Der zweite Tag

Es ist der 28. Mai. Die Nacht war schlimm. Die Umzüge hatten ein baldiges Ende, die brüllende Disco offensichtlich nicht. Noch um 3 Uhr morgens wurde die gesamte Gegend beschallt. Sogar gegen  die geschlossenen Fenster kam die grässlich falsch gesungene Karaoke-Variante von „Marina, Marina, Marina“ an. Holte die Sängerin kurz Luft, dröhnte unter den Fenstern ein LKW vorbei. Fairerweise muss gesagt werden, dass uns Tauschzimmer ohne Lärmbelästigung angeboten wurden.

Nach dem Frühstück treffen wir in einer Ecke des Hotelgartens zwei Deutsche aus Düsseldorf. Zuerst Ulrike, später kommt Ulrich dazu. Die beiden kommen schon seit Jahren hierher und kennen die Insel recht gut. Und sie wissen, wo man Autos mieten kann.

Autoverleih mit Charisma.
Autoverleih mit Charisma.

Wir machen Nägel mit Köpfen, Ulrich begleitet mich zum Autovermieter seiner Wahl. Der spricht Deutsch wie ein Weltmeister, fünf Minuten später habe ich einen Kleinwagen gemietet, den ich in einer halben Stunde abholen kann. Angeblich vollkaskoversichert, ohne Kilometerbegrenzung, für EUR 120 für sechs Tage. „Angeblich“? Ja, weil erstens bei näherer Betrachtung der Vertrag spanisch ist und zweitens außer „i20“ (es handelt sich um einen Hyundai i20), nur das Kennzeichen, meiner Führerscheinnummer und der Endpreis nichts ausgefüllt wurde.

Die nächste halbe Stunde werden wir von Ulrike und Ulrich mit Infos versorgt. Dann geht es los.

Icod de los Vinos

Heute also nach Westen, nach Icod des los Vinos, zum Drachenbaum. El Drago ist zwar nicht der einzige Baum dieser Spezies in Teneriffa, aber er ist der älteste und größte. Daraus kann man schon etwas machen. Der Ort selbst wird interessanter je höher du fährst. Ja, und da geht es ganz schön hoch hinaus – dazu noch später. Teneriffa ist eine gebirgige Insel.

Parkplätze gibt es weniger als in Puerto del la Cruz – und das will etwas heißen. Aber es gibt unterhalb des Hauptplatzes eine Garage, ausreichend für uns und ein paar andere Touristen. Beim oberen Ausgang dann eine weitere große asphaltierte Fläche, die allerdings funktionslos zu sein scheint.

Funktionsloser Parkplatz.

Schräg gegenüber zwei lebensgroße Puppen, die die Trachten von 1929 tragen. Garantiert echt.

Originaltrachten aus dem Teneriffa von 1929.
Originaltrachten aus dem Teneriffa von 1929.

In unmittelbarer Nähe dann die Plaza Andres de Caceres mit einerseits der Katholischen Kirche des heiligen Marcos (Iglesia Mayor de San Marcos) und anderseits einem Erfrischungskiosk. Zugegeben, wir waren richtig ausgedörrt…

Park mit Kiosk neben Kirche.
Der angesprochene Kisok ist links im Bild angedeutet.
Der Park ist groß und "gut bespielt".
Der Park ist groß und “gut bespielt”.
Über die Stiege zur Plaza de la Pila.
Über die Stiege zur Plaza de la Pila.

Oberhalb dieser Plaza dann eine weitere, kleinere, die Plaza de la Pila mit ein paar Souvenirläden. Einer davon hatte – wegen Geschäftsauflösung – Abverkauf. -60% auf alles. Meine Liebste … muss ich weiter erzählen? Einen wunderschönen Keramikteller und ein paar Aloe Vera-Produkte später waren wir auf dem Weg in den Parque del Drago, den Park rund um den ältesten Drachenbaum Teneriffas.

Auf dem Weg zu El Drago.
Auf dem Weg zu El Drago.

Parque del Drago

Der Eingang zum Parque del Drago.
Der Eingang zum Parque del Drago.
El Drago, "Der Drachen", höchstpersönlich.
El Drago, “Der Drachen”, höchstpersönlich.

Die Schilder versprechen, der Baum wäre ungefähr zwischen ein- und zweitausend Jahren alt. Eine Reiseführerin meinte, Untersuchungen hätte gezeigt, dass sein Alter bei etwa 600 Jahren liegen dürfte. Aber erstens war die Reiseführerin ursprünglich aus Deutschland eingewandert – wer traut schon einer “Zuag’rasten”? – und andererseits: Ist das nicht wurscht? Der Baum ist jedenfalls älter als wir alle es jemals werden können.

Viel interessanter als das Alter dieses einen Baums finde ich, dass dieser Riese in Wahrheit gar kein Baum ist. Er tarnt sich nur so. Drachenbäume, auch die Kanarischen Drachenbäume, gehören zur Familie der Spargelgewächse. Tatsächlich, kein Scherz.

Ein Spargel, diesmal ausgewachsen.
Ein Spargel, diesmal ausgewachsen.

Den Namen trägt der Drachenbaum wahrscheinlich, weil abgebrochene Triebe fast immer neu austreiben – wie einem Drachen angeblich auch zwei Köpfe aus einem abgeschlagenen wachsen. Und das farblose Harz, das bei Verletzungen austritt, färbt sich an der Luft blutrot; es wird auch Drachenblut genannt.

Rund um El Drago stehen Palmen, Kakteen und eine Auswahl anderer hier heimischer Pflanzen. Und ein Rasthaus. Fast hätte ich vergessen, es zu erwähnen.

Am späteren Nachmittag kehren wir ins Hotel zurück, wo wir gerade rechtzeitig zum Abendessen eintreffen. Reichliches Büffet, verschiedene Salate, Nachspeisen, Obst in verschiedenen Formen, allerdings nur drei Hauptspeisen. Kellner von höchst unterschiedlicher Laune, aber fleißig.

Puerto del la Cruz

Playa del Muelle

Nach dem Abendessen an den Strand. Goldene Abendsonne. Das beste Licht von allen. Playa del Muelle (der Strand bei der Mole). Das alte Königliche Zollhaus, die Bateria de Santa Barbara, ein Blick von der Plaza de Europe.

Playa del Muelle in der Abenddämmerung.
Playa del Muelle in der Abenddämmerung.
Das ehemalige Königliche Zollhaus.
Das ehemalige Königliche Zollhaus.
Das Kreuz am ehemaligen Zollhaus.
Das Kreuz an der Wand des ehemaligen Zollhauses wird von der goldenen Abendsonne richtig in Szene gesetzt.
Ein Paar genießt den Sonnenuntergang.
Ein Paar genießt den Sonnenuntergang.
Die Lichtstimmung ist einfach einzigartig.
Die Lichtstimmung ist einfach einzigartig.

Au, wie ist das schön!

Tagebuch
TeneriffaLage, Entstehung, Klima
Der erste TagAnreise, Hotel, Puerto de la Cruz
Der zweite TagIcod de los Vinos, Parque del Drago, Abend am Strand
Der dritte TagPuerto de la Cruz
Der vierte TagIcod de los Vinos, Garachico, Masca
Der fünfte TagDer Teide, Die Pyramiden von Güímar
Der sechste TagPuerto de la Cruz
Der siebente TagPlaya de las Teresitas
Der achte TagRückreise
Die GalerieEine bildhafte Nachbetrachtung