Entwicklung

Capture One Anpassungen

Auf einen Blick sind alle wesentlichen Regler erkennbar. Bei jedem Werkzeug in Capture One Pro gibt es noch einige Arbeitserleichterungen bzw. -hilfen, im oberen Screenshot habe ich sie beim Werkzeug „Belichtung“ markiert, aber nicht bei allen Werkzeugen sind alle diese Hilfen vorhanden.

Hinter dem Fragezeichen verbirgt sich die Onlinehilfe für das betreffende Werkzeug. Diese Funktion ist, mit Verlaub, recht hatschert umgesetzt. Das Handbuch liegt in mehreren Sprachen, auch in Deutsch, vor. Die Onlinehilfe springt daher „folgerichtig“ fast immer ins englische Manual. Hallo? Onlinehilfe also nur für des Englischen mächtige User?

Hinter dem „A“ verbirgt sich eine Automatik, die tatsächlich im Gegensatz zu der Belichtungsautomatik von Lightroom sehr gut funktioniert und in gut 80% der Fälle wirklich verwendbare Ergebnisse liefert. Diese Automatik ist bei Nachtaufnahmen oder Bildern im Schnee naturgemäß überfordert, aber sonst wirklich gut. Nicht nur das: Ihr könnt sogar voreinstellen, welche Parameter neben der reinen Belichtung die Automatik für euch setzen soll. Bis zur Absenkung der Lichter und Aufhellung der Schatten. Nahezu ein Doppelpunkt für Capture One Pro.

Den schrägen Doppelpfeil kennen wir schon von den Stichwörtern her. Er dient dazu, bereits getätigte Anpassungen auch anderen Bildern zuzuweisen.

Das nächste Zeichen dürfte bekannt sein. Es ähnelt dem Undo, setzt aber nicht nur die letzte Einstellung, sondern alle Einstellungen des jeweiligen Werkzeugs für das aktuelle Bild zurück. Hilfreich: Mit gleichzeitigem Drücken der <ALT>-Taste können die Einstellungen eines Werkzeuges auch temporär, z.B. zur Kontrolle, zurückgesetzt werden. Sehr fein. Es gibt in den Menüs weiters eine Möglichkeit, alle Einstellungen aller Werkzeuge für ein oder mehrere Bilder zurückzusetzen.

Das Listensymbol ermöglicht, die vorgenommenen Anpassungen des Werkzeugs als  Voreinstellung zu speichern, um sie später leichter auf andere Bilder anzuwenden. Dort findest du (direkt unterhalb) auch bereits gespeicherte Voreinstellungen, die du direkt anwenden kannst.

Die drei waagrechten Punkte stellen die Darstellung des Werkzeugs selbst ein. Bei manchen Werkzeugen kann die Größe variiert, bei allen kann dort das Werkzeug auch aus einer Gruppe komplett entfernt werden.

Und da gibt es eine kleine, aber feine Spezialität: Bei manchen Werkzeugen, wie z.B. auch der Belichtung, können Voreinstellungen als Standard für bestimmte Kameras festgelegt werden. Dann werden die vorgenommenen Anpassungen nur dann automatisch verwendet, wenn das Bild aus einer bestimmten Kamera stammt.

Capture One Anpassungen als Standard speichern

Auch können an dieser Stelle bei manchen Werkzeugen bereits existierende Voreinstellungen auf das aktuelle Bild angewendet werden. Das Stapeln von Voreinstellung, also eine additive Verwendung mehrerer Voreinstellungen, ist möglich.

Ich habe nun ein paar Anpassungen für das Bild getätigt. Eine Besonderheit von Capture One Pro will ich da nicht unerwähnt lassen. Gradationskurven anpassen kann wohl jede EBV Software. Capture One kann die Gradationskurve aber auch ausschließlich auf die Helligkeitswerte (Luminanzkanal) beziehen. Das verhindert,  dass sich die Farben dabei verändern, wie es sonst bei Kontrastveränderungen der Fall ist. Grandios!

Capture One Anpassungen Gradationskurve

Zurück zu unserem Bild von vorher. Ich beschneide es auch ein wenig, um links oben den seelenlosen Weißbereich des Himmels zu reduzieren.

Capture One Anpassungen

Beim Zuschneiden stolpere ich noch immer regelmäßig über einige Eigenheiten des Werkzeugs „Zuschneiden“. Es war praktisch, in Lightroom, immer zu wissen, welches Seitenformat für ein bestimmtes Bild verwendet wurde. Und es wäre wichtig vor allem für nachträgliche Änderungen.

Für dich vielleicht egal, im Web ist das tatsächlich nicht so wichtig. Bei Büchern allerdings richtet sich der Bildausschnitt häufig nach dem zur Verfügung stehenden Platz. Sehe ich ein Bild in 4×5 Hochformat, so weiß ich beispielsweise, dass es sich für eine komplette Seite meiner Reisebücher perfekt eignet. 2×1-Format hingegen ist ideal für meine Bildbände, wenn ich eine Doppelseite mit einem Bild füllen muss.

Capture One Pro zeigt zwar die tatsächlichen Bildmaße bzw. Maße des Zuschnitts eines Bildes an, nicht aber das Seitenverhältnis, Das müsste ich mir jeweils ausrechnen. Die Bildmaße werden, und jetzt wird’s kompliziert, in der Einheit angezeigt, die beim Zuschneiden eingestellt wurde. Die Möglichkeit, die Einheit dort festzulegen, besteht aber nur, wenn… Nein, so wird das nichts; das muss ich euch näher erklären:

Das Werkzeug Zuschneiden mit der benötigten Einstellung befindet sich standardmäßig im Register Objektivkorrektur (bei mir zusätzlich auch in der Gruppe „Belichtung“):

Capture One Zuschneiden

Aber: Die Einstellung für die Maßeinheit lässt sich dort nur verändern, wenn du zuvor bei der aktuell gewählten Verarbeitungsvorgabe für den Export (sic!) als Skalierung “Fest” gewählt hast. Sonst hast du auf diese Einstellung keinen Zugriff. Geil, was?

Capture One Zuschneiden
Ja, jetzt sind wir ganz woanders, nämlich bei den Exporteinstellungen, um die Maßeinheiten fürs Zuschneiden zu ermöglichen. Ist doch ganz logisch, oder?

Habe ich z.B. bei den Exportvorlagen „NFC“ gewählt mit einer Skalierung auf eine „Höhe“ von 900px

Capture One Zuschneiden, noch immer bei den Exporteinstellungen

dann ist die Maßeinheitswahl im Zuschnittwerkzeug deaktiviert:

Capture One Zuschneiden - deaktivierte Maßeinheit im Zuscheidewerkzeug

Öhmm, ja. Ganz simpel, nicht? Sehr verständlich und gar nicht kompliziert. Oh God!

Nicht genug damit, Lightroom zeigt bei jedem Bild beim Zuschnitt den aktuelle Zuschnitt an und verwendet den auch als Vorgabe beim nächsten Mal, wenn ich dasselbe Bild erneut zuschneiden will. Capture One Pro hingegen zeigt immer das zuletzt bei einem beliebig anderen Bild beim Zuschneiden verwendete Seitenverhältnis an und wendet es auch fix für das aktuelle Bild an, sobald ihr zuschneiden wollt. Wie bitte?!

Ihr könnt z.B. oben sehen, dass bei „Zuschneiden“ ein Seitenverhältnis von „1×1 (Quadrat)“ eingetragen ist, obwohl das aktuelle Bild sicherlich nicht in dem Format beschnitten wurde. Das Seitenverhältnis von „1×1 (Quadrat)“ wurde Tage zuvor letztmalig verwendet. Capture One Pro ist das völlig egal. Trotzdem sollte jemand den Entwicklern von Phase One sagen: Diese Vorgehensweise ist weder  praxisgerecht, noch unterhaltsam!

Und weil ich schon so schön beim Meckern bin: Die „Anfasser“ an den Bildecken zum Croppen (Zuschneiden) sind mit den bei Auslieferung vorgenommenen Voreinstellungen sehr schwer zu finden. Der Mauszeiger wird an den anfassbaren Ecken zum Doppelpfeil. Das hilft zwar, aber eben nur, wenn ihr mit dem Mauszeiger eine Bildecke findet.

Da der Desktop schon mal nahezu schwarz ist, fehlt bei Bildern mit dunklem Rand die optische Abgrenzung zum Hintergrund. Es ist zwar möglich, die Benutzeroberfläche bzw. den Bildhintergrund farblich zu verändern. Das alleine hilft kurzzeitig, verlagert allerdings das Problem je nach eingestellter Hintergrundfarbe dann eben zu grauen oder weißen Bildern.

“Wie wäre es mit einem schlichten Rahmen in Kontrastfarbe zur Hintergrundfarbe, der das eigentliche Bild zum Hintergrund abgrenzt?” dachte ich mir.

Und siehe da, die Entwickler hatten wohl denselben Gedanken. Nach einiger Sucherei und mit Hilfe anderer Capture One-Anwender konnte ich so einen Rahmen finden. In den Einstellungen unter der Registerkarte “Zuschneiden” findet sich die Möglichkeit, einen Rahmen anzuzeigen. Wäre aber doch viel zu einfach, deshalb hat Phase One hier zwei Optionen geschaffen.

die Anzeige eines Abgrenzungsahmens um den gewählten Zuschnitt eines Bildes kann hier eingestellt werden. Ich empgfehle derzeit "Immer" (siehe Text).
die Anzeige eines Abgrenzungsahmens um den gewählten Zuschnitt eines Bildes kann hier eingestellt werden. Ich empgfehle derzeit “Immer” (siehe Text).

Die vorgegebene Einstellung für “Rahmen anzeigen” ist “Wenn keine Maske”. Gut. Da sollte ein Rahmen ums Bild bzw. den gewählten Bildausschnitt angezeigt werden, wenn das Bild keine Maske aufweist. ??? Hmpf. Da passiert bei mir gar nichts. Kein Rahmen in allen Fällen. Auch andere Anwender, die ich befragen konnte, haben dasselbe Erlebnis. Erst mit der Einstellung “Immer” kommt der Rahmen zum Vorschein. Dann aber egal, ob Maske oder nicht.

Ist da der Wurm drinnen? Nein, es funktioniert alles sogar besser und deutlich komplexer konfigurierbar als erwartet. Draufkommen muss man nur mal. Ich habe kurz überlegt, dir zu erklären, was mir in unserem Forum (https://www.nikon-club.de/forum/threads/capture-one-pro-der-gro%C3%9Fe-erfahrungsbericht-mit-einigen-%C3%9Cberraschungen.20594/) wirklich mühsam nähergebracht wurde. Dann wollte ich aber doch, dass du das Adventure in vollen Zügen genießen kannst. Nur zwei Hinweise zu den Voreinstellungen:

  • “Maske” hat in diesem Fall nichts mit den von mir bereits beschriebenen Masken zu tun.
  • “Beschr. anz.” bedeutet nicht “Beschränkung anzeigen”. (Warum hat Phase One hier abgekürzt? Platz wäre genug.)

Aber vielleicht geht da noch etwas: Die Möglichkeit, die Seitenlinien zwecks proportionaler Größenveränderung mittig anfassen zu können, fehlt mir. Aber nur ein bisserl.

Ebenen

Weil es jetzt gut passt und außerdem zum Ausgleich für meine Schimpfer, kommen wir nun zu einem der Highlights von Capture One Pro. Von Lightroom-Anwendern, mit denen ich die Vor- und Nachteile verschiedener RAW Entwickler erörtere, höre ich derzeit (noch) immer das Argument, man benötige keine Ebenen bei der Bildentwickelung. Dafür habe man Photoshop, Affinity Photo o.ä. Das klingt für mich nach derselben Betrachtungsweise wie seinerzeit, als Olympus Klapp/Dreh-Displays an den DSRLs eingeführt hatte: Nikon User erklärten fast unisono: „Mir tun das nicht brauchen tun. Nicht. Niemals!“ Heute rede mal mit einem Nikon Fotografen, der einmal mit einem Klappdisplay real gearbeitet hat…

Neben den ganz üblichen Einstellungen springt euch bei Capture One Pro das Werkzeug „Ebenen“ ins Auge. Dieses Werkzeug gehört zu den echten Glanzstücken von Capture One Pro und ist in der Form derzeit bei keinem Produkt eines Mitbewerbers zu finden. Ich liebe es, weil ich mir damit in den allermeisten Fälle eine Weiterbearbeitung in Photoshop oder Affinity Photo sparen kann. Du findest am Ende dieses Artikels einige Bilder vorher/nachher, die zeigen, wie mächtig dieses Werkzeug ist und was es für deine Bildbearbeitung tun kann.

Beim aktuellen Bild zeige ich schnell eine der einfacheren Anwendungsmöglichkeiten. Das Bild selbst wäre nach den erfolgten Anpassungen ziemlich brauchbar, aber dem Vordergrund fehlt noch Struktur, obwohl ich die Lichter für das gesamte Bild schon ziemlich heruntergezogen habe.

Ich erstelle nun eine Ebene („Helligkeitsverlauf Vordergrund“) und ziehe eine Verlaufsmaske über die Boote und den Strand.

Capture One - Verlaufmaske für den Vordergrund

Ein wenig abdunkeln, passt. Das Ergebnis entspricht nun meinen Erwartungen.

Capture One - Verlaufsmaske für den Vordergrund angepasst

Mit Ebenen lässt sich noch viel mehr anstellen. Du kannst eine ganze Menge Ebenen (derzeit bis zu 16) übereinanderlegen, Reparaturebenen (ähnlich Reparaturpinsel in Photoshop), Klonebenen (funktionieren wie Stempel), Anpassungsebenen, Verläufe. Ich verwende das in früheren Versionen gebräuchliche Werkzeugregister „Lokale Anpassungen“ gar nicht, weil ich alles, was ich brauche, innerhalb der einen einzigen Werkzeuggruppe mittels Ebenen erledige.

Masken lassen sich auch (Werkzeuggruppe „Farbe“) aus einem gewählten Farbbereich heraus erstellen. Praktisch, wenn nur der Himmel ohne „Höfe“ nachgedunkelt werden soll. Im Übrigen lassen sich alle Masken auch noch nach Bildfertigstellung nachbessern und verfeinern. Einzig die Möglichkeit, andere Bilder für den Austausch von Hintergründen, Himmel etc. zu verwenden, fehlt mir zum perfekten Glück. Das kann wiederum ON1 RAW, aber das ist eine andere Geschichte.

Hier ein weiteres eher einfaches, aber doch eindrucksvolles Anwendungsbeispiel aus der Praxis: Eine Person im Bild ist gegen den Himmel abgebildet. Der Himmel ist hell, die Sonne kommt fast von hinten, die Person ist dunkel, liegt voll im Schatten. Fast unbrauchbar. Dieses Problem erledige ich binnen weniger Minuten während der Entwicklung, ganz ohne zusätzliche Bildbearbeitungssoftware.

So sieht das Bild nach der Basisentwicklung aus. Die Person ist noch immer recht dunkel und nicht gut erkennbar:

Capture One Anpassungsebene Maske 1

Ich erstelle eine Anpassungsebene. Rechte Maustaste auf das Plus im Ebenenwerkzeug (in meinem Beispiel links mittig, kann aber auf der Arbeitsfläche hingelegt werden, wo immer es Spaß macht). “Neue leere Ebene” erstellt eine “Anpassungsebene”. Anpassungsebenen erlauben die Anpassung verschiedener Parameter nur auf diese Ebene bzw. auf eventuell vorhandene Masken in dieser Ebene bezogen.

Capture One Anpassungsebene erstellen

Jetzt basteln wir uns eine Maske (die gezeigte Maske – rot – ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhanden). Wir halten den Mausklick oben beim Maskenwerkzeug etwas länger und wählen “Maske zeichnen” (Shortcuts gibt es ebenfalls für fast alles, in diesem Fall ist „B“ für „Brush“ voreingestellt, „E“ für „Eraser,“ – Radiergummi – usw.),

Capture One Anpassungsebene Maske erstellen

Wir stellen uns mit einem Klick auf die rechte Maustaste Pinselgröße, Härte etc. ein und achten auf das Hakerl bei “Automatische Maskierung”. Die Maske wird nun zwar nicht automatisch erstellt, aber immerhin passt der Pinsel “selbsttätig” die Maske an Kontrastkanten an. Nun, das funktioniert zwar nicht perfekt, weil wir noch immer recht genau zeichnen müssen, aber immerhin. Dort, wo die Maske nicht in starken Kontrasten zu einer anderen Fläche enden soll, wird diese Funktion unbrauchbar, da müssen wir eben gaaanz genau zeichnen. Aber nachher haben wir eine Maske, die wir zur Anpassung verwenden können.

Capture One Anpassungsebene Maske erstellen mit automatischer Kantenerkennung

Gut sichtbar: die rote Maske. Links im Bild die mit “Christa” benannte Ebene. Hakerl brauchen wir, um die getätigten Anpassungen sehen zu können. Links oben habe ich das Symbol “bepfeilt”, das in allen Werkzeugen sichtbar ist, die innerhalb von Ebenen verwendet werden können. Kein Symbol, keine Ebenenrelevanz. Ebenfalls oben zu sehen ein Pfeil, wo ich die Belichtung für die Person (Maske) angehoben habe. Weiter unten könnte man eventuell noch im Werkzeug “Klarheit” die “Struktur” ein wenig anheben.

Capture One Anpassungsebene für Maske Belichtungsanheben

Wie sieht das jetzt im Vergleich vorher/nachher aus?

Bild vorher
Bild vorher
Bild nach Bearbeitung mit Ebene
Bild nach Bearbeitung mit Ebene

Wir sind nun mit diesem Bild fertig. Non-destruktive Bearbeitung, ohne ein neues File (PS-tauglich) erstellen zu müssen. Das RAW File ist noch immer unverändert vorhanden. Vorteil: Spätere Farbanpassungen zwecks Abgleich mit anderen Bildern auf derselben Buch-Doppelseite sind weit einfacher und effektiver durchführbar als mit einem TIFF oder JPEG. Und – ganz wichtig – jede Maske jeder Ebene kann auch noch nach Jahren korrigiert oder erweitert werden, ohne das Ausgangsbild verändern zu müssen.

In Summe recht wenig Aufwand, liest sich länger als die Bearbeitung dauert.

Bildstapel, Makros

Manches bei der Bearbeitung wäre einfacher mit Makros zu lösen. Organisatorisch würden Bildstapel helfen. Aber nicht alles, was ich von Lightroom gewohnt bin, gibt es in Capture One Pro – und umgekehrt.

Ich verwende Bildstapel für die Zusammenfassung von Einzelaufnahmen von Panoramen mit dem Panorama selbst. Auch bei mehreren Bearbeitungen über mehrere Dateien hinweg (Basisentwicklung in Lightroom, Weiterverarbeitung in Photoshop oder Affinity Photo in einem PSD oder TIFF) ist mir der Bildstapel eine Organisationshilfe. Gibt es in Capture One Pro nicht.

Makros ähnlich den Aktionen bei Photoshop hätte ich gerne, gibt es leider auch nicht. Nein, das stimmt so nicht ganz: Unter MacOS gibt es sie in Zusammenarbeit mit Applescript schon. Nur hilft mir das unter Windows nicht wirklich. Auf Apples MacBook Pro arbeite ich nur vor, die Endbearbeitung erfolgt auf einer weit stärkeren Maschine unter Windows.

Farbbearbeitung

Ja, die kann Capture One Pro richtig gut. Die kann prinzipiell auch Lightroom. Aber hier hat Capture One die Nase klar vorn. Der erste Blick auf die dazu vorhandenen Werkzeuge kann einen Einsteiger allerdings fast erschlagen.

Capture One Farbwerkzeuge 1

Ich will dich gar nicht damit langweilen, die Vielfältigkeit der Möglichkeiten in der Farbbearbeitung aufzuzählen oder gar zu erklären. Nur eine kleine Funktion von vielen als Beispiel: Es kommt schon mal vor, dass ein Himmel bei älteren Aufnahmen ein wenig Zeichnung vermissen lässt. Durch Abdunkeln des blauen Farbtons beispielsweise lässt sich hier aber schon einiges erreichen, die Struktur der Wolken tritt deutlicher hervor. Bei Capture One Pro geht das einfach – über die direkte Arbeit an der gewählten Farbe und, aber nicht notwendigerweise, über Ebenen.

Im Screenshot sind einige Werkzeuge, unter anderem der Farbeditor gut erkennbar. Der ermöglich aber nicht nur die grundsätzliche Einstellung der wesentlichen Grundfarben (Registerkarte „Basisdaten“), sondern auch, einzelne Farbmischungen gezielt zu bearbeiten („Erweitert“). Ich habe einige „Schrauben“ markiert. Nimm die Pinzette, klicke damit auf das Blau des Himmels. Die Farbe wird unten links angezeigt. Im Farbkreis unterhalb der Registerkarten wird der gewählte Farbbereich ebenfalls als Sektor angezeigt. Diesen Sektor kannst du  nun ausweiten oder einengen oder auch in eine andere Farbrichtung verschieben. Bei der Feinjustierung hilft dir, links unten das Hakerl bei „Ausgewählten Farbbereich anzeigen“ zu setzen. Dann werden nur mehr die Bildteile farbig gezeigt, die in das gewählte Farbsegment passen, der Rest wird schwarzweiß dargestellt. Geht es noch übersichtlicher?

Capture One Farbwerkzeuge 2

Hauttöne, nur eine Registerkarte weiter rechts, sind, in einem eigenen Bearbeitungspunkt, noch wesentlich feiner beeinflussbar  Was da alleine die Homogenitätsregler mit Hauttönen anstellen können, ohne das ganze Bild zu ruinieren, ist schwer beeindruckend. Da hast du richtig was zum Spielen.

Ich hab’s schon mal kurz erwähnt: Du kannst aus jedem gewählten Farbbereich direkt eine Ebenenmaske erstellen, um dort danach Bereiche auszublenden, neue hinzuzufügen etc., um danach die Ebene weiterzubearbeiten. Auch sehr praktisch.

Capture One Farbwerkzeug Maske direkt erstellen

Das Invertieren einer solchen Maske zwecks Erstellung einer „Color Key“ Bearbeitung ist ebenfalls möglich.

Farbmanagement

Weil wir schon beim Thema Farbe sind: Das, was man landläufig unter „Farbmanagement“ z.B. bei Adobe versteht, kennt Capture One Pro (unter Windows) so nicht. Capture One ist und wird nicht grundsätzlich auf ein bestimmtes Farbprofil festgelegt, Trotzdem funktioniert das, was Capture One Pro anbietet, in Hinblick auf das Managen von Farben besser als alles, was ich bisher kannte.

Capture One arbeitet mal mit eigenen, sehr gut abgestimmten Profilen. Und zwar mit für die jeweilige Kamera exakt zugeschnittenen, gut zu erkennen unter „Basismerkmale“ links oben in den vorhergehenden Screenshots. Das ist eine Seite der Medaille. Die andere, für mich noch wichtigere Seite ist die des Ausgabeprofils. Wir werden den Bereich noch näher ansehen, aber kurz gefasst: „WYSIWYG“. Echt. Nicht so wie z.B. in Lightroom nur für RGB, sondern für jedes Farbprofil, das in den jeweiligen Exportvorgaben eingestellt ist.

Zur Illustration, wie viel Unterschied das unter Umständen ausmacht, ein Beispielbild, zuerst ins RGB für z.B. Webausgabe, danach in einem für Offsetdruck geeigneten CMYK-Profil. Achte auf das Blau des Himmels!

Farbprofil RGB
Ein Bild aus Alcatraz mit RGB-Farbprofil.
Farbprofil CMYK
Hier dasselbe Bild mit identen Anpassungen mit einem CMYK-Farbprofil.

So arbeite ich in dem Profil, das ich für die Ausgabe, z.B. den Druck, brauche und habe die Farben bereits bei der Bearbeitung unter Kontrolle. Das ist in dieser Form, in diesem Umfang unüblich. Ja, das ist ganz fantastisch, wenn du nicht nur fürs Web, sondern auch für Offsetdruck arbeitest.

Ein ganz großes Dankeschön an Phase One von meiner Seite! Allein diese Funktion ist mir den Lizenzpreis wert.

Normalisierung

Ein weiteres Feature zur Farbbearbeitung, das ich bisher nur bei Capture One Pro gesehen habe, ist das Werkzeug „Normalisierung“. Damit ist es möglich, Inhalte verschiedener Bilder farblich aneinander anzugleichen.

Die Pipette zur Farbaufnahme und auch die zur Farbzuweisung müssen sehr genau gesetzt werden, dann funktioniert dieses Werkzeug unglaublich gut. Ich habe damit drei Bilder, die aus verschiedenen Kameras und verschiedenen Jahren stammen, aber im Buch auf einer Seite nebeneinander stehen müssen, farblich perfekt aneinander angleichen können. Das ist mir bei Lightroom auch mit hohem Aufwand zuvor nicht gelungen. Im Studio bei Portraits bei leicht wechselnden Beleuchtungsszenarien ist dieses Werkzeug ebenfalls ein Segen!

Let’s Crop! – Drehen, Entzerren, Zuschneiden

Kehren wir zu unseren zwei Bildern zurück, die wir eben entwickelt und nun auch farbmäßig behandelt haben. Beim ersten ist keine Entzerrung perspektivischer Art nötig, nur eine leichte Drehung gegen den Uhrzeigersinn habe ich vorgenommen. Die Funktion bzw. der Zugang dazu liegt üblicherweise am oberen Rand der Arbeitsfläche (oder wo immer ihr sie hinlegt) und lässt, wie die meisten Werkzeuge, einige Einstellungen zu.

Capture One Drehen

Viel gäbe es zu diesem Thema nicht zu sagen, wäre da nicht ein kleines Ärgernis. Bei jedem Start von Capture One springt diese Funktion auf die erste, im Screenshot aktive Einstellung zurück. Diese bedeutet „Gerade richten“. Du ziehst mit dem Cursor eine Linie, die exakt waagrecht sein soll, Capture One Pro erfüllt dir den Wunsch und dreht das Bild entsprechend. Geile Sache, kommt aber nur bei Capture One vor. Üblicher – ich habe eine ganze Reihe an Bildbearbeitern gefragt – ist es, „Freihand“ zu drehen.

Wenn du gewohnt bist, Freihand zu drehen, hast du schlechte Karten – so wie ich. Nach jedem Neustart falle ich immer wieder über diese Hürde. Immer.

Können Standardeinstellungen nicht auf die meist verwendeten Einstellungen gesetzt werden (alle Capture One User bis auf einen, mit denen ich bis jetzt gesprochen habe, verwenden hauptsächlich Freihanddrehen)? Zweite Möglichkeit: Werkzeugeinstellungen verbleiben beim nächsten Start so, wie sie vom Benutzer beim Verlassen der Software eingestellt waren. Und zwar durchgängig, konsistent, berechenbar.

Nein, Capture One Pro muss natürlich einen anderen Weg gehen. Bleibt z.B. ein Seitenverhältnis (siehe weiter oben) über Tage lästiger weise auf das letzte verwendete Seitenverhältnis eingestellt, so funktionieren die Werkzeuge am oberen Rand der Arbeitsfläche („Auswählen“, „Verschieben“, aber auch „Drehen“, „Trapezkorrektur“ etc.) anders. Sogar ziemlich anders. Wir haben zu zweit doch einige Tage benötigt, die Systematik dahinter zu ergründen.

Wird eines dieser Werkzeuge umgestellt, so gilt die beim Verlassen von Capture One bestehende Voreinstellung. Wenn! Nämlich nur, wenn genau dieses Werkzeug beim Verlassen auch aktiv ist, alle anderen Werkzeuge werden auf Default zurückgesetzt. Habt ihr also z.B. die Trapezkorrektur auf „Trapezkorrektur waagrecht“ eingestellt, die Bilddrehung auf „Freihanddrehen“ und verlasst Capture One mit eingestelltem „Verschieben“-Werkzeug, sind die Einstellungen für Bilddrehung und Trapezkorrektur dahin.

Verlasst ihr aber Capture One mit aktiv eingestellter Bilddrehung, so bleibt dort „Freihanddrehen“ erhalten, alle anderen Werkzeuge springen in die Voreinstellungen zurück. Sofort zu durchschauen, das System, gell?

Wenden wir uns dem zweiten Bild zu, an dem ich euch zeigen kann, wie die Trapezkorrektur funktioniert. Die weist zu der Entzerrung bei Lightroom ebenfalls deutliche Unterschiede auf. Mir ist sie allerdings lieber, weil sie zwar nicht automatisch (außer ihr verwendet eine Kamera von Phase One), aber meist wesentlich präziser arbeitet.

Wir nehmen ein Bild her, entwickeln es zuerst, danach kommen wir nach einem kleinen Abstecher zur „Trapezkorrektur“ (siehe Pfeil) zurück.

Kurzer Abstecher zur Objektivkorrektur

Das Werkzeug „Trapezkorrektur“ findest du standardmäßig in der Gruppe „Objektiv“, in der alle Werkzeuge zur Objektivkorrektur wie Entfernung der chromatischen Aberration und der Objektivverzeichnung, aber auch zum Entzerren, Drehen, Zuschneiden etc. zusammengefasst sind.

Capture One Objektivkorrektur

Kurz gefasst: Es finden sich Profile  für die meisten Objektive, zumindest die von Profis oder engagierten Amateuren verwendeten, Auch für ältere Geräte, bei denen Adobe leider bereits ziemlich ausgemistet hat (Soll ich jetzt die älteren Aufnahmen schmeißen?).

Die Entfernung der CAs kann vom Ergebnis her nicht ganz mit derselben Funktion in Lightroom mithalten, das muss leider gesagt werden. Es gibt aber ein eigenes Werkzeug zur Entfernung der violetten Farbsäume, das Lightroom wiederum nicht kennt.

Auch blaue Überstrahlungen wie sie bei feinen Ästen gegen den Himmel oft auftreten, sind in Lightroom fast vollständig, in Capture One Pro nur sehr mäßig in den Griff zu bekommen.

Blaue Ränder von Ästen gegen den Himmel können bei Lightroom nahezu beseitigt werden.
Blaue Ränder von Ästen gegen den Himmel können bei Lightroom nahezu beseitigt werden.
Blaue Ränder von Ästen gegen den Himmel sind bei Capture One nicht gänzlich in den Griff zu bekommen.
Blaue Ränder von Ästen gegen den Himmel sind bei Capture One nicht gänzlich in den Griff zu bekommen.

Bilder dieser Art solltest du auch noch mit Hilfe von Helligkeit und Belichtung nacharbeiten, weil Lichter absenken in solchen Fällen zu keinem befriedigenden Ergebnis hinsichtlich der Strukturen führt.

Mit Lightroom
Ergebnis mit Lightroom
Mit Capture One Pro
Ergebnis mit Capture One Pro

Klick auf die Bilder und sieh dir die Himmelsbereiche in rechts der Bildmitte in der Vergrößerung an! Dann weißt du, was ich meine.

Neben den üblichen Einstellungen findest du in Capture One auch eine „Beugungskorrektur“. Beugung (oder Diffraktion) kennt jeder Fotograf, an den Gesetzen der Physik kommen wir eben noch nicht vorbei. Sobald die Blendenöffnung klein wird, werden Lichtstrahlen abgelenkt, was zu einer Schärfeminderung führt. Bei aktuellen Geräten/Objektiven im Kleinbildbereich beginnt die Beugung oft bereits bei Blende 1:5,6, aber spätestens bei Blende 1:11 oder kleiner wird die Abnehme der Schärfe mit freiem Auge deutlich sichtbar Viel Pech für Makrofotografen, die sich eine weit offene Blende wegen der geringen Tiefenschärfe meist nicht leisten können. Nicht ganz so viel Pech für alle Capture One Pro Anwender, die diesen Schärfeabfall mittels „Beugungskorrektur“ ziemlich gut heraus rechnen können.

Das Werkzeug „LLC“ hingegen ist nicht nur gut, sondern nahezu sensationell. Mit einem simplen (sauberen) Joghurtbecher – ja, es gibt ein haltbareres, alternatives Teil auch sauteuer direkt von Phase One – vor der Linse kannst du eine Vergleichsaufnahme machen, mit deren Hilfe dann Lichtabfall des Objektivs, gröbere Helligkeitsflecken bzw. Verschmutzungen des Sensors etc. aus deinen Bildern heraus gerechnet werden. Die Idee ist bestechend, die Ausführung ebenfalls.

Zurück zur Trapezkorrektur

Die Trapezkorrektur, die wir uns nun ansehen wollen, lässt sich zur Korrektur von senkrechter oder waagrechter Verzerrung einstellen, kann aber mittels Trapez beide Korrekturen gleichzeitig durchführen. In unserem Fall brauchen wir nur die senkrechte Korrektur.

Capture One Entzerren 1

Du siehst nun zwei senkrechte Linien, die du mit den Kontrollpunkten (Anfassern, den links oben habe ich markiert) an Kanten ausrichten kannst, die senkrecht stehen sollen. Danach drückst du den Button „Zuweisen“, das Ganze sieht so aus:

Capture One Entzerren 2

Nach dem Drücken stehen die Häuser mal grundsätzlich gerade bzw. zumindest sind die Häusermauern halbwegs parallel. Hast du nicht ganz sauber gearbeitet, einfach nachjustieren, bis es passt. Manchmal passiert es, dass die Häuser ganz leicht nach rechts zu kippen scheinen. Passiert bei mir bei der Trapezkorrektur häufig, lässt sich mit „Drehen“ ganz leicht beheben.

Capture One Entzerren 4

Beim Drehen wird ein Raster eingeblendet, der die perfekte Ausrichtung zum Kinderspiel macht.

Ich bin zwar mit dem Ergebnis halbwegs zufrieden, aber noch nicht ganz.

Capture One entzerrt und gedreht

Erstens hätte ich lieber mehr Himmel als Autodachreste im Vordergrund, zweitens möchte ich gerne die schmalen hellen Linien rechts im Bild (siehe Pfeil) aus dem Bild bekommen. Der nach den bisherigen Arbeiten verbliebene Ausschnitt wird hell, der „Abfallrahmen“ dunkler dargestellt. Du erkennst also ganz gut, dass ich nun den Ausschnitt innerhalb der originalen Bildfläche nach oben und nach links verschieben sollte.

Klingt einfach, ist derzeit unmöglich. Zumindest nicht, solange der Ausschnitt nicht zuvor verändert wurde. Auch dann nicht, wenn Platz genug zum Verschieben wäre. Das ist einer der kleinen Fehler, die ich erst per Ticket an Phase One melden muss, das wird sicher noch korrigiert.

Beim Zuschneiden („Croppen“) gibt es dann keine Überraschungen mehr. Dass sich das Seitenverhältnis etwas kontraproduktiv andient, habe ich schon erwähnt. Nach dem Zuschneiden, im speziellen Fall auf 5×4 Bildformat, bin ich zufrieden. Im Ansichtsmodus „Verschieben“ sieht das Bild nun brauchbar aus.

Capture One entzerrt, gedreht und zugeschnitten

Das 5×4 Bildformat bleibt uns jetzt, wie schon erwähnt, solange als Standardeinstellung erhalten, bis wir beim nächsten Zuschneiden darüber stolpern, uns ärgern und es manuell wieder auf „Original“ (oder ein anderes Seitenverhältnis) zurück- bzw. umstellen. Begeisterung!

Rauschreduktion und Schärfung

Oftmals unterschätze Bereiche der Bildbearbeitung sind die Reduktion von Bildrauschen und die Schärfung. Bei aktuellen Top-Kameras ab dem APS-Segment ist das Bildrauschen nur mehr bei High ISO ein Thema, und nicht mal mehr ein großes. Aber es gab auch schon früher Bildsensoren; manche davon rauschten bereits bei ISO 200 wie Sau, was vor allem im Himmel manch alter Aufnahme zu erkennen ist. Dann noch fett darüber schärfen, und die Katastrophe ist fertig.

Schauen wir mal bei einem Bild aus der Olympus E-3 bei ISO1250 ein wenig näher hin.

Capture One Rauschreduzierung 1

Die meisten Regler sind auch Lightroom Anwendern bekannt. Nur „Single Pixel“ schlägt aus der Art. Damit ist es möglich, einzelnen Hot Pixeln beizukommen, ohne dass deshalb mühsam mit dem Stempel nachgearbeitet werden müsste.

Bei der Schärfung wiederum fällt der Regler für „Lichthof Unterdrückung“ auf. Er reduziert die weißen Linien an den Kontrastkanten, vor allem dann, wenn mit dem Pixelradius beim Schärfen ein wenig übertrieben wurde.

Grundsätzlich ist die Rauschreduzierung bei Capture One Pro für den Normalfall gut brauchbar, wenn auch Spezialisten wie z.B. DeNoise von TopazLabs bei grenzwertigen Bildern noch etwas mehr zu leisten imstande sind. In manchen Extremfällen liegt dann sogar Lightroom noch besser. Hier ein Beispiel aus dem Eingangsbereich des Nürnberger Doms in zwei Variationen:

Capture One Entrauschen Extrem LR
Extremrauschen nach Behandlung durch Lightroom
Capture One Entrauschen Extrem C1
Und hier war Capture One Pro im Einsatz.

In der Vergrößerung (Klick auf die Bilder) sind die Unterschiede recht gut erkennbar.

Das Schärfungswerkzeug bietet sehr gute Ergebnisse, auch weil die Lichthof Unterdrückung bei schwierigen Fällen hilft, den Eindruck von Überschärfung zu mindern.

Beim weiter oben gezeigten Bild, dem aus dem gemütlichen Hotel in Mammoth Lakes, erhöhe ich bei der Rauschreduzierung die vorgegebenen Werte bei Helligkeit und Farbe deutlich, der Rest kann bleiben. Die Schärfeeinstellungen muss ich bei den meisten Bildern aus älteren Kameras etwas zurücknehmen. Die vorgegebenen Werte für Stärke sind ein wenig zu hoch, wenn ich beim Export für Druck oder Web nachschärfen lasse. Bei der Beurteilung der Schärfe hilft die Proof-Ansicht entscheidend, weil sie auch eventuelles Nachschärfen (für Web oder Druck) bei der Anzeige mit berücksichtigt.

Ich nehme zum Vergleich mal ein etwas aktuelleres Bild aus einer Nikon D800 her. Auch schon ein paar Jahre alt, aber schon deutlich besseres Ausgangsmaterial. Wie sieht das nun aus?

Capture One Rauschreduzierung Nikon D800

Unter dem Bild links findet ihr die Daten für ISO, Belichtung und Brennweite. Leider fuzziklein, wie alle Beschriftungen in Capture One Pro. Bei diesem Bild also ISO6400. Die eingestellten Werte für Rauschreduzierung und Schärfung stammen wieder aus der Voreinstellung von Capture One Pro. Was fällt dir auf?

Zumindest beim Schärfen scheint sich die Voreinstellung out of the box nach der verwendeten Kamera bzw. deren Auflösung zu richten. Radius ist für die D800 geringer als für Bilder der Olympus E-3, die Stärke der Schärfung ebenfalls.

Die Rauschreduzierung bei Helligkeit (Luminanz) und Farbe korrigiere ich minimal nach oben, aber wirklich nur minimal, die Schärfeeinstellungen lasse ich wie vorgeschlagen. Passt. Bei gut belichteten Aufnahmen aus der D800 ist das Ergebnis der Rauschreduzierung mit Capture One Pro von dem mit spezialisierten Tools wie DeNoise von TopazLabs erzielbaren kaum zu unterscheiden.

Bildentwicklung habe fertig

Wir wären jetzt fertig mit der EBV. Aber Bildbearbeitung ist kein Selbstzweck. Der Weg ist nicht immer das Ziel. Wollen wir die Bilder nun im Web zeigen? Wollen wir sie belichten lassen? Oder produzieren wir ein Buch bzw. einen Bildband? Für jede dieser Anwendungen sind andere, unterschiedliche Einstellungen wichtig. Nicht nur bei der Entwicklung, auch und gerade bei der Ausgabe. Denn nach den Ausgabeeinstellungen richtet sich auch die Bearbeitung (siehe oben).

Unten kannst du zwischen den Teilen des Berichts blättern.