Viltrox 1,8/24mm für Nikon Z Mount:
Das Stimmungsbild einer unerwarteten Liebschaft

Viltrox 1,8/24mm: Ich gebe zu, Liebe ist nicht immer ganz objektiv.

Lange hat das Kennenlernen mit dem neuen Weitwinkel von Viltrox gedauert. Unsere Begegnungen waren von vielen Stadien der Freude begleitet, aber auch von Missverständnissen getrübt. Wie es eben passiert, wenn zwei einander begegnen, die noch nicht wissen, dass sie zueinander gehören. Ja, das Leben ist voller Überraschungen!

Vorgeschichte

Im Jänner 2021 hatte ich das 1,8/85mm mit AF mit Z-Mount von Viltrox auf dem Tisch liegen. Gutes Portrait-Objektiv, ein wenig widerborstig im Bajonett, angenehm weiche manuelle Entfernungseinstellung mit allerdings (zu) hohem Drehwiderstand. Ansonsten sehr gut ausgeführt.

Der hohe Drehwiderstand beim manuellen Scharfstellen rettet dem Viltrox auch keinen Preis für die Videolinse des Jahres. Mir wurscht; ich fotografiere.

https://www.nikon-fotografie.de/community/rms/viltrox-af-1-1-8-85mm-f%C3%BCr-nikon-z-mount.21/

Schrieb ich damals. Aber: Preis/Leistung top. Den kompletten Test findest du hier:

Dann kam die Anfrage, ob ich das neue 1,8/24mm mit Autofocus, ebenfalls für Nikon Z Kameras, testen wolle. Ja, wollte ich. Anfang September war es da. Urlaub vor der Tür, Zeit zum Begrabbeln. Fad ist mir beim Testen des 24ers nicht geworden, eher im Gegenteil. Spannend, was man im Laufe von drei Monaten alles erleben kann. Und das lag nicht am Urlaub.

Was fällt am neuen Viltrox 1,8/24mm auf?

Die Verpackung ist noch immer schick, aber etwas einfacher gestaltet als die des 85ers. Die „Schatulle“ des 85mm-Objektivs (Ober- und Unterteil ineinandergeschoben) war mit einer Schleife gesichert. Das 24mm hingegen kommt in einer schlichten Schachtel. Wieder ein paar Euro gespart, aber kein Problem.

Das 24er von Viltrox weist gegenüber dem 85er, wie andere der neuen Brennweiten von Viltrox auch, einen Blendenring auf. „Declicked“ nennt sich das auf Neudeutsch, der Blendenring kommt also ohne Rasten aus. Aha! Ich verstehe: Hier will jemand die Video-Filmer für sich gewinnen!

Natürlich lässt sich der Blendenring auch in eine Automatikstellung bringen; dann verhält sich das Objektiv, wie man es von anderen Objektiven gewohnt ist. Drehst du hingegen den Blendenring aus der Automatikposition in eine andere Stellung, so wird die Blende auf den am Blendenring eingestellten Wert verstellt, egal, was andere Räder an deiner Kamera tun mögen.

Auch verbessert: Der USB-Anschluss im Bajonett ist als USB-C ausgeführt. Pluspunkt, ganz klar.

Weil wir gerade beim Bajonett sind: Angenehm glatte Passform. Nicht so „leicht bockig“ wie beim 85er. Großer Fortschritt. Etwas hakelig hingegen ist noch immer die Sonnenblendenbefestigung. Beim 1,8/24mm aber egal; ich werde das später erklären.

Die Daten

Ich habe diesmal mit mehreren anderen Objektiven für das Nikon Z-Bajonett verglichen; die Alternative, an der es sich abarbeiten muss, ist „das Original“, das 1,8/24mm von Nikon selbst. Hier einmal beide Objektive nebeneinander:

Schon "nackt" ist der Unterschied zwischen den 1,8/24mm von Viltrox und Nikon erkennbar.
Schon “nackt” ist der Größenunterschied zwischen den 1,8/24mm von Viltrox und Nikon erkennbar.
Ganz arg wird er aber, wenn wir beiden Weitwinkel-Objektiven die “Mütze” aufsetzen.
Ganz arg wird er aber, wenn wir beiden Weitwinkel-Objektiven die “Mütze” aufsetzen.

Größenvergleich: beeindruckend. Wie sieht der Vergleich der Objektivdaten aus?

Objektivdaten-Vergleich Viltrox-Nikon 1,8/24mm

Das Viltrox ist also um ein Viertel leichter, deutlich schmaler gebaut und etwa halb so teuer wie das Nikkor. Die schmale Bauweise wird uns aber auch mehr Vignettierung bringen, das ist mir klar. Mal sehen.

Das Viltrox 24mm in der Praxis

Viltrox lernt schnell, verdammt schnell. Fast alle mechanischen Unrundheiten behoben: Das Bajonett gleitet in die Kameraaufnahme, wie es Nikon selbst auch nicht besser machen könnte. Der Ring für die mechanische Entfernungseinstellung fühlt sich nun präzise und butterweich an. Und: Es gibt zum Objektiv-Update nicht nur einen von Viltrox gewohnten USB-Stecker, diesmal ist er, wie bereits erwähnt, auch als verdrehsichere USB-C-Buchse ausgeführt, nicht mehr in Micro-USB; gefällt mir.

Weniger löblich allerdings, dass die Sonnenblende noch immer hakt und klemmt, dass es keine Freude ist. Da ist noch viel Luft nach oben, liebe Viltrox-Entwickler, das kann doch nicht so schwer sein! Mich persönlich betrifft dieser Kritikpunkt allerdings nicht: Die Sonnenblende ist nicht ausladend, liegt nahe am Objektivkörper. So bleibt sie bei mir einfach drauf, wie angewachsen. Passt wunderbar ins Objektivfach meines Koffers.

Platz ist auch im größten Fotokoffer. Viltrox 24mm mit aufgesetzter Sonnenblende!
Platz ist auch im größten Fotokoffer. Viltrox 24mm mit aufgesetzter Sonnenblende!

Einen Tag später sind wir bereits in unserer Urlaubsdestination angekommen. Also wieder raus aus dem Koffer, ran an die Kamera. Die erste, die mir in die Hände fällt, ist die Z6. Es ist dem Viltrox wie auch dem Nikkor allerdings völlig egal, ob es an eine Z6 oder eine Z7 angeflanscht wird; die Auflösung beider Objektive reicht sicher auch für eine Z8 (nein, ich habe noch keine vorbestellt).

Die ersten Bilder mit dem Viltrox 24er zaubern mir ein breites Grinsen ins Gesicht. Ja, so haben wir es gern!

"Marterl", bei unseren nördlichen Nachbarn auch "Bildstock" genannt, vor einem vor sechzig Jahren verlassenen Bauernhof
“Marterl”, bei unseren nördlichen Nachbarn auch “Bildstock” genannt, vor einem bereits sechzig Jahre verlassenen Bauernhof.
Bokeh bei einem 24er? Oh ja, funktioniert.
Bokeh bei einem 24er? Oh ja, funktioniert doch.

Auch als ich nach dem Urlaub in Wien die Wienerberg City besuche, bin ich zufrieden. Selbst der Vergleich mit dem Nikon-Original ist voll okay. Hier ein paar Ergebnisse bei Blenden von 1:1,8 bis 1:8,0.

Anmerkung: Alle unmittelbaren Vergleichsbilder wurden “nicht entwickelt”. Stimmt natürlich so nicht, weil jedes digitale Bild immer nur eine Interpretation von Zahlenwerten darstellt. Was ich aber damit sagen möchte: Nur der Weißabgleich wurde bei solchen Bildern vereinheitlicht, der Rest blieb o.o.c.. Es wurde an den üblichen Parametern wie Kontrast, Klarheit, Lichter, Tiefen o.ä. nicht gedreht.

Zuerst das Viltrox-Weitwinkel:

Viltrox 1,8/24mm bei Blende 1,8
Viltrox 1,8/24mm bei Blende 8,0

Deutlich zu sehen im linken Bild ist die Vignette, die das Objektiv offenblendig zeigt. Bei Blende 8,0 ist diese fast völlig verschwunden. Zur Vignette gibt es weiter unten noch ein paar Anmerkungen.

Und jetzt das Nikkor 1,8/24mm:

Auch das Nikkor zeigt bei Offenblende eine Vignette, allerdings nicht ganz so stark ausgeprägt und vor allem weicher im Verlauf.

Schärfe und Kontrast

Schärfe und Kontrast des Viltrox 1,8/24mm befriedigt mich vollkommen. Minimale Vorteile für das Nikkor 1,8/24mm, aber nur bei Offenblende treten mit freiem Auge sichtbare Unterschiede auf.

Was unbedingt noch gesagt werden muss: Auch der Autofokus des Viltrox trifft den Schärfepunkt schnell und lautlos. Wichtig für Videofilmer, angenehm für Fotografen. Was leider nicht ganz so lautlos ist, ist der separate manuelle Blendenring; der könnte in der Fertigung auch noch “nachjustiert” werden. Also: Während einer Videoszene den Blendenring nicht am Ring verstellen. Die Anforderung wird ohnehin nur selten auftreten.

Chromatische Verirrungen

Nun ja, die Nikkore korrigieren in dieser Disziplin besser. Einerseits wegen der optischen Rechnung, der fantastischen Vergütung der Linsen, nicht zu vergessen auch, weil Objektivprofile für nahezu alle RAW Konverter vorliegen. Viltrox hat aber aufgeholt. Alle Leser meiner Berichte, die beim 85mm gemeint haben, hinsichtlich des Color Fringing sei ich ein wenig überempfindlich, werden sich freuen: Sie werden beim 24mm gar nichts mehr finden. Den anderen sei gesagt: Ja, es gibt noch Farbsäume an den Kontrastkanten, aber sie stören nicht mal mehr mich, ich bemerke sie gerade noch.

Gegenlicht? Nun, nicht schlecht, aber auch da ist die Vergütung von Nikon eine Klasse für sich. Natürlich ist ein Weitwinkel in dieser Disziplin empfindlicher als ein Tele, aber auch das Viltrox 1,8/24mm ist in dieser Disziplin für mich ausreichend gut.

Die Vignettierung

Das ist – wie erwartet – eine der Schwächen des Viltrox 1,8/24mm. Sehen wir uns nochmal den Vergleich Viltrox gegen Nikon, jeweils bei Offenblende (1:1,8) an:

Die Vignettierung unterscheidet sich bei den beiden Objektiven schon recht deutlich. Das Viltrox zeigt eine stärkere Vignette, vor allem bei Offenblende. Und zwar nicht nur in punkto Lichtabfall, auch der Verlauf ist gegenüber dem Nikkor unangenehm hart. Lässt sich auch beim Viltrox gut korrigieren, aber nicht gänzlich. Es gibt von Viltrox ein Objektivprofil für Lightroom, das allerdings nur für Offenblende gedacht ist. Das verbessert die Sache etwas. Für andere RAW Konverter, z.B. Capture One Pro, gibt es schlicht nichts, gar nichts.

Aber irgendwoher müssen Kompaktheit, geringes Gewicht und Preis kommen, Kompromisse sind da unumgänglich. Und, seien wir doch ehrlich, die Vignette relativiert sich in der Bearbeitung recht schnell. Auch nimmt die Randabschattung beim Abblenden deutlich ab, ist ab 1:/5,6 im Rahmen und bei 1:8,0 fast verschwunden. Und andererseits: So einen Vignette kann auch was!

Sterben in Schönheit mit Viltrox
Sterben in der Schönheit einer naturgegebenen Vignette. Ja, das kann ich lassen.

Bei Landschaft und Architektur also kein Hindernis, dort wird meist ohnehin kräftig abgeblendet. Wie es bei Astrofotografie aussieht? Nicht ganz so gut, aber das mögen Berufenere beurteilen.

Die Verzeichnung

Ja, auch hier liegt das Viltrox sichtbar hinten, aber durchaus im Rahmen vergleichbarer Objektive anderer Hersteller in diesem Preissegment. Leider ist eine Verzeichniskorrektur beim Viltrox mit Capture One Pro nicht zufriedenstellend möglich. Hier fehlt ein exaktes Objektivprofil beträchtlich. Hier ein Vergleichsbild mit den beiden Kontrahenten aus der Praxis (wieder mal Wienerberg City in Wien):

Die Verzeichnung des Viltrox (Bild links) ist hier an den linken und rechten Rändern deutlich sichtbar. Das macht das Nikkor bereits unkorrigiert deutlich besser.

Kleiner Tipp zum besseren Bildvergleich: Ausgangsbild anklicken, die volle vorhandene Größe erscheint auf dem Bildschirm. Danach mittels der Pfeile zwischen den Bildern umschalten, da werden Unterschiede meist deutlicher sichtbar.

Ich habe versucht, mit anderen vorhandenen Profilen zu korrigieren. Nicht wirklich erfolgreich. Empfehlen würde ich bei Capture One Pro derzeit noch am ehesten das „Generic pincussion distorsion“-Profil. Ergebnis: „Es geht so halbwegs.“

Recht gute manuelle Korrekturen der kissenförmigen Verzeichnung sind hingegen in Photoshop möglich, mit durchaus zufriedenstellenden Ergebnissen. Was bei mir nach einer erfolgreichen Korrektur bleibt, ist eine – wirklich hauchzarte – Welle an der langen Seite, die ich ohne den dezidierten Hinweis eines Users – “Danke Jörn!” – nicht bemerkt hätte. Mit freiem Auge und ohne Hilfslinie ist diese für mich kaum sichtbar.

Ist das Viltrox 1,8/24mm eine Architektur-Linse mit höchster Genauigkeit? Eher nein, aber sehr brauchbar bei allen anderen Sujets. Landschaft ist beispielsweise schon ein weites Feld.

Das Nikkor 1,8/24mm zeigt im RAW Converter auch ohne Korrektur bereits, warum es deutlich teurer ist: kaum sichtbare Verzeichnung. Architekturfotografie von höchster Präzision? „Ja, machen wir gerne, mein Herr!“

Anmerkung: Es ist derzeit auch ziemlich egal, ob ich die beiden Fixbrennweiten mit oder ohne Verzeichniskorrektur vergleiche. Die Ergebnisse sind einander täuschend ähnlich.

Das Viltrox hat, wie auch das Nikkor, ein ins Objektiv integriertes Objektivprofil. Auch in Capture One Pro, der Software, die ich zur RAW-Bearbeitung verwende, wird dieses Profil für Korrekturen herangezogen – und nicht von vornherein ein generisches. Es ist aber damit derzeit leider nicht möglich, die Verzeichnungen des Viltrox 1:1,8/24mm auch nur annähernd zufriedenstellend zu korrigieren. Firmware-Updates wird es geben, wie bei anderen Viltrox-Objektiven auch. Mal sehen, ob die Verbesserungen in dieser Hinsicht bringen können. Ohne perfekte Objektivprofile allerdings wird das ein schwieriges Unterfangen. Und nicht jeder Fotograf verwendet Lightroom und ausschließlich Offenblende.

Eine veritable Beziehungskrise

Ja, das kann ich euch nicht ersparen: Ich mache Fehler, manchmal sogar grimmige. Und nicht immer erkenne ich diese gleich. Das hat bei diesem Objektivvergleich von China bis Österreich ziemlich viel Staub aufgewirbelt, ich muss mich bei Viltrox (dem Hersteller), Rollei (dem Distributor, der das Objektiv – und später noch ein zweites zum Vergleich – zu mir verschiffte) und Anja, der treuen Seele des Netzwerks Fotografie, ehrlich entschuldigen.

Und das kam so: Ich mache schließlich nicht nur Testbilder, die hier zu sehen sind. Zu Vergleichszwecken fotografiere ich auch eine selbstgestaltete, etwas über einen Meter breite Testtafel, die auf Alu aufgezogen ist. Die Ausrichtung der Kamera ist mir bis zu diesem Test – mit Wasserwaage und mechanischem Winkel – ganz gut gelungen, beim starken Weitwinkel kam ich nun an die Grenzen des für mich Machbaren und darüber hinaus.

Bei der kurzen Distanz zur Testtafel reicht eine Wasserwaage nicht mehr, um eine exakte Ausrichtung zu garantieren. Da kann es dann passieren, dass die Verzeichnung an den oberen Ecken stärker erscheint als an den unteren. Den Grund habe ich aber nicht sofort erkannt. Noch dazu habe ich versucht, meine „Erkenntnisse“ im Web gegenzuprüfen. Und ich habe dabei z.B. ein Video, welches sogar beim Distributor auf der Website stand, gefunden, welches denselben „Fehler“ zeigte. (Wie sich zeigt, leiden auch andere Berichte unter Fehlern der Autoren.)

Das schmerzt

Mein Vertrauen in das 24er, welches ich schon so liebgewonnen hatte, war einige Wochen lang ziemlich gestört, unsere liebevolle Beziehung nahezu zerrüttet. Es ging mir nicht gut.

Nun bin ich hartnäckig. Stelle ich bei Tests einen Fehler fest, so suche ich die Ursache. Und da bin ich wie Einstein, mit dem ich ansonsten leider nicht vergleichbar bin: Ich kann so lange konzentriert suchen, bis ich die Fehlerursache sicher verortet habe. Ich suche öfters, bin schließlich auch nur ein Mensch. Aber so wie diesmal habe ich meine Ganglien noch selten knirschen gehört.

Sogar ein Mitglied des von mir meistbesuchten Fotografie-Forums (“Hallo, Jörn!”) ist mir zur Seite gesprungen und hätte – ohne mich persönlich zu kennen(!) – sein eigenes Viltrox 1,8/24mm zu mir auf die Reise geschickt, um unmittelbare Vergleiche anstellen zu können. Sagenhaft, ich verneige mich nochmals in Dankbarkeit! War dann doch nicht nötig, weil zwei Tage nach unserem Telefonat ein weiteres Objektiv von Viltrox zum Test eingetroffen war.

Bei weiteren Vergleichsaufnahmen wurde die Fehlerursache klar. Große Erleichterung mischte sich mit Verstimmung über die Tatsache, dass mir so ein Fehler unterlaufen konnte. Mir! *grrr* Ich brauchte einige Zeit, meine Wunden zu lecken.

Na, gut, wenigstens ein versöhnliches Ende.

Wie sieht es mit anderen Objektiven im Vergleich zum Viltrox aus?

Die komplette Mannschaft mit Viltrox angetreten?
Die komplette Mannschaft angetreten? “Jawoll, Sir!”

Ganz heikle Geschichte, im Moment sehe ich nur mehr Sterne. In Sachen Schärfe und Kontrast ist das 2,8/24-70mm bei Offenblende tatsächlich besser als die Viltrox Festbrennweite, selbst wenn diese auf 2,8 abgeblendet ist. Super, die Schärfe bis in die Ecken, die das 2,8/24-70mm bietet, kann hier nur mehr vom Nikkor 1,8/24mm geschlagen werden – knapp, aber sogar dann noch, wenn das Nikkor 24mm bei 1,8 steht. Das hat mich schon etwas überrascht.

Bei mir schlägt das Zoomobjektiv aus der “Holy Trinity” das Viltrox 24mm sogar bei Blende 4,0 knapp, was möglicherweise aber auch an den beim Viltrox fehlenden Objektivkorrekturen liegt; dazu unten mehr. Trotzdem: Hochachtung! Bei Blende 5,6 ist das Viltrox dann bei Randschärfe und Kontrastverhalten ebenbürtig. Bevor ich vergesse, das zu erwähnen: Das 1,8/24mm von Viltrox kostet unter EUR 500, das Nikkor 2,8/24-70mm mehr als EUR 2.000 – auch beim allergünstigsten Anbieter. So gesehen…

Das 4,0/24-70mm enttäuscht mich nicht, ist bei 24mm und seiner Offenblende von 4,0 etwa gleichauf mit dem Viltrox. Auch der Kontrast ist in Ordnung, es ist bis auf die geringere Lichtstärke nichts Negatives zu sagen. Nur sind etwas mehr als zwei Blenden Lichtstärkendifferenz auch keine Hausnummer mehr.

Ja, das 14-30mm… Es kann an meinem Exemplar liegen, aber bei 24mm (und darunter, aber das ist hier nicht das Thema) sehe ich in den Bildecken schon leichte Schwächen. Die Randzonen wirken auf mich minimal „verzogen“, Kontrast“kanten“ werden in den Bildecken schon eher zu (sehr schmalen) Kontrast“zonen“. Ich muss aber fairerweise sagen, dass ich ähnliche Probleme bereits vom doch als nahezu perfekt geltenden Nikkor 2,8/14-24mm mit F-Bajonett und auch vom alten Olympus Zuiko 4,0-5,6/9-18mm für FT her kenne. Beim Nikkor 2,8/14-24mm nicht ganz so deutlich, aber doch auch schon. Kann natürlich auch an meiner Pitzeligkeit liegen. Das 4,0/14-30mm ist für mich also ein gutes Reiseobjektiv, ein guter Kompromiss von SWW, leicht und handlich. Es liefert – vor allem in Anbetracht seines Preises sehr anständige Bildqualität, kann aber mit den beiden hier hauptsächlich verglichenen Fixbrennweiten nicht ganz mithalten.

Die eben erwähnten Objektive liefern bei 24mm allesamt, was der gehobene Amateur und auch die vielen Profis brauchen und erwarten. Wenn der RAW Konverter passende Objektivprofile bietet. Nur hat mein RAW Konverter keine Profile für Viltrox, und selbst für Lightroom gibt es nur ein Profil für Offenblende. Abschaltung der Korrekturen ist nur bedingt möglich, der native Vergleich ein zweifelhafter (siehe unten).

Welche Reihung ergibt sich für mich, wenn ich Schärfe, Kontrast, Verzeichnung, chromatische Korrekturen, Gegenlichtempfindlichkeit (Flares), Vignette und Handling zusammenschmeiße?

  • Nikkor 1,8/24mm
  • Nikkor 2,8/24-70mm
  • Viltrox 1,8/24mm
  • Nikkor 4,0/24-70mm (nur wegen der geringeren Lichtstärke dahinter gereiht)
  • Nikkor 4,0/14-30mm

Trotzdem und überhaupt

Nochmal zur “ganz heiklen Geschichte”, all diese Objektive zu vergleichen: Sie liegt schon in den Fragen “Wie vergleiche ich?” und vor allem “Welche Realität ist die einzig wahre?” begründet. Wer mich nicht versteht, möge mal an den Unterschied zwischen nativer und korrigierter Ansicht denken. Nativ, also wenn nur die optische Konstruktion zum Tragen kommt, kann nur verglichen werden, wenn auch wirklich jede softwaregetragene Korrektur bzw. Schönung ausgeschlossen ist. Und das ist meines Erachtens heute für einen Anwender nicht mehr transparent.

Die meisten Fotografen werden die Bilder so nehmen, wie sie ihnen vom RAW Konverter angeboten werden. Also mit allen Korrekturen, die üblicherweise über Objektiv-Korrekturprofile automatisch durchgeführt werden. Dazu zählen neben der Verzeichnung vor allem auch chromatische Fehlerkorrekturen und die Aufhellung der Vignetten.

Ah ja, und die Verzeichnung?

Ein Vergleich der Verzeichnung ist zwischen den beiden 24mm Fixbrennweiten gerade noch – siehe oben – machbar, bei den ebenfalls verglichenen Zooms funktioniert der dann nicht mehr wirklich. Nicht wegen allfälliger Preisunterschiede. Auch nicht wegen der schmalen Bauweise des Viltrox 24mm, die eher zur deutlichen Vignettierung als zur Verzeichnung beiträgt.

Das Problem liegt anderswo: Ich kann z.B. die kamerainterne Verzeichniskorrektur bei der Bearbeitung zwar abdrehen, aber doch nur dort, wo Nikon es will. Bei allen Zooms, die ich parallel auch mit 24mm Brennweite durchgesehen habe (wir kommen noch später darauf zu sprechen) schaltet sich die Verzeichniskorrektur der Kameras automatisch wieder zu und lässt sich auch nicht mehr umstellen. „Fix no amoi!“

Bei der RAW Konvertierung, der Bildentwicklung also, kann ich bei Capture One Pro zwar das “Manufacturers Profile”, also das vom Hersteller integrierte Objektivprofil, nicht beeinflussen, aber gegen ein anderes, z.B. generisches austauschen – “Danke Frank!” -, bei dem ich danach den Korrekturgrad auf 0% herunterregeln kann.

Kann ich so das Objektivprofil “ausschalten”, das Objektiv wirklich nativ beurteilen?

Um das zu überprüfen, habe ich vier idente Kopien eines Testbildes mit dem Nikkor 4,0/14-30mm, alle bei Blende 4,0, erzeugt und darauf verschiedene Einstellungen angewendet:

  • [1] Eines habe ich mit Manufacturer Profil (100% Korrektur) angezeigt: Sehr gut korrigiert.
  • [2] Eines mit Manufacturer Profil (0% Korrektur) angezeigt: Verzeichnet stark, aber nicht dramatisch.
  • [3] Eines mit Generic Profil (0% Korrektur) angezeigt: Verzeichnet stark, aber nicht dramatisch. Etwa gleich mit Manufacturer Profil bei 0% Korrektur.
  • [4] Eines mit einem Profil für das Mamiya 500mm APO (0% Korrektur) angezeigt: Verzeichnet stark, aber nicht dramatisch. Etwa gleich mit Manufacturer Profil bei 0% Korrektur. (Zur Erklärung: Ich wollte auch mit einem Profil korrigieren, das gar nicht zum Objektiv passen kann.)

Das Setting klingt gut – auf den ersten Blick, oder? Jetzt müssten eigentlich alle Ausschnitte bis auf [1] gleich aussehen. Alle Korrekturparameter bis auf das Manufacturer Profile, wo ich das nicht beeinflussen kann, stehen auf 0%, die Ansicht entspricht 100% (“Pixelpeepen”).

100% Ansicht bei verschiedenen Objektivprofilen
100% Ansicht bei verschiedenen Objektivprofilen, die Kopien sind der oben aufgeführten Liste entsprechend bezeichnet.

Die Bildausschnitte gleichen einander auch auf den ersten Blick. Bereits hier fällt aber die verschiedene Helligkeit der Ausschnitte auf, obwohl in allen Kopien – auch bei der mit dem Manufacturers Profile – die Vignettenkorrektur (das ist eine der Einstellungen, die – zumindest theoretisch – überall beeinflusst werden kann) abgedreht ist.

Gehen wir nun noch näher ran, deutlich über die 100%-Darstellung! Nicht zur Beurteilung von Schärfe oder Verzeichnung, aber um einige Kleinigkeiten deutlicher erkennen zu können. Was springt nun ins Auge?

Deutlich näher zur Illustration der Feinheiten
Deutlich näher zur Illustration der Feinheiten – beachte vor allem die chromatischen Fehler im Vergleich. Alle Korrekturen sind noch immer ausgeschaltet.

Der zweite Blick zeigt ganz deutliche Unterschiede, z.B. in der chromatischen Korrektur: Die ist nämlich in den verschiedenen Einstellungen verschieden gut bzw. schlecht ausgeprägt. Dürfte bei wirklich abgeschalteten Objektivprofilen nicht sein. Auch interessant: Die Vignettierung (“Helligkeitsabfall”) ist auch bei “Korrektur 0%” in allen Fällen besser als plausibel korrigiert, ganz abgesehen von den bereits oben angeführten verschieden ausgeprägten Helligkeiten.

Was sagt uns das?

Verlass ist auf nichts und niemand. 

Ganz so, wie uns vorgespielt wird, lassen sich die Korrekturen also doch nicht ausschalten. Und das macht jeden Vergleich für meinereinen zum zeitraubenden und aufwändigen Abenteuer, das letztlich mit einer Interpretation hunderter verschiedenster Eindrücke enden muss.

Mich persönlich treibt dieses Ergebnis zur Vermutung, dass es zumindest Kameraherstellern mittlerweile sehr gut gelingt, Software-Korrekturen ihrer eigenen Objektive nicht nur ins JPEG, sondern auch ins RAW einzuarbeiten. Dass dies möglich ist, hat vor Jahren bereits ein anderer Hersteller gezeigt. Wichtiges Abfallprodukt dieser Vermutung: Dritthersteller haben es schwer, denen steht dieser Trick üblicherweise nicht zur Verfügung.

Einen auch mir zugänglichen Denkansatz zum obigen Thema bietet DOCMA, ein Magazin für EDV-Interessierte (“Danke, Peter!”):

https://www.docma.info/blog/das-optisch-digitale-hybridobjektiv

Sicherheitshalber aber nochmals, falls es oben noch nicht deutlich genug war: Dritthersteller haben es bei einer solchen Art der Betrachtung sehr, sehr schwer. In den Kameras anderer Hersteller können sie üblicherweise gar nichts ins RAW schreiben. Und wer sich dann nicht sehr schnell mit sehr guten Korrekturprofilen bei den Herstellern von RAW Konvertern einschleimt, ist schon fast draußen. Außer der Objektiv-Hersteller setzt ausschließlich auf die mittlerweile ziemlich weit verbreiteten YouTube-Laberer, die salbungsvolle 15 Minuten-Videos mit so gut wie keinen Fakten oder belastbaren Aussagen abliefern. Vielen Anwendern scheint das schließlich auch zu reichen. Jeder werde mit der ihm/ihr gewünschten oder zumindest gewählten Lebensweise glücklich!

Fazit

Beide getesteten 1:1,8/24mm von Viltrox sind alles in Allem gute bis sehr gute Objektive. Mittlerweile so gut gebaut, dass mechanisch Steigerungen, soweit ich das heute sagen kann, kaum möglich sind. Okay, Langzeiterfahrungen gibt es noch nicht, aber ich erwarte mir da keine Überraschungen. Die Haptik ist wirklich toll, das Objektiv liefert Bildergebnisse, die vor fünf Jahren noch für die Oberklasse gereicht hätten. Der Preis ist für das Gebotene sowieso exzellent.

Das Viltrox 1:1,8/24mm ist kein perfektes Objektiv für den Architektur-Studenten. Ansonsten wird es aber keinen Fotografen und Videofilmer, der ein günstiges UND sehr gutes Weitwinkel-Objektiv sucht, enttäuschen. Gerade noch abgestimmte Objektivprofile fehlen dem Fotografen zur Glückseligkeit.

Und, bitte nie vergessen: Zwischen „Na ja“ und „perfekt“ liegt „gut genug“. Obwohl ich eher der Perfektionist bin und am liebsten nur perfekte Objektive im Koffer hätte: Das Viltrox 1,8/24mm ist auch „gut genug“ für meine Ansprüche. Es wird seinen Platz in meinem Fotokoffer finden.

Nochmals herzlichen Dank an Rollei und Netzwerk Fotografie für die Testmöglichkeit und die sagenhafte Geduld bei der Fehlersuche! Dank gebührt auch Nikon Österreich; der Hersteller hat mir für diesen Vergleich sowohl das 1,8/24mm als auch das 2,8/24-70mm zur Verfügung gestellt. Beide Objektive kannte ich zwar schon persönlich, habe sie aber trotz ihrer unbestreitbaren Qualitäten nicht in meinem persönlichen Bestand. Und nicht vergessen werden sollen die Forumsmitglieder des NFF Jörn, Frank und Peter für ihren Beistand.

Bewertung:

Mechanische Ausführung

4,5 von 5 Sternen

Bildqualität

3,5 von 5 Sternen

Preis/Leistungsverhältnis

5 von 5 Sternen

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