungsarbeiten am Cliff House wurde das Musée Mécanique übrigens zum Fisherman’s Wharf verlegt, wo es heute noch am Pier 45 zu finden ist.

China Beach

Ebenfalls noch Teil der Golden Gate National Recreation Area innerhalb San Franciscos ist die China Beach. Dieser Strand in der kleinen, sehr versteckten und von Touristen kaum besuchten Bucht liegt zwischen Baker Beach und Lands End nahe der San Franciscos Sea Cliffs. Sie hieß früher „James D. Phelan State Beach Park“ und bietet einen der sauber­sten Strände im ganzen Staat. Die China Beach ist von Mauern umgeben, die früher das Camp chinesischer Fischer schützten.

Von der China Beach bietet sich ein atemberaubender Blick auf die Golden Gate Bridge. Und es gibt auch hier ein, allerdings eher unbedeutendes, Haus oberhalb der Klippen. Dort zu schwimmen ist eher nicht zu empfehlen, aber bei Ebbe kannst du einige Gezeitentümpel entdecken.

China Beach
China Beach mit Blick auf die Golden Gate Bridge

Heute Abend wird der Strand zur Kulisse für Familienfotos. Professionelles Equipment, mobile Blitzanlage samt Reflektor, Träger inklusive.

China Beach
Zunächst noch Lagebesprechung und Set­up, danach wird es ernst.
China Beach
Offensichtlich ist die China Beach auch als Location für Familienfotos gefragt.

Sausalito

Ja, Sausalito gehört eigentlich nicht zu San Francisco. Eigentlich, aber als beliebtes Ausflugsziel für die Bewohner der großen Stadt im Süden irgendwie doch.

Sausalito ist heute eine kleine, freundliche Stadt mit nicht einmal 7.500 Einwohnern im Norden der Bucht von San Francisco. Während der Zeit der Prohibition war Sausalito ein beliebter Ort bei Rum-Schmugglern. „Romantik pur“ würden wir heute sagen. Ich bin aber überzeugt, dass das Leben damals weit weniger romantisch war als wir uns das heute ausmalen.

Sausalito
Unten alles, was Touristen begehren, an den Hängen oben wird gewohnt.

Derzeit ist Sausalito wegen seiner Lage nahe San Francisco am nördlichen Ende der Golden Gate Bridge für Touristen ein recht beliebtes Ausflugsziel.

Ein schmales Straßerl führt direkt von der Autobahnabfahrt auf einen Hügel mit einem Aussichtspunkt, der einen schönen Ausblick über die Bucht von San Francisco und auf die Golden Gate Bridge bietet.

Auch über den Wasserweg kommen viele Touristen nach Sausalito. Fähren fahren mehrmals täglich zwischen dem Hafen Sausalitos und San Francisco. Pier 39 und das Ferry Building an der Straße The Embarcadero („Die Landungsbrücke“) sind die Ablegestellen.

Sausalito
Auch Fracht- und Fischewrboote legen in Sausalito an.

Touristisch recht attraktiv sind in Sausalito die Hausbootkolonie und die daneben verlaufende Promenade, die mit Geschäften und Restaurants gespickt ist. Dort hast du auch einen guten Blick auf Alcatraz Island und die Skyline von San Francisco.

Wir schaffen es erst am Spätnachmittag, Plätze auf einer der Fähren zu ergattern. Und wir haben Glück. Nicht so sehr mit „unserer“ Fähre, die schon gefährlich an- und an einigen Stellen auch bereits durchgerostet ist, aber immerhin Glück, damit unbeschadet Sausalito zu erreichen. Okay, Rettungsreifen sind ein paar an Bord, aber weder deren Anzahl wie auch deren Zustand sind wirklich beruhigend. Um 6 pm legen wir endlich in Sausalito an.

Sausalito
Gastronomie ist in Sausalito schon der zahlreichen Touristen wegen stark vertreten. Auch an Land.
Sausalito
Wo nicht Restaurants auf Kundschaft warten, zeigen Geschäfte, was sie anbieten.

Viel Zeit bis zur Rückfahrt bleibt uns nicht. In nicht einmal zwei Stunden müssen wir die Fähre zurück erreichen. Wenn nicht, dann wird’s ungemütlich. Im September sind die Nächte in der Bay schon recht kalt.

Sausalito
Links im Hintergrund das Restaurant, in dem wir uns laben.

Die Hausbootkolonie ist zwar nicht gerade spektakulär, aber doch sehenswert. Um die Jahrhundertwende, um 1900, verankerten viele Bewohner San Franciscos hier in der Gegend ihre Boote als eine Art Wochenend- bzw. Sommerdomizil. Sie kamen mit Ruderbooten zu ihren schwimmenden Häusern, benötigte Vorräte wurden regelmäßig per Schiff geliefert. Sogar einige Clubs etablierten sich auf größeren Booten.

Sausalito
Gut lässt sich’s auch auf den Hausbooten leben: Wachhund bei der Arbeit.

Beim Erdbeben von 1906, das große Teile San Franciscos zerstörte, verloren viele der Wochenendurlauber ihre Stadthäuser und –wohnungen und zogen notgedrungen in ihren Zweitwohnsitz, ihr Hausboot, um.

In den 1960ern lernten einige Künstler die unkonventionelle Art, zu wohnen, schätzen und zogen ebenfalls zu. Jeder machte, was und wie er wollte. Es entwickelte sich ein regelrechtes Chaos, das Hausboot-Wohnviertel sandelte richtiggehend ab. In den 1970ern zog die Stadtverwaltung von Sausalito die Notbremse. Sie organisierte das Viertel und baute elf Docks für schwimmende, nicht seetüchtige Hausboote. Die meisten Hausbootbesitzer zogen in die Docks um. Die wenigen „Wilden“, die sich „aus Freiheitsliebe“, wie sie es nannten, widersetzten, werden nach einigen Auseinandersetzungen mittlerweile toleriert.

Wir spazieren noch ein wenig entlang der Promenade, schauen in ein paar Schaufenster und genießen die Aussicht auf San Franciscos Skyline. Aber der Hunger macht uns jetzt doch zu schaffen. Wir suchen, wir finden. Im Hafen liegen nicht nur Hausboote. Ein nettes Restaurant ist gleich zur Hand. Oh ja, das geht sich gerade noch aus.

Sausalito
Das Restaurant am Strand, in dem wir unseren Flüssigkeitsspielgel wieder in Ordnung brachten. Dahinter ein traumhafter Blick auf die Skyline von San Francisco.

Danach ab zum Pier, wo die Fähre schon in Sichtweite ist.

Sausalito
One Night in Sausalito

Der Abend ist milder als gedacht, die Rückfahrt sehr angenehm. Unterwegs noch ein schneller Blick auf die Oakland Bay Bridge.

Oakland Bay Bridge by Night
Bei der Rückkehr von Sausalito gut zu sehen. Leider musste ich mir wegen mangelnder Schärfe der Originalaufnahme in diesem einen Fall von einer KI bei der Bildverbesserung helfen lassen. Das Bild entspricht trotz aller KI exakt dem Original, ist nur nicht mehr so verrauscht und deutlich schärfer.

Als uns San Franciscos Clubs am Fisherman’s Wharf mit ihren Lichterketten begrüßen, ist das Abenteuer Sausalito auch schon vorbei.

Fulton Street

Wir wollen heute zum Golden Gate Park. Zu Fuß, versteht sich. Auf dem Weg dorthin liegt der Alamo Square, an dessen einer Seite die Painted Ladies, ein Ensemble berühmter viktorianischer Häuser, steht. Auch denen wollen wir unsere Aufwartung machen. Vom Oasis Inn in der Franklin Street führt der logi­sche Weg über die Fulton Street.

Wir frühstücken diesmal bei Mel’s Drive-In in der Van Ness Ecke Geary. Mit ausgesprochen charmanter Bedienung. Doppelter Espresso vom Feinsten. Ich muss eine Lanze für die amerikanische Gastronomie brechen: Nur ein einziges Mal in diesem Jahr war der Kaffee, so labbrig wie ihn Deutsche, unsere heißgeliebten nördlichen Nachbarn, mögen. Ansonsten immer pipifein, die Amerikaner lernen dazu, zumindest an der Westküste, das sollten wir anerkennen.

Fulton Street
Die Fulton besteht nicht nur aus viktorianischen Häuser. Zwischen Buchanan und Webster findet sich auch Gebäude von industriellem Zuschnitt, bemalt von allzeit bereiten Graffiti-Malern.
Fulton Street
Ab der Webster Street Richtung Westen schmücken Viele schmale Häuser aus der viktorianischen Ära die Fulton Street.
Fulton Street
Fulton Street
Fulton Street
Mitten in der Stadt: Ein Kolibri delektiert sich an den Blüten einer Fuchsia. Bei seinem Flügelschlag hilft auch keine noch so kurze Belichtungszeit.

Danach schlendern wir südlich bis zur Fulton. Jetzt beginnt der Fußmarsch. „2400 Fulton Street“ nennt sich ein Album von Jefferson Airplane. Das Haus an dieser Adresse, ein bemerkenswertes, neo-klassizistisch angehauchtes Gebäude mit „altgriechischen“ Säulen Ecke Willard North, findet sich zwar noch lange nicht am Ende der Fulton, aber wenigstens bereits am östlichen Ende des Golden Gate Parks.

Aha, die Fulton ist wirklich lang!

Sie führt von der Van Ness Avenue entlang des Golden Gate Parks bis zur Ocean Beach. Der Weg, den wir vor uns haben, wird zäh. Das wissen wir also diesmal im Vorhinein. Zumindest glauben wir das jetzt noch, denn wir überschätzen die Präzision der Straßenkarte.

Fulton Street nahe Alamo Square
Beim Alamo Square bietet sich in der Fulton Street auch ein toller Blick über weite Teile San Franciscos.
Fulton Street
Die Farbe hatte Königin Victoria noch nicht im Sinn.
Fulton Street
Alt neben neu

Es wird also wieder ein Wandertag für Erwachsene quer durch San Francisco. Zwar sind es heute nur insgesamt etwa 15 km, die wir zurücklegen. Aber 7 Stunden reine Gehzeit, gefühlt stetig bergauf, schlauchen auch ganz schön.

Ja, da weißt du, warum du abends müde ins Bett fällst. Was wir hier im Südwesten der USA in zwei Wochen schwitzen, schaffen wir im Fitnessstudio in drei Monaten nicht. Daniela, unsere Physiotherapeutin und Trainerin, wird stolz auf uns sein.

Als erste Attraktion ist der Alamo Square mit seinen viktorianischen Bauten von Weltruhm geplant. Aber schon am Weg dorthin, z.B. in der Fulton, aber auch in allen Querstraßen, ist Queen Victoria allgegenwärtig. Ein Traum für jedes Auge, aber: Man möge doch bitte die Autos entfernen und die elendigen Elektroleitungen kreuz und quer über alle Straßen wenigstens an den Wochen­enden verräumen! Ich gebe zu, bei der Bildbearbeitung habe ich dort und da nachgeholfen, den Eindruck zu erreichen, den du wirklich hast, wenn du vor Ort bist. Denn den Elektroverhau siehst du, wenn wir mal Locations wie den Russian Hill (siehe oben) ausblenden, nach einem Tag San Francisco gar nicht mehr.

Fulton Street
Zusammen sind wir stark.

Wir ersparen uns jetzt, den Alamo Square und auch den Golden Gate Park zu beschreiben, die beide eigene Kapitel im Anschluss haben. Nur so viel: Bereits der Hinweg ist mühsam, der Rückweg noch viel mühsamer. Aber einen kurzen Abstecher zur

Fell Street

möchte ich noch erwähnen. Drei Straßen weiter südlich parallel zur Felton zeigt sie, dass viktorianische Bauten überall in der Gegend die Normalität sind:

Der Weg zurück zu unserem Hotel ist vor allem eindeutig länger als der am Vormittag. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass wir den Vermerk auf unserer San Francisco-Karte

Aera west of Divisadero Street is NOT to scale!

erst jetzt so richtig bemerken. Da dürfte irgendeinem Drucker wohl das Papier ausgegangen sein. Also sind die Häuserblöcke in dem Bereich deutlich länger als auf der Karte ersichtlich. Und da erschienen sie uns wahrlich schon lange genug.

Fulton Street nahe Alamo Square
Die Fulton Street ist lang, sehr lang.

Wie auch immer, die Kamera zerrt an meiner rechten Hand, meine Brustwirbelsäule beginnt, mir ernsthafte Warnungen zu senden. Flüssigkeitszufuhr ist ebenfalls dringend erwünscht. Das vom Hotel aus mitgenommene Wasser hat schon den Strawberry Hill im Golden Gate Park (siehe unten) nicht mehr gesehen.

Wir wissen, dass auf der Fulton bis zur Franklin, wo unser Hotel auf uns wartet, keine Sitzbank, keine Erfrischung und schon gar kein Essen für uns bereitstehen.Wir biegen daher nach Norden ab. Wie zwei verdurstende Wüstenfüchse kriechen wir die Franklin hoch bis zur Eddy, einen Block weiter nach Osten kennen wir ein „Round Table“, in dem wir morgen früh­stücken werden.

Beim Eintritt spüren wir sofort: keine Klima­anlage. Selten in San Francisco und Umgebung, aber auch schon egal. Aber es wird trotz der Hitze gekocht und gebacken, was das Zeug hält. Meine Frau bestellt nach langen Überlegungen eine Pizza Hawaii und ergattert mühelos einen Sitzplatz. Wir trinken und warten auf die Pizza. Als die kommt, sind wir positiv überrascht. Knuspriger Boden, flaumiger Teig, ausgezeichneter Belag. Und schmackhaft das Ganze!

Ein erstaunlich guter Abschluss eines erstaunlich anstrengenden Tages.

Golden Gate Park

Die Entstehungs­geschichte

Geplant wurde der Golden Gate Park bereits ab 1860 und errichtet ab 1870 im Westen der Stadt, auf Land, welches man damals für ohnehin unbewohnbar hielt. Zunächst war der Golden Gate Park nicht sonderlich attraktiv, ein Park wie viele andere auch, aber sogar größer als der Central Park in New York.

Im Laufe der 1870er Jahre wurde der Park von William Hammond Hall – später der erste „State Engineer of California“ -, der den Park bereits in den 1860ern geplant hatte, umgestaltet. Seither bezaubert der Golden Gate Park mit künstlichen Bächen und Seen, einer Insel, einem Wasserfall und auch einer abwechslungsreichen Vegetation, die ihn heute als natürlich gewachsen erscheinen lassen.

Nach der vormittäglichen Kurzvisite am Alamo Square biegen wir nach Süden ab, bis wir auf die Fell Street treffen, die sich optisch kaum von der Fulton unterscheidet. Dort geht es weiter zum Panhandle, durch den wir den Park betreten.

Panorama von San Francisco
Auch hier gut zu sehen: ein Hügel neben dem anderen.

Dieser Panhandle („Pfannenstiel“) ist eine breite Grünzone, die sich etwas asymmetrisch an den Golden Gate Park, einer der riesigen grünen Lungen von San Francisco, anschmiegt.

Dahinter, wir haben schon Blasen an den Füßen, liegt endlich der Golden Gate Park, geöffnet von 5 am bis Mitternacht. Er breitet sich zwischen Fulton Street im Norden und Lincoln Way im Süden aus und misst etwa 5 km mal 800 m. Der Golden Gate Park von San Francisco ist einer der größten innerstädtischen Parks weltweit und auch deutlich größer als der viel berühmtere Central Park in New York. Wenn du länger in San Francisco bleibst, solltest du ihn unbedingt besuchen.

Der Golden Gate Park ist ein beliebtes Erholungsgebiet für gestresste Städter.
Der Golden Gate Park ist ein beliebtes Erholungsgebiet für gestresste Städter.

Das erste Bauwerk, auf das wir treffen, ist die McLaren Lodge. Unweit davon, allerdings auf der linken Seite des John F. Kennedy Drives, der sich bis zur Ocean Beach durch den Park schlängelt, liegen bereits Spielplatz, Tennisplätze, Stadion und vieles mehr.

McLaren Lodge im Golden Gate Park
Die McLaren Lodge ist eines der ältesten Gebäude des Parks und beherbergt heute das Hauptquartier der Parkverwaltung. Benannt ist sie nach ihrem Erbauer, John McLaren, der auch erster Superintendent des Golden Gate Parks war.

Neben den vielen verschiedenartigen Pflanzen und Bäumen, die das Herz des Naturfreundes erwärmen, gibt es im Golden Gate Park nämlich auch für Sportliebhaber viele Möglichkeiten, ihrem Vergnügen nachzugehen. Frisbee-Teams wetteifern miteinander, Basketballer stopfen die Körbe, Kinder spielen. Weiter Richtung Westen gibt es auch ein Polofeld und einen öffentlich zugänglichen Golfplatz.

Koret Children's Playground, Golden Gate Park
Koret Children’s Playground: Spielen, was der (Beton-) Felsen hergibt.

Es finden im Golden Gate Park aber auch Hochzeiten und andere Feste statt. Direkt unter freiem Himmel auf dem Rasen.

Kleine und größere Seen sorgen für angenehmes Klima. Der Strawberry Hill, der „Erdbeerhügel“, macht sich als Insel im Stow Lake, auf dem Tret- und andere Boote herumfahren, wichtig. Soweit zum reinen Vergnügen. Unweit der malerischen Brücke dann allerdings das „hässliche Gesicht“ der vermeintlich heilen Naturlandschaft: Dick schaumige Abwässer stehen dort, wo Tou­risten selten hinsehen.

Die Brücke über den Stow Lake zum Straw­berry Hill
Trügerische Idylle: Die Brücke über den Stow Lake zum Straw­berry Hill.
Abwässer bei der Brücke über den Stow Lake zum Straw­berry Hill
Aber nur wenige Meter weiter, gut versteckt, unglaublich verschmutzte Abwässer.

Auch Kulturbesessene kommen im Golden Gate Park auf ihre Kosten. Dort ist eine ganze Reihe an bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten der Stadt versammelt. Das „M. H. de Young Memorial Museum“ finden wir beispielsweise hier. Das „Conservatory of Flowers“, ein im viktorianischen Stil erbautes Gewächshaus, bietet nicht nur für Fotografen attraktive Veranstaltungen, sondern auch Workshops, die praktischen Umgang mit verschiedenen Pflanzenarten lehren.

Das japanische Teehaus im Golden Gate Park
Das japanische Teehaus im Golden Gate Park; es beeindruckt auch mit seinem Garten.

Dann sind da noch der unglaublich beein­druckende japanische Teegarten und die „California Academy of Sciences“, deren luftige Glaskonstruktion schon optisch eine ganze Menge hergibt.

California Academy of Science, Haupteingang
California Academy of Science, Haupteingang
Die California Academy of Sciences
Die California Academy of Sciences mit ihrer luftigen Glasfassade

Alamo Square & Painted Ladies

Wir drehen um, nachdem wir etwa zwei Drittel des Golden Gate Parks durchwandert haben. Vielleicht steht die Sonne jetzt besser am Alamo Square. Am Vormittag, beim Hinweg zum Golden Gate Park, hatten wir diesbezüglich wenig Glück.

Also die Fulton wieder nach Osten. Aber wo bleibt der Alamo Square? Nach weiteren gefühlten 20 km ist er doch noch dort, wo wir ihn vormittags verlassen haben.

Map of San Francisco-Alamo Square bis Twin Peaks
Zur Orientierung hier wieder mal ein Kartenausschnitt des nordwestlichen San Francisco, damit du die die hier besprochenen Sehenswürdigkeiten und Locations besser zuordnen kannst.
© OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA, Open Street Maps findest du im Web unter www.osm.org und www.creativecommons.org

Der Alamo Park ist ein ziemlich großer Hügel, fast so zentral im Norden San Franciscos gelegen wie Haight-Ashbury, grün und mit Spazierwegen durchzogen. Selbstverständlich in seinen Dimensionen nicht mit dem Golden Gate Park vergleichbar, aber doch ein für unsere Begriffe recht ausladender Park.

Alamo Square

Hey You! ONE Side!

röhrt ein Hirsch von Radfahrer. Ja, Radfahren ist in, nicht nur, aber mittlerweile auch, in San Francisco. Zahlreiche Radwege laden ein. An Rädern sehen wir eine große Vielfalt hauptsächlich teurer Rennräder mit Carbon-Felgen und edelsten Airbrush-Bemalungen, Scott, das Feinste vom Feinsten. Wenige „Normalos“ sind unterwegs, die meisten Biker hier leben ihren Sport – intensiv und notfalls rabiat.

Tatsächlich: Jetzt, in der „blauen Stunde“, die Sonne von Westen, sieht die Lage für Fotografen schon viel besser aus als noch wenige Stunden vorher. Ja, das werden endlich Bilder, die ich mir schon am Vormittag erhofft hatte.

Alamo Square
Der Ausblick vom Alamo Square Park über die Stadt in Richtung Nordost bis Südwest ist wirklich atemberaubend.
Die noch deutlich größeren Grünflächen des Buena Vista Parks, des Corona Height Parks oder gar der Forest Knolls liegen allerdings zu weit westlich, um von hier aus gesehen werden zu können.
Alamo Square
Die Painted Ladies am Alamo Square

Die „Painted Ladies“ liegen vor uns im schönsten Abendlicht.

Painted Ladies

Der Begriff „Painted Ladies“ war ursprünglich ein Slang-Begriff aus dem 19. Jahrhundert. Er bezeichnete damals Prostituierte, die sich durch auffällige Schminke von den Damen der Gesellschaft abhoben.

Die Painted Ladies hingegen, die wir heute meinen, sind in überwiegender Mehrzahl viktorianische, jedenfalls aber zwischen 1849 und 1915 erbaute Holzhäuser in San Francisco, die ab den 1960ern mehrfarbig gestrichen wurden.

Die Painted Ladies am Alamo Square
Steiner Street 710–720: Die Painted Ladies

Mit der Bemalung in mehreren Farben wollte man hauptsächlich architektonische Details betonen. Wiewohl auch zu Zeiten Königin Victorias durchaus bereits mehrfarbig gestrichene Häuser in Mode waren, so haben die seit den 1960ern verwendeten Farben bzw. Farbkombinationen nichts mit den ursprünglichen historischen Vorbildern zu tun.

Die Villen an den Adressen 710–720 Steiner Street am Alamo Square wurden in den Jahren 1892 bis 1896 errichtet. Der Architekt, Matthew Kavanaugh, wohnte damals gleich nebenan, im Herrensitz auf 722 Steiner Street.
Die auffällige Bemalung solcher Häuser wiederum startete 1963, als der Künstler Butch Kardum begann, sein viktorianisches Haus in intensivem Blau kombiniert mit einem ebenso grellen Grün neu zu streichen.

Die Welle der Kritik, die ihm entgegenschlug, war groß. Aber einigen Nachbarn gefiel die farbenfrohe Bemalung, und sie ahmten sie nach. Bis in die 70er hinein hatte die Bewegung „Colorist Movement“ ganze Straßen und Stadtviertel verändert. Und sie dauert bis heute an.

710–720 Steiner Street: Die Painted Ladies
Die Painted Ladies. Gleich links anschließend: 725 Steiner Street, der Wohnsitz des verantwortlichen Architekten, Matthew Kavanaugh.

Die Painted Ladies am Alamo Square, die zu den eher zurückhaltenden Vertreterinnen ihrer Art gehören, zählen heute zu den am häufigsten fotografierten Attraktionen der Stadt San Francisco.

Twin Peaks

Twin Peaks, mitten in San Francisco, gleich am westlichen Ende der Market, muss einfach sein. Mörderische Aussicht. Die TV-Serie seinerzeit ist an mir spurlos vorbeigegangen, hatte aber ohnehin nichts mit San Franciscos Twin Peaks zu tun. Das meint offenbar auch das Navi. Bei Eingabe von „Twin Peaks (Vista Point)“, lässt es uns weit vor den Gipfeln einfach stehen und behauptet steif und fest, wir wären da. Ich mag ja kurzsichtig sein, aber das doppelbusige, 279 m hohe Hügelmonster oberhalb von mir erkenne ich gerade noch. Da muss doch auch ein Weg hinaufführen.

Der „Postman“ schickt uns in eine Richtung, die „Lady with dog“ in eine andere. So geht’s dahin, wir haben mittlerweile ein und denselben Punkt mehrmals erreicht. Aber wir sind noch immer weit unterhalb des Ziels. Die Straße, die nicht auf den Gipfel führt, kennen wir schon in- und auswendig. Nette Wohngegend, würden wir meinen. „Mir brauch‘n kane Touristen net!“

Endlich der rettende Hin­weis eines Einwohners: Wir müssen wieder hinunterfahren und uns dann immer links, also scheinbar von unserem Ziel weg, halten. Klingt komisch, ist aber so.

Panorama von San Francisco
Den besten Blick auf San Francisco bekommst du von den Twin Peaks.

Von oben gesehen liegt San Francisco nun vor unseren Füßen. Unglaublich schöner Blick bis hinein in die Bay. Aber nicht mal da oben hat man Ruhe vor diesen kreischenden GOcars.

Panorama von San Francisco
Auch hier gut zu sehen: ein Hügel neben dem anderen.
Panorama von San Francisco
Du liebst endlos breite Panoramen? Dann bist du auf den Twin Peaks richtig.
GOcar
Wo immer sie auftauchen, nerven sie durch ihr permanentes Kreischen.

Haight-Ashbury

Und nun zum wirklich Buntesten, was San Francisco zu bieten hat. Next Stop Haight-Ashbury, nur fünf Auto­minuten nördlich Richtung Golden Gate Park. Ein Viertel mit Tradition, benannt nach der Kreuzung der Straßen Haight und Ashbury. Der Regenbogen steht nicht ohne Grund an dieser Stelle. Da geht die Post ab!

1448 Haight Street
Head Rush auf 1448 Haight Street: Eine Tabak-Trafik mit erweitertem Angebot und psychidelischer Schaufensterwerbung
1452 Haight Street
Piedmont Boutique auf 1452 Haight Street
Gypsy Streetwear
Gypsy Streetwear auf 1399 Haight Street, Ecke Masonic Avenue

Hier in San Francisco, in Haight-Ashbury, war Ende der 1960er und Anfang der 1970er der Teufel los. „Blumenkinder“ und Hippies aus aller Welt, zumindest diejenigen, die diese Welt verändern wollten, trafen sich hier. Janis Joplin wohnte hier. Die Musiker von The Grateful Death und Jefferson Airplane lebten hier, Jimmy Hendrix schrieb ein Lied für seine Freundin, die hier wohnte. Der „Summer of Love“ war allgegenwärtig. Und ist es heute noch.

The Cannabis Company
„Come say high!“ Die Cannabis Company auf 1334 Haight Street lockte damals mit einem Augenzwinkern.

Marihuana und LSD, Kommunen, Rockkonzerte im benachbarten Panhandle (siehe im Kapitel „Golden Gate Park“) bestimmten Träume und Leben der Menschen. Die Protestbewegung für eine friedliche Veränderung der Gesellschaft war ein echter Meilen­stein, auch wenn dieser heute wieder im allgemein um sich greifenden Egoismus zu zerbröseln scheint.

In der Haight Street spürst du heute noch den Geist dieser Zeit.

If you’re going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair…

Allerdings gehst du dort wie durch ein Hippie-Museum. Bunte, in den Farben der Blumenkinder gestrichene Häuser streiten mit ebenso schrillen Lokalen um Anerkennung. Shops mit „New and Refreshed Clothing“ in absolut originalem Siebzigerjahre-Look und neumoderne Boutiquen liegen Seite an Seite. Auch Tätowieren und Piercing scheinen in Haight-Ash­bury groß in Mode zu sein.

1400 Haight Street
Love on Haight auf 1400 Haight Street, direkt an der Kreuzung zur Masonic Avenue
Haight Street Market
Bekannt und beliebt: der Haight Street Market aif 1530 Haight Street, zwischen Clayton und Ashbury Street, heißt 2026 Gus’s. Auch Jimi Hendrix an der Hauswand des Jimi Hendrix Red House gleich daneben hat den Besitzerwechsel gut überstanden.

Übriggebliebene Alt-Hippies ziehen durch die Haight Street. Dass Kalifornien Marihuana freigegeben hat, ist bekannt? Dir nicht? Den Leuten in der Haight schon. Ganz eindeutig.

The Higher Consciousness auf 1597 Haight Street
Alles, was Pflanzen an Bewusstseinserweiterung hergeben.
Central Avenue
Die Central Avenue verläuft wie die Ashbury Street, allerdings am östlichen Rand dieses Viertels, bereits nahe dem Buena Vista Park.

Nicht nur die vielen Mari­huana-Shops belegen das; „Products of California!“ versprechen die Auslagen. Auch die vielen sonnig gestimmten Wesen, die dort frei in Zeit und Raum zu schweben scheinen, zeigen deutlich, dass Kiffen das Grinsen sehr breit macht.

Ein Radfahrer mit einem „Brakeless Bike“ kommt laut schreiend die Ashbury herunter

I’ve got no brakes!

und biegt kreischend in die Haight ein.

Misiõn de San Francisco Asís

Anders sieht es bei der alten Mission in der Dolores Street aus. Dort allerdings ist Suchen angesagt. Wir richten uns zunächst nach einem Stadtplan im Reiseführer. Tja, war wohl nichts. Die Mission wird auch nicht im Navi angeboten. Macht nichts. Das ist der Moment, in dem ich mich mit meinen überschäumenden Sprachkenntnissen an das gemeine Volk richte.

Ein Greißler fragt zurück, ob ich die Kirche meine. Ja, ich denke schon, eine Kirche wird wohl dabei sein. Also dann…

Globetrotter's Meditation
Ein Weltreisender sitzt vollkommen entspannt vor der Kirche und genießt seine Zigarre.

Doch es gibt sooo viele Kirchen in San Francisco, man sollte es nicht glauben. Dass erst der fünfte Hinweis der dort Einheimischen zum Ziel führt, spricht nicht für das historische oder geografische Interesse der Bevölkerung.

Denn so unbedeutend, wie die Einwohner des Viertels tun, ist die Mission wieder auch nicht: Immerhin ist die „Misiõn de San Francisco Asís“ (auch „Mission Dolores“) in der Dolores, Ecke 16th Street, das älteste noch existente Gebäude in ganz San Francisco.

Misiõn de San Francisco Asis
Wieder einmal, diesmal bei der Mission Dolores, zeigt uns Kalifornien einen seiner besonderen Himmel. Solche Wolkenformationen haben wir tatsächlich erstmals in Kalifornien, im Death Valley, gesehen.
Misiõn de San Francisco Asis
Beide Türme sind in den oberen Teilen reich verziert.

Und hier finden wir auch noch „El Camino Real“, den „Königsweg“. Er war bei seiner Errichtung 970 km lang und verband die spanischen Missionsstationen in Kalifornien miteinander.

El Camino Real
„El Camino Real“, der „Königsweg“

Heute wird oft nur mehr die Strecke zwischen der Mission San Diego de Alcalá in San Diego und der Mission San Francisco Solano in Sonoma so genannt, also der Teil, der sich auf dem Boden des aktuellen Bundesstaates Kalifornien befindet. Tatsächlich begann der Weg aber ursprünglich auf dem südlichen Teil der Halbinsel Baja California im heutigen Mexiko, bei der „Misión San Bruno“ in San Bruno, von der heute nur mehr Ruinen stehen.

Die Misiõn de San Francisco Asís, vor der wir stehen, strahlt in voller Pracht, als hätte sie sich speziell für uns herausgeputzt. Zum Ausgleich dafür, dass wir so lange nach ihr suchen mussten. Sie ist aber auch ziemlich aufwändig restauriert und in ihrer Gesamtheit ungemein beeindruckend.

Misiõn de San Francisco Asis
Beide Türme sind in den oberen Teilen reich verziert.

Die Mission High School ist es nicht minder. Alleine die Verzierungen an der Außenfassade würden bei uns zu Hause für ganze Stadtviertel reichen. Hier sitzen und über den Sinn eines „Lebens danach“ grübeln…

Mission High School
Der Haupteingang der Mission School macht schon was her.
Mission High School
An der Fassade befinden sich prachtvolle Verzierungen.
Mission High School
Mögen die Mission und die Mission High School bei den Einheimischen nicht sonderlich bekannt sein, bis zu den Fahrern der Touristenbusse hat sich die Adresse schon herumgesprochen.

Wir grübeln hingegen in einem kleinen Cafe in der Nähe, das sich „Maxfield’s“ nennt. Junge Leute und „Free WiFi“, eh klar.

Maxfield's
Maxfield’s House of Caffeine

Abends noch einmal Round Table Pizza. Am Abend kannst du sehen, wie finstere Gesellen in schwarzen Autos hellhäutigen Joggern verschämt Säckchen reichen, die diese sorgfältig verstauen, bevor sie weiterziehen. Wer braucht da noch Film und TV? Wir sind nun echt abgefüllt und haben sogar noch Pizza fürs Frühstück übrig.

Contemporary Jewish Museum

Standort San Francisco, 736 Mission Street, knapp südlich der Market. Eines der ungewöhnlichsten Museen, die ich bisher gesehen habe. Wie von Riesenhand hingeworfene Würfel, „angelehnt“ an den historischen Gebäudekern. Diese Würfel wurden von der A.  Zahner Company aus dunkelblauem, rostfreiem Stahl gebaut.

Contemporary Jewish Museum
Zur Abrundung des San Francisco-Besuchs noch ein Schmankerl: das Contemporary Jewish Museum.

Daniel Libeskind hat den 5.900 m² großen historischen Kern des Museums, das 1881 erbaute Umspannwerk der ehemaligen Pacific Gas & Electric Jessie Street Substation, eingerichtet. Er ist auch für den hypermodernen Anbau verantwortlich.

Contemporary Jewish Museum
Wie zufällig hingeworfen liegen die Stahlwürfel des Contemporary Jewish Museum.

Dieses jüdische Museum im Kulturviertel Yerba Buena bietet sich als vitales Gemeinschaftszentrum der hebräischen Kultur, Geschichte und Ideen an, in dem sich Menschen aller Alters- und Bevölkerungsgruppen treffen können, um verschiedenste Perspektiven zu teilen und zu genießen.

Contemporary Jewish Museum
Bürotratsch im Schatten der Würfel.
Contemporary Jewish Museum
Auch andere Ansichten des Museums, die nicht weniger interessant sind.
Contemporary Jewish Museum
Interessante Spiegelung eines Teils des Museums.

Hier existiert, im Gegensatz zu den meisten Museen dieser Welt, keine permanente Sammlung. Es wirkt als Kurator und Gast­geber für eine breite Palette an Ausstellungen, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen anderen Institutionen und Personen gezeigt werden.

Tenderloin Police Station

Dieser Artikel muss ohne Bilder auskommen. Hätte ich versuchtzu fotografieren, hätte man mich wahrscheinlich mit den Füßen zuerst rausgetragen.

Die Tenderloin Police Station Ecke Jones und Eddy Street ist die nächste Polizeidienststelle. Vor unserer Abfahrt aus San Francisco muss ich noch die Anzeige wegen des gestohlenen Stativs samt Kugelkopf erstatten. Ohne polizeiliche Anzeige samt offizieller Bestätigung wird mir die Versicherung „etwas husten“.

Weiter Innenraum, großer Käfig, ein Police Officer hinter schwerem Panzerglas. Davor ein Mann, dessen Arm von einem Baseballschläger ganz offensichtlich zu Mus gerührt wurde. Er ist ärztlich versorgt, verbunden und vollgefüllt mit reichlich Schmerzmitteln, Mühsam auf den Beinen, schildert er sein Problem. Das dauert.

Ich betrachte die Wand hinter mir. Wie aus einem Film: „Wanted“. Der Mord geschah vor 24 Jahren. Ein 15-jähriges Mädchen war aus einer Gruppe junger Männer heraus erschossen worden. Mindestens zwei Schüsse sollen es gewesen sein… Noch immer werden 250.000 Dollar für die Ergreifung des Täters geboten.

Meine Überlegungen finden ein jähes Ende. Ein Schwarzer tanzt herein. Kehlige Unterhaltung mit dem Geist neben ihm, den nur er selbst erkennen kann. Dann Blues, dunkles Kreischen, das in einen „Kehlkopftenor“ übergeht. Keine Gitarre, trotzdem bleckt Jimmy Hendrix dahinter deutlich sichtbar die Zähne. Der Schwarze tanzt zum Wasserspender. Ein paar Wortwechsel noch mit seinem unsichtbaren Freund, dann tanzt er wieder raus auf die Straße. Der Police Officer zuckt nicht mal mit dem Schnurrbart.

Ich bin dran, schildere, was passiert ist. Der Police Officer notiert. Es gibt hier, in San Francisco, keine „Anzeigebestätigung“, wie wir das von zu Hause gewohnt sind. Nein, du bekommst eine Fall-Nummer und musst eine Bestätigung schriftlich anfordern. Nicht vergessen, das Porto in Briefmarken beizulegen, sonst wartest du vergeblich auf Antwort. Nur Versicherungen würden auch per Mail direkt bedient, erklärt mir der Police Officer nicht mehr ganz so geduldig.

Auf mein Mail mit Bitte um Assistenz antwortet meine Versicherung ziemlich grob, dass nicht sie, sondern ich verpflichtet sei, die Anzeigebestätigung beizubringen. Wie ich das mache, sei meine Sache. Poff!

Das kann noch lustig werden. Wohin lasse ich mir, als Reisender dauernd auf Achse, die Bestätigung nachsenden? Nach Wien? Wahrscheinlich die einzige Möglichkeit. Tatsächlich kommt das Schriftstück aus San Francisco zwei Wochen nach meiner Rückkehr zu Hause an. Alles gut.

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